18.12.12

Straßenschäden

Wintereinbruch sorgt für Hunderte Schlaglöcher in Berlin

Kaum ist der erste Frost da, gehen in Berlin wieder die Straßen kaputt. Hunderte neue Frostaufbrüche wurden gezählt – ein Sicherheitsrisiko.

Von Florentine Anders
Foto: Massimo Rodari

Warnbarken: Auf der Greifswalder Straße sind tiefe Schlaglöcher entstanden
Warnbarken: Auf der Greifswalder Straße sind tiefe Schlaglöcher entstanden

Tausende Auto-, Rad- und Motorradfahrer haben sich zum Wochenstart geärgert: Auf vielen Straßen gab es neue Schlaglöcher. Besonders schlimm traf es Autofahrer auf mehreren großen Durchgangsstraßen.

Besonders eklatant war die Situation im morgendlichen Berufsverkehr in Tempelhof. Der Mariendorfer Damm musste zwischen Ullsteinhaus und Markgrafenstraße sogar voll gesperrt werden. Und bis Mittwoch werden Fahrbahnen des Tempelhofer Damms zwischen Platz der Luftbrücke und Alt Mariendorf immer wieder teilweise gesperrt, um repariert werden zu können.

Allein auf diesem Abschnitt haben sich nach Angaben des Bezirks 400 Schlaglöcher gebildet. Die Kosten für die notdürftige Beseitigung sollen sich im sechsstelligen Bereich bewegen. Autofahrer werden gebeten, das Gebiet möglichst zu meiden.

Bezirke beklagen Sanierungsstau

Fahrbahnsperrungen gab es am Montag nach Angaben der Polizei auch noch auf so wichtigen Verkehrsadern wie der Hardenbergstraße, Spandauer Damm, Kurfürstenstraße oder Greifswalder Straße. Ursache für die Schäden ist die derzeitige Witterung. "Durch das Tauwetter am Tage dringt Wasser in die Ritzen des Asphalts, der strenge Frost in der Nacht sprengt dann den Asphalt, sodass große Löcher entstehen", sagt Jens-Holger Kirchner (Grüne), Baustadtrat in Pankow. Es sei etwas ungewöhnlich, dass diese Witterungsverhältnisse jetzt schon am Anfang des Winters einsetzten.

Doch das Problem liegt nicht nur am Wetter, es ist hausgemacht. Gebe es keine Risse im Asphalt, könnten Tauwetter und Frost keine größeren Schäden anrichten. Seit Jahren beklagen die Bezirke einen Sanierungsstau, doch in diesem Jahr hat sich das Problem nochmals verschärft. Denn von den 25 Millionen Euro aus dem Schlaglochprogramm konnten die Bezirke nur 13 Millionen abrufen. "Der Bezirk Pankow konnte 1,7 Millionen Euro aus dem Programm verbauen, im vergangenen Jahr waren es 2,7 Millionen Euro", sagt Stadtrat Kirchner. Schuld sei auch die Haushaltssperre bis Mitte des Jahres gewesen. "Danach war es nur schwer möglich, alle Mittel auszugeben", so Kirchner.

Notdürftige Flickschusterei

Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf sieht es noch schlechter aus. Hier sind nach Angaben von Stadtrat Marc Schulte (SPD) nur etwa eine halbe Million Euro in die Beseitigung von Schlaglöchern geflossen. Normalerweise wären es zwei Millionen Euro gewesen. Die Finanzverwaltung habe die Prioritätenliste des Bezirks verändert, sodass Baumaßnahmen völlig neu geplant werden mussten. Das habe die Sanierung der Straßen zusätzlich verzögert. "Wir erwarten, dass uns das nicht ausgegebene Geld im Jahr 2013 zur Verfügung steht", fordert Schulte. Der Stadtrat versichert, dass das Tiefbauamt unverzüglich entstandene Schlaglöcher ausbessere, wenn Gefahr drohe. In Lichtenberg gibt es nach Angaben des Bezirks auf allen Straßen, die nicht in den vergangenen fünf Jahren saniert wurden, gravierende Schäden. Auf der Landsberger Allee kam es am Freitag vorübergehend zur Sperrung einer Fahrbahn, weil ein Schlagloch gefüllt werden musste.

Auch in Mitte sorgen die Vertragsfirmen des Tiefbauamtes dafür, dass die großen Löcher unverzüglich mit Kaltasphalt geschlossen werden. "Die Masse wird reingekippt und ist sofort wieder befahrbar", sagt Thomas Schuster Fachbereichsleiter für Straßenunterhaltung im Bezirk. Schließlich seien die Löcher nicht nur eine Gefahr für die Autos, sondern vor allem auch für die Sicherheit der Rad- und Motorradfahrer. Doch diese Sofortmaßnahmen seien nur ein notdürftiges Flicken. Es könne sein, dass das Loch schon nach zwei Wochen wieder aufgehe, wenn es erneut zu einem Frost-Tau-Wechsel komme.

Angesichts der dramatischen Situation auf Berlins Straßen nach dem ersten Frost fordert der Automobilclub ADAC am Montag ein konsequentes Instandhaltungsprogramm. "Wenn die Straßen nicht endlich systematisch von Grund auf instand gesetzt werden, wird in den nächsten Jahren immer mehr Geld in Flickschusterei verbrannt", sagt Volker Krane, Vorstandsmitglied für Verkehr im ADAC Berlin-Brandenburg. Wenn über drei Jahre einmalig 500 Millionen Euro in die Sanierung der Straßen investiert würden, könne Berlin das Problem langfristig lösen, so der ADAC. Unabhängig davon fordert der Automobilclub umgehend eine flächendeckende "Schlagloch-Feuerwehr" zur provisorischen Straßenausbesserung.

Schäden zentral erfassen

Auch die Fachgemeinschaft Bau in Berlin mahnt dringend eine vorbeugende Instandhaltung der Straßen an. Zudem fehle eine zentrale Erfassung des Straßenzustandes. "Ein solches Kataster wäre wichtig, nicht nur um die derzeitige Situation zu erfassen, sondern auch um eine verlässliche Grundlage für die Planung von Erhaltung und Instandsetzungsmaßnahmen zu erhalten", sagt Reinhold Dellmann, Geschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau. Ebenso würde Berlin mit einer solchen Datenbank verlässliche Aussagen gewinnen, wie groß der Finanzbedarf ist. Andere Bundesländer wie Brandenburg verfügten bereits über eine solche zentrale Erfassung.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung verweist auf die Zuständigkeit der Finanzverwaltung. Jens Metzger, Sprecher von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos), versicherte, dass die zur Verfügung stehenden Gelder für die Beseitigung der Schlaglöcher nach Ende des Winters zügig freigegeben werden.

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