19.12.12

Alexanderplatz

Festnahme nach Schüssen - Täter kannten Opfer nicht

Fahndungserfolg: Die Berliner Polizei hat zwei Männer festgenommen, die am Alexanderplatz auf einen 23-Jährigen gefeuert haben sollen.

Von Michael Behrendt
Foto: Steffen Pletl

Nach dem Schuss: Polizisten sichern den Tatort am Alexanderplatz in Mitte
Nach dem Schuss: Polizisten sichern den Tatort am Alexanderplatz in Mitte

Fahndungserfolg der Berliner Polizei: Einer der brutalen Übergriffe der vergangenen Wochen am Alexanderplatz scheint aufgeklärt. Die Polizei konnte am Mittwoch die Festnahme zweier Verdächtiger verkünden.

Bei den 28 und 40 Jahre alten Männern soll es sich um die Täter handeln, die am frühen Morgen des 7. Oktober einen23 Jahre alten Mann am S-Bahnhof Alexanderplatz niedergeschossen hatten. Besonders erschreckend an der Tat ist, dass das Opfer offenbar wahllos ausgewählt wurde. Es soll keine Verbindung zwischen den Festgenommenen und dem 23-Jährigen geben. Die 5. Mordkommission ermittelt.

Rückblick: Am Tattag hatten zwei zu diesem Zeitpunkt Unbekannte dem Mann unvermittelt in die Körpermitte geschossen, das Projektil durchschlug seine Hüfte, er schwebte zeitweilig in Lebensgefahr. Passanten entdeckten den stark blutenden Mann kurz nach den Schüssen an der Ostseite des Bahnhofes Alexanderplatz, riefen die Rettungskräfte und die Polizei.

Ein Notarzt versorgte das Opfer noch am Ort, bevor es ins Vivantes-Klinikum im Friedrichshain transportiert und notoperiert wurde. Bereitschaftspolizisten sperrten den Tatort ab und fanden wenig später eine Patronenhülse am Eingang des Bahnhofes. Videoaufzeichnungen von den Bahnsteigen ergaben keinen Hinweis auf den Tathergang.

Verdächtige in Neuköllner Wohnungen festgenommen

Im Landeskriminalamt wurde dann mit Hochdruck ermittelt. So wurden nach Informationen der Berliner Morgenpost die Funkzellen ausgewertet, die den Bereich des Alexanderplatzes abdecken, um zu rekonstruieren, wer sich zur Tatzeit am Tatort befunden hat. Dies ergab nun zwei Treffer – die Telefone der 28 und 40 Jahre alten Männer wurden dort geortet. Fahnder und das Spezialeinsatzkommando (SEK) wurden auf die beiden Männer angesetzt, am Dienstag schlugen Berlins Elite-Polizisten schließlich zu und nahmen die Verdächtigen in ihren Neuköllner Wohnungen fest. Sie leisteten keinen Widerstand. Wie die Berliner Morgenpost aus Ermittlerkreisen erfuhr, sollen sie sich bei ersten Vernehmungen nicht zu den Vorwürfen geäußert haben. Sie sollen in der Vergangenheit bereits wegen Eigentumsdelikten und wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz in Erscheinung getreten sein. Die Polizei machte am Mittwoch zunächst keine Angaben darüber, ob auch die Tatwaffe sichergestellt worden war.

Bei der Polizei wurde mit Sorge wahrgenommen, dass sich Täter und Opfer offenbar nicht kannten. "Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass es Vorbeziehungen gibt. Auch auf eine Auseinandersetzung zuvor in den öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es bislang keine Hinweise. "Sollte es bei diesem Erkenntnisstand bleiben", so ein Ermittler, "würde es bedeuten, dass hier wahllos ein Mann niedergeschossen wurde und dass die Täter eiskalt seinen Tod in Kauf genommen haben. Das hätte jeden treffen können, der sich am Alexanderplatz zu diesem Zeitpunkt aufgehalten hat. Das ist erschreckend."

Eine Woche nach den Schüssen wurde der 20-jährige Jonny K. ganz in der Nähe von mehreren Männern zusammengeschlagen und totgetreten. Die Tat sorgte bundesweit für Aufsehen und zog eine Welle der Betroffenheit in Verbindung mit der Forderung nach mehr Polizei auf den Straßen nach sich.

Fall in Schöneberg bleibt weiterhin ungeklärt

In einem anderen und vergleichbaren Fall ist die Polizei nach wie vor auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Im Sommer war ein 22-Jähriger an der Goltzstraße in Schöneberg nach einem kurzem Wortgefecht mit einem Unbekannten niedergeschossen worden. Das Opfer erlitt einen Bauchschuss und musste ebenfalls notoperiert werden. Er schwebte tagelang in Lebensgefahr. Nach Angaben eines Polizeisprechers gibt es bislang keine Erkenntnisse, dass die beiden jetzt vom SEK überwältigten Männer auch für den Schöneberger Fall in Frage kommen.

Als Reaktion auf die Zunahme solch brutaler Attacken haben Landes- und Bundespolizei die Zahl ihrer Einsatzkräfte zu den Stoßzeiten an den Brennpunkten erhöht, beide Behörden schicken beispielsweise an den Wochenenden mehr Bereitschaftspolizisten zum Alexanderplatz. Zudem wurde dort eine mobile Wache eingerichtet, um schneller agieren zu können und den Bürgern das Gefühl zu vermitteln, dass die Polizei auf die neuen Entwicklungen reagiert. Zahlreiche Passanten haben darauf bereits positiv reagiert.

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