13.12.2012, 11:32

Mitte Die Erweiterung des Berliner Mauerparks hat begonnen


Anwohner kritisieren den Kompromiss zur Parkerweiterung

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Anwohner kritisieren den Kompromiss zur Parkerweiterung Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Von Sabine Flatau

Ein Bauschild markiert es: Der Mauerpark wächst, aber langsam. So lässt der Senat zunächst die Zusatzfläche auf der Weddinger Seite räumen.

Es ist vollbracht: Das Bauschild ist am Mittwoch enthüllt worden, wenn auch nur symbolisch, und damit haben die Arbeiten zur Erweiterung des Mauerparks begonnen. Jetzt hat das Land Berlin endlich seine Verpflichtung erfüllt, die es Anfang der 90er-Jahre gegenüber der Allianz Umweltstiftung eingegangen war. Die Stiftung stellte Fördermittel in Höhe von 4,6 Millionen D-Mark (gut 2,3 Millionen Euro) für die Gestaltung des Parks zur Verfügung. Die leidige Diskussion darum, dass das Geld zurückgezahlt werden müsste, wenn der Senat nicht bis Ende Dezember 2012 mit der Mauerpark-Erweiterung beginnt, ist vorbei.

Die Erweiterung ist mit einem umstrittenen Kompromiss verbunden. Berlin kann zunächst zwei Hektar des einstigen Bahngeländes auf der Weddinger Seite, westlich des jetzigen Mauerparks, in eine Grünanlage verwandeln. Bis 2016 sollen weitere drei Hektar Park dazukommen. Auf zwei Hektar Fläche im Süden werden außerdem die Gaststätte "Mauersegler" und der Flohmarkt eine dauerhafte Existenz bekommen, durch einen Erbbaupachtvertrag. Der Mauerpark wächst damit von derzeit acht auf insgesamt 15 Hektar. Diese Flächen zwischen Bernauer Straße und Gleimtunnel stellt der Grundstückseigentümer, die CA Immo, kostenlos zur Verfügung. Sie soll im Gegenzug das Baurecht für 600 Wohnungen im nördlichen Teil des Geländes bekommen – das wird von vielen Anwohnern kritisiert.

Proteste von Anwohnern in Prenzlauer Berg

Berlin kann die Flächen für die Mauerpark-Erweiterung bereits jetzt nutzen. Doch sie werden erst überschrieben, wenn der Bebauungsplan für das neue Wohngebiet fertig sei und die CA Immo Baurecht habe, sagte Daniela Augenstein, Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Das könnte 2014 der Fall sein.

Im städtebaulichen Vertrag zwischen Senat, Bezirksamt Mitte und dem Unternehmen ist diese Einigung festgeschrieben. Als sie im Sommer bekannt wurde, kam es zu Protesten von Anwohnern in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte. Auch jetzt noch gehen die Meinungen auseinander. Die Mauerpark-Stiftung Weltbürgerpark lehnt nach wie vor jegliche Bebauung ab. Sie spricht von einer "Zerstörung des Mauerparks" und verweist auf die Petitionen gegen den geplanten Wohnungsbau und Einsprüche gegen den Bebauungsplan.

Dagegen hebt der Verein Freunde des Mauerparks auch die positiven Seiten der Erweiterung hervor. Eine davon ist, dass die Anwohner im Weddinger Brunnenviertel bald freien Zugang zum Park haben werden. Geplant sei ein Durchgang von der Lortzingstraße in Wedding bis zur Max-Schmeling-Halle und der Gaudystraße, sagte Daniela Augenstein. "Eine Ost-West-Verbindung von Wedding nach Prenzlauer Berg gibt es im Park bisher noch nicht." Sie soll so schnell wie möglich geschaffen werden. Doch zunächst werden auf dem Gelände der Mauerpark-Erweiterung alte Baracken und Zäune abgerissen. Das dauere voraussichtlich bis ins erste Quartal 2013, sagte Augenstein.

Planung der neuen Flächen beginnt 2013

Anfang des nächsten Jahres werden die Grün Berlin GmbH und die Bürgerwerkstatt mit der Planung für die neuen Flächen beginnen. Wie lange dieser Prozess dauern wird, steht derzeit noch nicht fest. Für die Gestaltung der Grünfläche stehen im Budget der Grün Berlin GmbH 65 Euro je Quadratmeter zur Verfügung. Bislang konnten sie nicht genutzt werden. "Damit kann man etwas machen", so die Sprecherin der Senatsverwaltung, Daniela Augenstein. Doch die Vergrößerung der Grünfläche sei nicht nur ein großer Erfolg, sondern auch Anlass zur Sorge, meinen die Freunde des Mauerparks. Nicht akzeptabel sei, so der Verein, dass die Parkerweiterung mit hohen finanziellen Zusagen des Landes an die CA Immo verbunden sei. Denn das Land wird einen Teil des wirtschaftlichen Schadens übernehmen, der dem Unternehmen wegen der langen Planungszeit entstanden ist. Es wird außerdem Maßnahmen finanzieren, um die Aufenthaltsqualität im bislang düsteren Gleimtunnel zu verbessern, ihn für Radler, Passanten und Autofahrer angenehmer zu gestalten. Auf rund 6,3 Millionen Euro belaufen sich die Kosten für das Land.

In dem Wohngebiet, das die CA Immo nördlich des Gleimtunnels entwickelt, sollen rund 58.000 Quadratmeter Geschossfläche entstehen. Sollte eine neue Kita erforderlich sein, dann wird das Unternehmen auch die Kosten dafür übernehmen. Es bezahlt auch die Verkehrserschließung des neuen Quartiers. Der Kinderbauernhof im nördlichen Mauerpark und der Spielplatz bleiben erhalten

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