21.12.12

Verkehrssünder

Berlin nimmt 70 Millionen Euro durch Knöllchen ein

In Berlin ist das Falschparken vielerorts schon zum Alltag geworden. Zwischen den einzelnen Bezirken gibt es jedoch deutliche Unterschiede.

Von Hans H. Nibbrig
Foto: dpa

Verkehrsdelikte: Die meisten Strafzettel wurden im Berliner Bezirk Mitte ausgestellt
Verkehrsdelikte: Die meisten Strafzettel wurden im Berliner Bezirk Mitte ausgestellt

65.435.279 Euro, das ist exakt der Betrag, den das Land Berlin in den ersten elf Monaten dieses Jahres an Bußgeldern von Verkehrssündern kassieren konnte. Das bedeutet einen neuen Rekord. Denn die Summe liegt um 1,5 Millionen Euro höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und gleich um deutliche zehn Millionen Euro über den Einnahmen von 2010.

Die Zahlen nannte am Freitag ein Polizeisprecher. In der Behörde wird erwartet, dass bis zum Ende des Jahres noch die 70-Millionen-Grenze überschritten wird. Etwa 60 Prozent der Summe kamen durch Bußgelder zustande, die die Polizei verhängte, die restlichen 40 Prozent, knapp 27 Millionen Euro, steuerten die für die Überwachung des ruhenden Verkehrs zuständigen Ordnungsämter der Bezirke bei.

Die Gesamtzahl der von Polizei und Ordnungsämtern ausgestellten "Knöllchen" liegt bei 3.962.326 (Stand 30. November 2012). Sowohl bei der Polizei als auch in den Bezirksämtern geht man davon aus, dass bis zum Jahresende die Vorjahreszahl von 4,3 Millionen Verkehrsordnungswidrigkeiten-Anzeigen übertroffen wird.

Das statistische Material fordert zu Zahlenspielen geradezu heraus. Vier Millionen "Knöllchen", zu 60 Prozent von der Polizei ausgestellt, bedeutet, dass Berlins Polizisten durchschnittlich rund 300 Anzeigen pro Stunde gegen Verkehrssünder schreiben. Und das 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche, 52 Wochen im Jahr.

Falsches Parken gefährdet Rettungseinsätze

Was dem Finanzsenator unzweifelhaft Freude bereiten dürfte, findet allerdings nicht überall Beifall. "Da soll noch mal einer sagen, wir seien personell unterbesetzt und könnten unsere Aufgaben nicht mehr erfüllen. Zum Knöllchenschreiben reicht es allemal", stellt ein Polizeiführer ironisch fest.

Doch die Kritiker, die seit Jahren immer wieder fordern, die Polizei möge sich statt um Verkehrssünder lieber mehr um Schwerkriminelle und den Schutz der Bevölkerung kümmern, lassen nach Ansicht von Experten einige Dinge außer Acht. Ein Großteil der Anzeigen werde wegen Rotlichtverstößen und Geschwindigkeitsüberschreitungen geschrieben.

Das sind seit Langem auch zwei der alljährlich registrierten Hauptunfallursachen, bei denen in vielen Fällen Kinder die Opfer sind. Einen weiteren bedeutenden Anteil der vier Millionen "Knöllchen" trifft Parksünder. Parken in zweiter Reihe oder vor Einfahrten, in Berlin längst Alltag, ist nicht nur für andere Autofahrer ein Ärgernis, es behindert häufig auch die Rettungsfahrzeuge der Feuerwehr.

Berlin-Mitte ist Knöllchenhochburg

Die jetzt bekannt gewordenen Zahlen offenbaren allerdings deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bezirken. Das mit großem Abstand meiste Geld kassierte zwischen Januar und November das Ordnungsamt im Bezirk Mitte, insgesamt knapp 6,9 Millionen Euro.

Es folgen Charlottenburg-Wilmersdorf mit fünf und Pankow mit 4,7 Millionen Euro. Flächenmäßig große Bezirke wie Steglitz-Zehlendorf oder Neukölln liegen mit 2,1 Millionen beziehungsweise 1,2 Millionen im Mittelfeld der Liste. In Treptow-Köpenick (882.725 Euro) und Lichtenberg (821.451 Euro) fallen die Einnahmen vergleichsweise bescheiden aus. Schlusslicht ist Hellersdorf-Marzahn, hier kassierte das Ordnungsamt lediglich 450.000 Euro.

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