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Kriminalität

Polizist erschießt Mann vor Beate-Uhse-Museum

Eine einfache Personenüberprüfung eskalierte am Donnerstag in Berlin und endete mit einem Todesfall. Ein Mann, den Polizisten vor dem Beate-Uhse-Museum überprüfen wollten, konnte sich die Dienstwaffe eines Beamten greifen. Schließlich schoss ein anderer Polizist.

Es war ein alltäglicher Vorgang für die beiden Polizeibeamten, der kurz vor 16 Uhr plötzlich und kaum vorhersehbar eskalierte. Die Uniformierten wollten einen Mann auf dem Gehweg vor dem Beate-Uhse-Museum an der Joachimstaler Straße einer Personenkontrolle unterziehen. Die Gegend gilt als „kriminalitätsbelasteter Ort“. Der Mann zeigte sich störrisch, auf dem sehr belebten Gehweg nahe des Bahnhofs Zoo entwickelte sich eine Rangelei. Das spätere Opfer konnte einem Beamten die Dienstpistole aus dem Holster ziehen und hielt dem Polizisten die Waffe an den Kopf. Dessen Kollege zog seine Pistole und musste binnen Sekundenbruchteilen entscheiden. Da der Beamte für seinen Kollegen eine „akute und unmittelbar lebensbedrohlich Lage“ erkannte, schoss er auf den Verdächtigen und traf den Mann in den Oberkörper. Ein solches Vorgehen ist über die Dienstvorschrift „Nothilfe“ genauestens geregelt. „Es fielen mehrere Schüsse, unklar ist noch, ob auch der Unbekannte geschossen hatte“, sagte Polizeisprecher Neuendorf.

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Ein Notarzt der Feuerwehr reanimierte den angeschossenen Mann, der in das Auguste-Viktoria-Klinikum in Schöneberg eingeliefert wurde. Kaum eine Stunde später erlag der 35 Jahre alte mutmaßliche Kroate den schweren Schussverletzungen.

Möglicherweise wollte der Mann sich einer Verhaftung entziehen, erfuhr Morgenpost Online aus Ermittlerkreisen. Demnach konnte seine Identität nicht sicher geklärt werden. Nach Angaben von Polizeisprecher Thomas Neuendorf hatte er einen kroatischen und einen niederländischen Pass bei sich. „Zu einer dieser Personalien waren zwei Haftbefehle offen. Offenbar fürchtete der Getötete, nun ins Gefängnis kommen zu müssen.“ Die Kriminalpolizei soll nun die genauen Hintergründe klären.

Die beiden am Schusswechsel beteiligten Polizisten blieben bis auf leichte Blessuren weitgehend unverletzt. Sie wurden auf einen nahe gelegenen Polizeiabschnitt gebracht, wo sie sogleich psychologisch betreut wurden. Wann sie in den Dienst zurückkehren können, ist noch unklar.

Wilde Spekulationen unter Passanten

Die Polizei riegelte den Tatort an der Kant- Ecke Joachimstaler Straße umgehend ab. Während Kriminaltechniker nach Spuren des tödlichen Zwischenfalls wie etwa Patronenhülsen suchten und sicherstellten, blieben ein Teil der Kantstraße südlich der Kreuzung sowie die Joachimstaler zwischen Kant- und Hardenbergstraße für Passanten und Fahrzeuge gesperrt. Weil es in dem Bereich durch Sperrungen im Zuge des Abrisses des Schimmelpfenghauses bereits zu Staus kommt, wurden Autofahrer auf eine harte Geduldsprobe gestellt.

Unter den Passanten, die sich an den Absperrbändern drängten, schossen umgehend Spekulationen ins Kraut. Ein Ladendieb sollte gefasst werden, hieß es. Ein Autofahrer sei von einem Polizisten erschossen worden, sagten andere. Fakt ist, dass wegen der unklaren Spurenlage die Identität des Toten nicht eindeutig zu klären war.

Innerhalb der Berliner Polizei wurde der Zwischenfall Am Donnerstag intensiv diskutiert. „Es ist normalerweise eine heikle Situation, auf einen Mann zu feuern, der einem Kollegen die Waffe an den Kopf hält“, sagte ein Streifenpolizist. „Möglicherweise hat der Täter aber gar nicht genau mitbekommen, dass er sich im Visier des anderen Beamten befand. In jedem Fall sieht das nach einem klaren Fall von Notwehr aus.“ Laut einem Zivilfahnder belege dieser Zwischenfall die immer mehr um sich greifende Gewaltbereitschaft und die Gefahr, der die Polizisten jeden Tag ausgesetzt sind. „Dass bei einer Razzia gegen Schwerstkriminelle mit harter Gegenwehr gerechnet werden muss, ist völlig klar. Dass jetzt aber schon Angehörige von Fußstreifen nach einer normalen Personalüberprüfung in eine Schlägerei geraten, entwaffnet werden und eine Pistole an den Kopf gehalten kriegen, ist schlimm.“ Dies werde künftig sicherlich auch dafür sorgen, "dass sich unsere Kollegen noch vorsichtiger bei Kontrollen verhalten werden und wahrscheinlich auch forscher und entschlossen vorgehen werden.“

Für die Gewerkschaft der Polizei ist dieser Zwischenfall keine Überraschung und vielmehr gar symptomatisch für eine allgemeine Situation in Deutschland. „Wir haben damit aufgrund der zunehmenden Gewalt gegenüber Polizisten schon lange gerechnet“, sagt Berlins GdP-Geschäftsführer Klaus Eisenreich. Die Politik habe die Gewaltentwicklung in der Gesellschaft, vor der die Gewerkschaft seit Jahren warne, immer unterschätzt. „Wir sind froh und dankbar, dass die beiden Kollegen nicht verletzt wurden.“

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