20.12.12

Falsche Tarife

Polizei fasst mutmaßlichen Abzocke-Taxifahrer

Wiederholt haben betrügerische Fahrer Touristen mit "Mondpreisen" über den Tisch gezogen. Nun vermelden die Berliner Ermittler einen Erfolg.

Von Hans H. Nibbrig
Foto: dpa

Berliner Ermittler haben einen mutmaßlichen Taxi-Abzocker gefasst
Berliner Ermittler haben einen mutmaßlichen Taxi-Abzocker gefasst

Die Polizei hat einen ersten Erfolg im Kampf gegen betrügerische Taxifahrer erzielt. Sie identifizierte einen mutmaßlichen Abzocker und nahm ihn fest. In mindestens 20 Fällen soll der 47-jährige Talip M. zwischen Januar und Oktober dieses Jahres für Fahrten vom Flughafen in die Stadt drastisch überhöhte Preise verlangt haben. Nach ersten Erkenntnissen kassierte er für die Fahrten in der Regel zwischen 50 und 200 Euro, in einem Fall waren es gar 400 Euro.

Auch beim Geldwechsel soll der 47-Jährige betrogen und zu wenig Scheine zurückgegeben haben. Zudem wird ihm vorgeworfen, Kunden, die sich über die Preise beschwerten, damit gedroht zu haben, ihr Gepäck bei Nichtzahlung des geforderten Preises nicht herauszugeben. Das Taxi des gebürtigen Türken wurde am Donnerstagvormittag in Mitte beschlagnahmt, die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt wegen Betrug und Erpressung, zudem droht dem mutmaßlichen Betrüger der Verlust der Taxi-Konzession.

Zwischen 15 und 20 Euro kostet eine Fahrt von Tegel nach Mitte oder in die City West. Doch immer wieder wird ahnungslosen Fahrgästen, vor allem Ausländern, ein Vielfaches dieser Summe abverlangt. Viele Geprellte wundern sich, zahlen aber dennoch. Wer sich beschwert, wird häufig bedroht. In vielen Fällen werden die Fahrgäste zudem nicht am angegebenen Fahrziel abgesetzt, sondern in dunklen Seitenstraßen oder gänzlich verlassenen Gegenden, in denen protestierende Fahrgäste kaum mit Hilfe rechnen können.

Eine "Schande für das ganze Gewerbe" nennt Detlef Freutel, der Vorsitzende des Taxiverbandes Berlin, das kriminelle Treiben. Hinter den Taten vermutet er eine gut organisierte Bande. Als vor einigen Wochen die Beschwerden geprellter und bedrohter Taxi-Kunden erheblich zunahmen, wurde bei der Berliner Polizei die "Ermittlungsgruppe Personentransporte" gebildet.

Das Problem gebe es aber bereits seit zwei Jahren, sagt Verbandschef Freutel. Nach seinen Erkenntnissen stellen sich die Betrüger am Flughafen Tegel gar nicht erst im offiziellen Taxi-Wartebereich zwischen den Gates 6 und 9 an, sondern fahren direkt in den Innenring. Dort sprechen sie hinauskommende Fluggäste direkt an. "Die sind dann häufig auch noch dankbar, dass sie direkt vor dem Ausgang der Ankunftshalle einsteigen können und nicht extra bis zum Taxistand laufen müssen", sagt Freutel. "Schwarzladen", nennt man in der Taxibranche diese Methode.

Auf die Spur des 47-Jährigen kam die Polizei, weil sich geprellte Fahrgäste die Konzessionsnummer und das Kennzeichen gemerkt hatten. Eine Polizeisprecherin appellierte am Donnerstag an die Opfer, sich die Nummern unbedingt zu merken und die Polizei einzuschalten.

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