17.12.12

Mordkomplott

Fall Lübars - Anklage wegen gemeinschaftlichen Mordes erhoben

Um die Summen mehrerer Lebensversicherungen abzukassieren, sollen ein Pferdewirt und seine Mutter einen Mord in Auftrag gegeben haben.

Von Ulla Reinhard
Foto: Christian Kielmann

Perfide: Pferdewirtin Christin R. wurde offenbar aus Geldgier auf die abgeschlossenen Lebensversicherungen in Millionenhöhe ermordet
Perfide: Pferdewirtin Christin R. wurde offenbar aus Geldgier auf die abgeschlossenen Lebensversicherungen in Millionenhöhe ermordet

Im Fall der im Juni getöteten Pferdewirtin aus Lübars hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen gemeinschaftlichen Mordes erhoben. In dem 72 Seiten umfassenden Dokument wird Robin H. (24), dem Ex-Freund des Opfers, sowie seiner Mutter Cornelia H. (55) und zwei weiteren Mittätern vorgeworfen, die 21-jährige Christin R. am 21. Juni auf einem Parkplatz nahe ihrem Elternhause heimtückisch und aus Habgier ermordet zu haben. Die Angeschuldigten wollten laut Anklage an das Geld aus insgesamt acht auf Christin R. abgeschlossenen Lebensversicherungen in Millionenhöhe kommen. Ein weiterer Beteiligter soll zum Mord angestiftet haben. Allen Angeschuldigten drohen lebenslange Freiheitsstrafen.

Dass es sich bei der Tat um den wohl spektakulärsten Kriminalfall der vergangenen Jahre handelt, hatte sich damals erst nach und nach herausgestellt. Zwar war Robin H. bereits kurz nach der Tat festgenommen worden, jedoch vermuteten die Ermittler zunächst einen Beziehungsstreit, der eskaliert war. Die Auswertung von Handydaten ergab dann den Verdacht, dass sich außer Robin H. weitere Personen zur Tatzeit am Tatort, einem Parkplatz vor dem Freibad Lübars, aufgehalten haben mussten. Die Spur führte zu Tanja L., einer Mitangeschuldigten und alten Bekannten von Robin H., die ein umfassendes Geständnis ablegte. Die weiteren Ermittlungen beruhten vor allem auf der von der Polizei für glaubhaft angesehenen Aussage der 27-Jährigen. Als die Beamten die ersten Lebensversicherungen entdeckten, zweifelten sie nicht mehr, dass das Geld die mutmaßlichen Täter angetrieben hatte – und je mehr Verträge gefunden wurden, desto perfider erschien das Ausmaß des Mordkomplotts, das gegen die 21-Jährige geschmiedet worden war.

Drei Mordanschläge

Robin H. und seine Mutter Cornelia H. (55) sollen den Tatplan im Herbst vergangenen Jahres gefasst haben. Damals lebten Robin H. und Christin R. auf einem Pferdehof in Wutzetz im Havelland, den Cornelia H. für ihren Sohn gepachtet hatte, um ihm seinen Lebenstraum zu ermöglichen. Doch das Geschäft mit den Pferden lief nicht. Cornelia H. soll der Anklage zufolge insgesamt acht Lebensversicherungen in Höhe von 2,4 Millionen Euro auf Christin R. abgeschlossen haben, in denen Robin H. als Begünstigter eingetragen wurde. Beim Abschluss einiger Policen soll Christin R. mitgewirkt haben – offenbar, um ihren Lebens- und Geschäftspartner abzusichern. Drei Mordanschläge wurden dann auf Christin R. verübt.

Am 9. April soll Cornelia H. der 21-Jährigen in der Küche des Anwesens in Wutzetz mit einem Küchenmesser in den Rücken gestochen haben. Christin R. konnte sich wehren und überlebte. Nach der Attacke zog die 21-Jährige aus, zurück zu ihren Eltern nach Lübars. Daraufhin sollen Cornelia und Robin H. Tanja L. eingeweiht haben, die Robin H. vom Reitsport aus Nordrhein-Westfalen kannte. Die 27-Jährige soll Christin R. bei einem Treffen im Mai eine normalerweise tödliche Dosis K.o.-Tropfen ins Getränk geschüttet haben, doch das Opfer überlebte ein weiteres Mal. Schließlich soll Tanjas Bruder Sven L. (23) einen Auftragsmörder vermittelt haben, der Christin R. für 500 Euro umbringen sollte. In der Nacht zum 21. Juni hatten Robin H. und Tanja L. Christin R. nach Angaben der Staatsanwaltschaft dann unter einem Vorwand auf den Parkplatz in Lübars gelockt, wo der mutmaßliche Auftragsmörder Steven M. (22) im Gebüsch wartete. Mit einem Seil, das er Christin R. von hinten um den Hals legte, soll er die 21-Jährige erdrosselt haben. Laut Obduktion verursachte die "Kompression der Halsweichteile" den Tod.

Diskussionen um Steven M.

Die Anklage liegt nun bei einer Schwurgerichtskammer des Landgerichts, das demnächst über die Eröffnung der Hauptverhandlung entscheidet. Im Prozess könnte vor allem die Aussage von Tanja L. von den gegnerischen Anwälten angegriffen werden, sofern sie ihre Angaben vor Gericht wiederholen wird. Außerdem könnte die Einlassung von Steven M. für Diskussionen sorgen. Denn der hatte zumindest bisher behauptet, nicht er, sondern Robin H. hätte Christin R. umgebracht. Alle Angeschuldigten sitzen in Untersuchungshaft.

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