19.12.12

Kriminalität

In Berlin brechen Diebe immer öfter mit dem Auto ein

Schon wieder sind Unbekannte mit einem gestohlenen Pkw eingebrochen - dieses Mal in ein Steglitzer Elektrokaufhaus. Sie erbeuteten Handys.

Von Michael Behrendt
Foto: privat

Rammbock: Mit diesem gestohlenen Renault Twingo rasten Unbekannte in den Elektrofachmarkt in Steglitz und erbeuteten zahlreiche Smartphones
Rammbock: Mit diesem gestohlenen Renault Twingo rasten Unbekannte in den Elektrofachmarkt in Steglitz und erbeuteten zahlreiche Smartphones

Dreister Coup Teil zwei: Nur einen Tag nach einem spektakulären Einbruch mit einem Auto in ein Einkaufszentrum in Köpenick haben sich in der Nacht zum Mittwoch erneut Unbekannte mit einem gestohlenen Fahrzeug den Weg zu einem Elektrokaufhaus in Steglitz frei gerammt. Sie erbeuteten zahlreiche Smartphones. Zwar prüft die Polizei mögliche Zusammenhänge zwischen den Taten. Die Vorgehensweise und vor allem die Zielrichtung der Täter weisen allerdings nach bisherigen Erkenntnissen auf unterschiedliche Banden hin.

Wie berichtet, waren in der Nacht zum Dienstag mehrere Männer mit einem zuvor gestohlenen BMW in ein Juweliergeschäft in einem Einkaufszentrum an der Pablo-Neruda-Straße in Köpenick eingedrungen und hatten Brillanten und Gold an sich genommen. Bei der Flucht ließen sie das Fahrzeug zurück und entkamen zu Fuß. Bislang gibt es keine Spur zu ihnen.

Im jüngsten Fall beobachtete am Mittwoch gegen 3.15 Uhr ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma beim Rauchen einer Zigarette von einer Dachterrasse aus, wie etwa sechs bis acht maskierte Männer die hintere Eingangstür des Marktes an der Treitschkestraße in Steglitz aufhebelten. Anschließend durchbrachen sie mit einem Renault Twingo das dahinter befindliche Sicherheitsgitter. Mit mitgebrachten Hämmern zerschlugen die Unbekannten die Glasvitrinen im Verkaufsraum und entnahmen daraus die Handys. Anschließend flüchteten sie mit zwei dunklen Autos in Richtung Schildhornstraße. Nach Informationen dieser Zeitung soll es sich dabei um hochwertige Fahrzeuge der Marke Audi handeln. Den Renault Twingo sowie sämtliches Einbruchswerkzeug ließen sie zurück.

Gestohlene Smartphones weisen auf Drogenhehler als Täter auf

Die Polizei prüft nun, ob es mögliche Zusammenhänge zu dem Einbruch in Köpenick gibt. Zudem hatten ebenfalls Unbekannte eine Stunde vor dieser Tat versucht, mit einem Auto in ein Juweliergeschäft an der Bölschestraße in Friedrichshagen einzudringen – ohne Erfolg. Der Laden war bereits am 12. November Ziel eines missglückten Einbruchs mit einem Gullydeckel gewesen. Auch zu diesen Taten konnte die Polizei bislang keine Verdächtigen ermitteln.

Nach Angaben eines Polizeibeamten sieht es im Moment danach aus, als seien unterschiedliche Tätergruppierungen am Werk gewesen. "Die eine hat es offenbar gezielt auf Schmuck abgesehen und sich dabei leicht an den Mann zu bringende Edelsteine und Gold ausgesucht. Mit Nummern registrierte Uhren wurden nicht angerührt. Im jüngsten Fall ging es den Tätern um Prepaid-Handys und iPhones. Das lässt den Schluss zu, dass sich hier Straftäter Arbeitsmaterial verschaffen wollten." Man könne nicht ausschließen, dass es sich um eine Drogen- oder Hehlerbande handelt, bei der Kommunikation eine wichtige Rolle spielt. "Diese Gruppen arbeiten sehr viel mit Handys. Stammkunden bestellen per Telefon, über diesen Weg werden auch Übergabeorte und Preise abgestimmt." Wegen des hohen Kontrolldrucks der Polizei würden die Täter aber regelmäßig ihre Handys wechseln, um aus dem Blickfeld einer so genannten TKÜ – Telefon-Kommunikations-Überwachung – zu kommen. "Auf dem Schwarzmarkt gibt es viele Händler, die unter der Hand Prepaidkarten verkaufen, ohne sich dafür die Personalien des Kunden zeigen zu lassen." Dafür würde der Preis leicht angehoben. "Mit einer identitätslosen SIM-Karte und einem gestohlenen Telefon können die Straftäter ihre Handlungsweisen verschleiern", so der Beamte weiter.

Diebe gehen immer dreister vor

Dass es den Unbekannten hierum gegangen sein könnte, belegt auch der Umstand, dass andere ebenfalls hochwertige Elektrogeräte unangetastet blieben. Aufschluss erhofft sich die Polizei von der Auswertung von Videoaufnahmen. Ob es in den kommenden Tagen eine Öffentlichkeitsfahndung geben wird, ist noch nicht entschieden worden. Auch die beiden Fluchtfahrzeuge sind für die Ermittler interessant. "Viele Dealer mieten sich große Fahrzeuge, um das Flair amerikanischer Gangster zu zelebrieren. Vielleicht kommen wir über die Kennzeichen an die Mieter", so ein Polizist. Hinweise zu der Tat unweit der Schloßstraße nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. Die Infos werden gegebenenfalls vertraulich behandelt.

Bei der Polizei wird befürchtet, dass die beschriebene Vorgehensweise bei Einbrüchen mehr und mehr Schule macht. Einem Kriminalbeamten zufolge habe die Polizei vor Jahren noch den klassischen Einbrecher mit Stemmeisen und großem Sack auf der Schulter gejagt. Heute gingen die Täter dreister und auch brutaler vor. Im vergangenem Jahr sei erkennbar gewesen, wie sich die Handlungsweise einer Bande geändert hatte: Zunächst waren mehrere Männer am 29. Juli in ein Pfandleihhaus an der Joachimstaler Straße in Charlottenburg gestürmt. Dort hatten sie vor den Augen zahlreicher Passanten die Vitrinen eingeschlagen und Goldschmuck erbeutet, bevor sie in einem Audi A3 geflüchtet waren. Ein Zeuge berichtete später, dass einer der Täter eine Kapuzenjacke mit einem verschnörkelten "A" getragen habe. Am 23. August war ein Unbekannter mit der gleichen Jacke an einem Einbruch auf die "Christ-Filiale" an den Potsdamer-Platz-Arkaden beteiligt. In dem Fall hatten die Gangster den Eingang des Juwelier-Geschäfts mit einem gestohlenen Volvo-Kombi durchbrochen und später kostbare Uhren erbeutet.

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