18.12.12

Freizeitgelände

Das Volksbegehren für das Tempelhofer Feld ist startklar

Das Vorhaben zur Bebauung des Feldes ist umstritten: Selbst die Architekten fordern einen Planungsstopp für die Landesbibliothek.

Von Sabine Gundlach
Foto: AP

Bebauung: Über die Nutzung des früheren Airports wird gestritten
Bebauung: Über die Nutzung des früheren Airports wird gestritten

Die Bürgerinitiative "100 % Tempelhof" will am Mittwoch das Volksbegehren für ein unbebautes Tempelhofer Feld starten. "Am Montag um 12.27 Uhr haben wir die amtliche Kostenschätzung erhalten, die die Voraussetzung dafür ist, um das Volksbegehren starten zu dürfen", sagte der Sprecher der Initiative, Hermann Barges, zu Morgenpost Online. Das Empirica-Institut Leipzig, beauftragt von der Tempelhofer Projekt GmbH, rechne demnach im Falle einer Nichtbebauung des Feldes mit Mehrkosten für Pflege und Bewirtschaftung von jährlich 5,96 Millionen Euro. Barges: "Wir gehen aber davon aus, dass sie bei lediglich 1,8 Millionen Euro im Jahr liegen."

Zunächst seien 20.000 Unterschriften von wahlberechtigten Berliner Bürgern notwendig. "Um das Kunststück zu vollbringen, diese möglichst schnell zusammenzubekommen, hoffen wir auf zahlreiche Helfer", so Barges weiter. Die Unterschriftenlisten könnten ab Mittwochabend, spätestens Donnerstag, als pdf-Datei heruntergeladen werden (www.thf100.de). Ziel des Volksbegehrens ist es, das Tempelhofer Feld – ein beliebtes Freizeitgelände auf dem Areal des früheren Flughafens – ohne Bebauung zu erhalten. Der Senat plant jedoch Projekte auf dem Gebiet, etwa einen Neubau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB).

Ideenwettbewerb für ZLB-Neubau

Wie die Morgenpost berichtete, hat der Senat einen offenen Ideenwettbewerb für den ZLB-Neubau bereits ausgeschrieben. Das hat zahlreiche Kritiker des umstrittenen Großprojekts auf den Plan gerufen. Neben den Grünen fordern auch der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (AIV) sowie das Netzwerk "Architekten für Architekten" (AfA) ein sofortiges Planungsmoratorium für das ehemalige Flughafen-Areal. "Hier wird einfach der Standort für einen ZLB-Neubau willkürlich festgelegt, ohne dass vorher andere Alternativen ausreichend geprüft wurden oder gar eine Finanzierung gesichert ist", kritisierte AfA-Mitglied Theresa Keilhacker. Die Architektin sagte, dass "Wowereits Wunsch-Projekt des ZLB-Neubaus niemals für die bislang veranschlagten 270 Millionen Euro realisiert werden kann – zumindest dann, wenn es die gewünschte herausragende Architektur werden soll". Das ZLB-Projekt sei wieder eines der typischen Berliner Großprojekte wie der Flughafen BER. "Da werden die Kosten erst heruntergerechnet, und später wird es deutlich teurer", so Keilhacker. Statt so viel Geld in die Hand zu nehmen, solle man besser überlegen, inwieweit Bestandsbauten für die ZLB genutzt werden können.

"Kein weiteres rot-schwarzes Millionengrab"

Auch der AIV hat sich den Slogan "Umbau vor Neubau" auf seine Fahnen geschrieben. Der Verein bekräftigte am Montag seine Forderung nach einem Planungsmoratorium: "Wir sind gegen eine Bebauung des Tempelhofer Feldes, solange nicht gründlich geprüft und nachgewiesen wird, dass es keine anderen Alternativen gibt", sagt Uwe Hameyer vom AIV. Hameyer ergänzte, dass diese Haltung des AIV nicht nur für den ZLB-Neubau gelte, sondern ebenso für die Gesamtplanung der Randbebauung. Der Senat will an den Rändern des Tempelhofer Feldes vier neue Stadtquartiere realisieren, die, wie im Falle des Bildungsquartiers Tempelhofer Damm, teilweise dicht bebaut werden sollen. Die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Grünen forderte den Senat unterdessen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Bestandsgebäuden und knappen Investitionsmitteln auf. "Berlin braucht kein weiteres rot-schwarzes Millionengrab", so Antje Kapek.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Belästigungsvideo "Ich betreibe Kampfsport und habe trotzdem…
Vorsicht Kamera! Hochzeit aus der Sicht einer Whiskey-Flasche
Nach Pokalsieg Pep Guardiola denkt nur noch an Borussia Dortmund
Israel Radikaler Rabbiner überlebt Attentat
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Kleine Horror-Show

Halloween, das Fest des Gruselns

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote