11.12.12

Kindertagesstätte

Berlin macht Tempo beim Kita-Ausbau

In den Bezirken sind schon mehr als 2000 zusätzliche Plätze geschaffen worden. Doch das Tempo ist praktisch nicht zu halten.

Von Florentine Anders
Foto: picture alliance

Berlin baut seine Kita-Plätze rasant aus
Berlin baut seine Kita-Plätze rasant aus

Der Ausbau der Kita-Plätze geht in Berlin schneller voran als geplant. Das Land hat bereits 2299 Plätze geschaffen. Das berichtete Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Dienstag im Senat. Die Meldung ist alles andere als selbstverständlich, schließlich ist erst nach den Sommerferien mit dem Ausbau begonnen worden.

Bildungspolitiker hatten befürchtet, dass die für dieses Jahr im Haushalt vorgesehenen vier Millionen Euro nicht rechtzeitig ausgeben werden können. Stattdessen hat die Bildungsverwaltung überzogen und sogar sechs Millionen der insgesamt 20 Millionen Euro für 2012/13 verbaut.

Das Tempo ist nötig, denn schon ab August 2013 gilt der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ab dem ersten Lebensjahr, und laut Prognosen der Bildungsverwaltung fehlen 19.000 Plätze bis 2015. "Gründe für den wachsenden Bedarf sind die steigenden Geburtenzahlen und der wachsende Zuzug von Familien nach Berlin", sagte Senatorin Sandra Scheeres.

Aus dem Landesprogramm sollen bis zu 11.000 zusätzliche Plätze entstehen. Der Rest soll durch ein Bundesprogramm für Kinder unter drei Jahren finanziert werden. Bis Ende des kommenden Jahres sollten 3280 neue Plätze entstehen. Davon sind jetzt schon zwei Drittel umgesetzt.

Die meisten Plätze im Kinderboom-Bezirk Pankow

Entstanden sind die neuen Plätze vor allem in kleinen Elterninitiativ-Kitas, die pauschal Startgelder von 1000 Euro pro Platz beantragen konnten. Zudem haben freie Träger und kommunale Eigenbetriebe innerhalb der Gebäude noch vorhandene Räume, etwa für Elterncafés oder Sport, zu Gruppenräumen umgebaut. Von den zusätzlichen Kapazitäten profitieren alle Bezirke.

Die meisten Plätze sind mit 394 im Kinderboom-Bezirk Pankow hinzu gekommen. In Mitte gibt es 351 zusätzliche Kita-Plätze und in Charlottenburg-Wilmersdorf wurden 335 geschaffen. Die geringsten Zuwachsraten haben die Bezirke Tempelhof-Schöneberg mit 71 Plätzen und Neukölln mit 90 Plätzen.

Verteilt wurde das Geld für den Ausbau nach einem Bedarfsatlas, den die Bezirke selbst erstellt hatten. Oberste Priorität hatten Regionen, in denen schon jetzt Kitaplätze fehlen und steigende Geburtenraten prognostiziert sind. An zweiter Stelle standen Stadtteile, in denen es zwar aktuell ausreichend Plätze gibt, künftig aber Kapazitäten fehlen werden. Insgesamt gibt es vier Förderkategorien.

Zum kommenden Jahr soll der Bedarfsatlas den Prognosezahlen angepasst werden, falls sich die Situation in den Bezirken verändert hat. Bildungssenatorin Scheeres ist optimistisch, dass angesichts des raschen Ausbaus der Rechtsanspruch ab August 2013 auf einen Kitaplatz in Berlin keine großen Probleme bereiten wird.

Allerdings wird es schwierig werden, dieses Tempo zu halten. Darauf wies gestern Martin Hoyer, der Kita-Experte des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, hin. Der Dachverband vertritt die freien Träger, die in Berlin 75 Prozent aller Kitaplätze stellen. "Beim Ausbau innerhalb der bestehenden Gebäude stoßen die Träger an ihre Grenzen", sagt Hoyer. Der Neubau allerdings werde schwieriger.

Hauptproblem seien die fehlenden Freiflächen vor allem in den Innenstadtbezirken. Auch freie kommunale Gebäude gebe es kaum noch. Regional könne es mit der Versorgung eng werden, die Eltern müssten dann damit rechnen, einen weiteren Weg zur Kita in Kauf nehmen zu müssen.

Familienportal im Internet zeigt freie Plätze

Schwierigkeiten bereitet es den Bezirken derzeit, den Überblick über freie Plätze und Anmeldungen an den einzelnen Einrichtungen zu behalten. Auch hier will die Bildungsverwaltung im kommenden Jahr für Abhilfe sorgen. Auf einem Familienportal im Internet sollen alle Kitas mit ihren freien Plätzen einsehbar sein.

Darüber hinaus ist die Einführung einer Software in den Jugendämtern und in den Kitas geplant, mit der Kinder, die einen Platz bekommen haben, automatisch aus den Wartelisten der anderen Kitas gelöscht werden. Oft melden sich die Eltern an mehreren Kitas gleichzeitig an, die Wartelisten werden per Hand geführt.

Die Qualität der Betreuung soll unter dem massiven Ausbau der Kapazitäten nicht leiden. Im Gegenteil: Ab Januar soll wie geplant der Personalschlüssel in den Kitas verbessert werden. In Einrichtungen mit mehr als 100 Kindern soll eine Leitungskraft vollständig für das Management und die konzeptionelle Arbeit freigestellt werden. Bisher war das erst in Einrichtungen ab 160 Kindern der Fall. Damit wird die zweite Stufe der 2009 beschlossenen Personalverbesserung umgesetzt. In der ersten Stufe wurden die Gruppengrößen pro Erzieher um ein Kind verkleinert.

Auch das vor neun Jahren eingeführte Bildungsprogramm, das in allen Einrichtungen Pflicht ist, wird derzeit überarbeitet und den Erfahrungen in den Kitas und den neuesten Forschungsergebnissen in den Erziehungswissenschaften angepasst. Zudem werden seit drei Jahren alle Kitas von einem externen Team unter die Lupe genommen. Etwa die Hälfte aller 2000 Einrichtungen wurde bereits inspiziert. In drei Jahren soll in allen Kitas eine Qualitätskontrolle stattgefunden haben.

Fraglich bleibt, ob künftig auch ausreichend Erzieher bereit stehen. Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW werden allein für den Ausbau bis 2015 insgesamt 3000 zusätzliche Fachkräfte gebraucht. Zudem müssen jährlich etwa 600 Erzieherinnen ersetzt werden, die aus Altersgründen den Dienst beenden.

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