12.12.12

Berliner Klinik

Neue Behandlungsmethode für Krebspatienten

Das Helios Klinikum in Buch bestrahlt jetzt bereits während der Operation. Ziel ist es, dabei etwaige Tumorreste zu entfernen.

Von Brigitte Schmiemann
Foto: dpa

Von Krebs befallenes Brustgewebe: In Berlin erkranken jährlich 2500 Frauen an Brustkrebs
Von Krebs befallenes Brustgewebe: In Berlin erkranken jährlich 2500 Frauen an Brustkrebs

Mehr als 70.000 Frauen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Brustkrebs, 2500 davon sind Berlinerinnen. An therapeutischen Angeboten mangelt es in der Hauptstadt beileibe nicht. Alle größeren Krankenhäuser sind in spezialisierten Tumorzentren organisiert: an der Charité, in Berlin-Buch, bei den gemeinnützigen und konfessionellen Krankenhäusern, an mehreren Standorten des Vivantes-Klinikums und an den DRK-Kliniken.

Um eine Option erweitert wurde die Brustkrebstherapie jetzt am Helios Klinikum Buch: um die sogenannte intraoperative Elektronen-Radiotherapie (IOERT). Dabei geht es darum, im Anschluss an die chirurgische Entfernung des Karzinoms das umgebende Gewebe zu bestrahlen, um etwaige Tumorreste zu entfernen. Das Krankenhaus hat neue Technik angeschafft, die den Ärzten diese Möglichkeit bietet. 1,5 Millionen Euro haben das Gerät mit dem sperrigen Namen "mobiler Linearbeschleuniger Mobetron" und der Umbau im OP-Trakt dafür gekostet. Das ist die Hälfte der Investitionssumme, die das Klinikum pro Jahr im Schnitt investiert. Laut Auskunft des ärztlichen Direktors der Bucher Klinik, Josef Zacher, existiert in Deutschland diese Technik nur an insgesamt vier Kliniken. Neben Buch in Marburg, Köln und Düsseldorf. Im Berlin-Brandenburger-Raum biete nur Buch dieses Behandlungsverfahren an, bei dem mit Elektronen und nicht mit Röntgenstrahlen gearbeitet wird.

Ärzte vom Verfahren überzeugt

Die Ärzte in Buch sehen Vorteile für eine Reihe von Frauen. So kann mit Hilfe der Apparatur präzise eine höhere Dosis Strahlen gegeben werden. Das bedeute mehr Therapie und mehr Tumorkontrolle bei weniger Nebenwirkungen. Das neue Verfahren erhöhe die Chance, dort, wo das größte Risiko für wuchernde Zellen in der Umgebung des herausoperierten Tumors besteht, gezielt zu bestrahlen. "Die Wahrscheinlichkeit, alle Tumorzellen zu kontrollieren, steigt deutlich an", sagte Robert Krempien, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie im Helios Klinikum Buch. Bei herkömmlichen Verfahren muss im Anschluss an die Operation durch gesundes Gewebe hindurch bestrahlt werden. Erschwerend kommt nach Auskunft der Ärzte bei herkömmlichen Verfahren hinzu, dass nach der OP oft gar nicht mehr genau gesagt werden kann, wo das Risikogebiet exakt liegt.

"Eine Studie mit 3500 Patientinnen hat gezeigt, dass diese intraoperative Bestrahlung von nur wenigen Minuten einer fünf Wochen dauernden Standardbestrahlung gleichzusetzen ist. Für die Patientinnen bedeutet dies eine enorme Verkürzung der Gesamtbehandlungszeit", berichtete Michael Untch, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und Leiter des Brustzentrums des Klinikums in Buch.

Diese und weitere aktuelle Ergebnisse seien gerade auf dem weltweit größten Brustkrebskongress im texanischen San Antonio vorgestellt worden. Sie belegten die Vorteile der IOERT mit dem Linearbeschleuniger für Brustkrebspatientinnen. Weil 80 Prozent der Erkrankten heute Brust erhaltend operiert werden könnten, müssten sie im Anschluss aber noch eine Strahlentherapie bekommen, um das Restrisiko zu minimieren, an derselben Brust wieder zu erkranken. Mehr als eine Million Strahlentherapiesitzungen gebe es in Deutschland pro Jahr bei den Brust erhaltenden OPs.

Vorteil besonders bei Frühformen

Michael Untch glaubt, dass er seinen Patientinnen künftig einen Teil der Bestrahlung dank der neuen Technik an seinem Haus ersparen kann. Eine amerikanische Studie habe sogar gezeigt, dass die Frauen kein erhöhtes Risiko hatten, die nach der OP nicht die 25 Standard-Bestrahlungen hatten, sondern nur die während der OP. "Das sind unglaublich positive Ergebnisse", sagt Untch. Er schätzt, dass bis zu 200 der 400 Brustkrebsfälle in Buch künftig routinemäßig während der OP bestrahlt werden. Besonders für die 1000 Berlinerinnen, bei denen jedes Jahr im Rahmen des Mammografiescreenings Frühformen einer Krebserkrankung gefunden werden, sieht er dadurch große Vorteile: "Gerade diese Frauen werden profitieren." Aber nicht nur die.

Die Bestrahlung mit Elektronen schon während der Operation eignet sich auch für andere Formen der Krebsbehandlung wie Knochen- oder Weichteiltumore.

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