22.12.12

Baumängel

Berliner Bahnhof Friedrichstraße muss 2013 saniert werden

Nur mit Glück kam beim Absturz eines Betonteils niemand zu Schaden. Unter der provisorischen Sicherung leiden vor allem Händler.

Von Markus Falkner und Thomas Fülling
Foto: dapd

Gefahrenabwehr: Zum Schutz vor herabstürzenden Bauteilen werden im Bahnhof Gerüste aufgebaut
Gefahrenabwehr: Zum Schutz vor herabstürzenden Bauteilen werden im Bahnhof Gerüste aufgebaut

Der erst Ende der 90er-Jahre für viel Geld rekonstruierte Berliner Bahnhof Friedrichstraße muss zumindest in Teilen erneut saniert werden. Bereits im Januar sollen die Arbeiten beginnen, sagte ein Bahnsprecher der Berliner Morgenpost. Kosten und Dauer der Arbeiten sind bisher aber noch offen. "Sie werden aber auf jeden Fall mehrere Wochen dauern", so der Sprecher.

Grund für die außerplanmäßigen Bauarbeiten sind die schweren Baumängel, die vor gut einer Woche offensichtlich wurden. Wie berichtet hatte sich ein 25 Kilogramm schweres Betonteil von der Decke gelöst und war in die stark frequentierte Bahnhofshalle heruntergefallen. Nur durch Glück war keiner der zahlreichen Passanten von dem herabstürzenden Betonbrocken verletzt worden.

Erste Untersuchungen ergaben, dass höchstwahrscheinlich Baupfusch Ursache für den Schaden ist. Demnach wurde bei der zwischen 1995 und 1999 erfolgten Sanierung der Bahnhofshalle Beton im Auflagenbereich der Stahlträger für die Bahnsteigkonstruktion fest verbaut. Die Träger müssen sich aber frei bewegen können, um Temperaturschwankungen und Schwingungen der darüber fahrenden, tonnenschweren Züge ausgleichen zu können.

Um die bis zu 190.000 Reisenden, die jeden Tag den Bahnhof Friedrichstraße passieren, vor weiteren abstürzenden Betonteilen zu schützen, lässt die Bahn inzwischen unter allen vier Gleisen für die Fern- und Regionalbahn Gerüste aufbauen – inzwischen auch in Geschäften.

Geschäft muss wegen fehlender Gerüste schließen

Die Folgen erlebten Ladeninhaber und Kunden schon am Freitag. Im Lebensmittel-Supermarkt in der Hallenmitte standen die Kunden an der Kasse unter Stahlgerüsten Schlange. Auch durch den Blumenladen und das Schokoladengeschäft zieht sich bis auf weiteres das Band der Schutzabsperrungen.

Im Tabakgeschäft und Modeschmuck-Laden sollten in der Nacht zu Sonnabend noch in aller Eile Gerüste aufgebaut werden. Andere hatten weniger Glück. Die Filiale einer Naturkosmetik-Kette war schon seit Donnerstag geschlossen. "Aus Sicherheitsgründen" stand auf einem Zettel im Fenster.

Aus Sicherheitsgründen schlossen sich am Mittag auch die Türen des großen Buch- und Zeitschriftenladens an der Ostseite der Bahnhofshalle. Ein Mitarbeiter stand vor der Tür und verteilte eilig ausgedruckte Informationen an die Kunden. Filialleiter Dietmar Große war im Dauerstress. "Keine Zeit, ich muss 1000 Dinge organisieren", sagte er.

Erst am Morgen war er darüber informiert worden, dass sein Geschäft, das noch keine Schutzgerüste hat, schließen muss. Weil das Wochenende bevorsteht, waren aber eben jene Gerüste nicht mehr rechtzeitig zu beschaffen und aufzubauen. Die Folge stand auf den Handzetteln für die Kunden: Bis einschließlich 27. Dezember bleibt der Laden zu.

Sicherungsmaßnahmen könnten noch Wochen andauern

Seine Mitarbeiter musste Große notgedrungen vorerst nach Hause schicken. "Natürlich wollen wir weder Kunden noch Mitarbeiter gefährden", sagte der Filialleiter. Trotzdem seien die Umsatzausfälle gerade vor dem Weihnachtsfest und über die Feiertage schmerzlich. Ob er dafür eine Entschädigung von der Bahn bekommt, wusste er noch nicht. "Ich hoffe aber, dass wir uns einigen können", sagte Große.

Wie es weitergeht am Bahnhof, darüber konnten die Geschäftsleute am Freitag nur mutmaßen. "Zumindest in den nächsten Wochen werden wir wohl mit den Zuständen hier leben müssen", sagte Händler Große.

Laut dem Bahnsprecher konnten bis Freitagmittag in drei der insgesamt 15 Läden in der Bahnhofshalle Gerüste aufgebaut werden. Weitere sechs sollten die Schutzgitter noch in der Nacht zu Sonnabend und weitere fünf in der kommenden Woche erhalten.

Noch keine Lösung sei indes für den Drogeriemarkt gefunden worden, der mit seinem Eingangsbereich direkt unter einem gefährdeten Deckenbereich liegt, so der Bahnsprecher. Eine Entschädigungsregelung für die betroffenen Geschäftsleute gebe es nicht, die Bahn sei aber gesprächsbereit, versicherte der Unternehmenssprecher.

Geschwindigkeitsbegrenzung wird wieder aufgehoben

Zu den Negativmeldungen der letzten Tage kam jetzt noch eine weitere hinzu. Auch auf gute Geschäfte mit den Silvester-Partygästen, die zur Feier am Brandenburger Tor über den Bahnhof Friedrichstraße anreisen, können die Einzelhändler nicht hoffen. Aus Sicherheitsgründen müssen am 31. Dezember ab 15 Uhr alle Läden schließen, um 16 Uhr wird die Haupthalle gesperrt.

Entwarnung gibt es vorerst jedoch für den Zugverkehr. Die als Vorsichtsmaßnahme verhängte Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 Kilometern pro Stunde soll am heutigen Sonnabend um 9 Uhr aufgehoben werden.

Das Tempolimit hatte für teils erheblichen Verspätungen im Fern- und Regionalverkehr gesorgt. Nicht betroffen von den Einschränkungen war die S-Bahn. Ob der Zugverkehr während der Sanierungsarbeiten wieder eingeschränkt werden muss, konnte der Bahnsprecher noch nicht sagen.

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