11.12.12

Bahnhof Westhafen

Feueralarm bei der Berliner S-Bahn ausgelöst

Am Montag war die Ringbahn durch eine "technische Störung" unterbrochen. Wie sich später herausstellte, rauchte es an einer S-Bahn.

Bei der Berliner S-Bahn ist es zum Wochenstart erneut zu Ausfällen und Verspätungen gekommen. Vor allem auf den Ringbahnlinien S41 und S42 lief im Berufsverkehr am Montagmorgen zeitweise fast nichts mehr. Grund war ein liegengebliebener Zug im Bahnhof Westhafen. Zunächst meldete die S-Bahn nur eine "technische Störung" an dem Fahrzeug. Stunden später kam heraus, dass Rauchentwicklung am Zug zunächst einen Feueralarm und in der Folge die erheblichen Einschränkungen im Ringbahn-Verkehr ausgelöst hatte.

Erneut traf es einen Zug der Baureihe 480. Bei S-Bahn-Insidern sind die 480er als "Toaster" bekannt - nicht nur, weil sie so heißen wie der bekannte Siemens-Brotröster "BR 480"aus den 50er-Jahren, sondern auch wegen einer auffälligen Häufung von Brandvorfällen. In der Vergangenheit hatte es bei Zügen dieses Typs mindestens sieben Störfälle durch Brände oder Rauchentwicklung gegeben. Der folgenschwerste Unfall ereignete sich im August 2004. Im unterirdischen Anhalter Bahnhof brannte ein Zug der Linie S25 nach einem Kurzschluss völlig aus. Verletzt wurde zwar niemand, doch weil Rauch den gesamten Bahnhof vergiftet hatte, musste die Station vier Monate komplett gesperrt werden.

Zug evakuiert

Auch bei dem Feueralarm am Montagmorgen gilt ein Schaden an der Elektrik als wahrscheinliche Ursache. Gegen 5.40 Uhr bemerkte der Triebfahrzeugführer, dass aus einem der an der Unterseite des Zuges montierten Fahrmotoren Rauch aufstieg. Noch bevor die alarmierte Feuerwehr eintraf, löschten S-Bahn-Mitarbeiter den Brand. Der Zug wurde vorsorglich evakuiert, wie ein S-Bahnsprecher bestätigte. Er blieb zunächst im Bahnhof stehen und blockierte eines der beiden Gleise. Weil zeitgleich ein Notarzteinsatz am Bahnhof Wedding für Sperrungen sorgte, war das Chaos auf dem Ring perfekt. Erst nach etwa zwei Stunden konnte der beschädigte Zug aus eigener Kraft in die Werkstatt weiterfahren. Bis in den späten Vormittag kam es deshalb noch zu Verspätungen und Ausfällen.

Die genaue Ursache für die Rauchentwicklung an dem Motor soll nun eine Untersuchung in der Werkstatt ergeben, wie ein Sprecher betonte. Das Eisenbahn-Bundesamt will sich nach Angaben einer Sprecherin vom Ergebnis der Untersuchung informieren lassen. Zuletzt hatte ein Kurzschluss in einem offenbar überhitzten 480er-Fahrmotor im Februar 2010 in Pankow für Feueralarm gesorgt.

Bei den meisten übrigen Vorfällen mit "Toastern" hatte sich das Heizungssystem als anfällig erwiesen. Ein als Ursache vermuteter störanfälliger Relaisschalter wurde bereits vor Jahren bei allen Fahrzeugen dieses Typs ausgetauscht.

Antriebsstörungen durch Kälte und Schnee

Am Montag sorgte aber nicht nur der Feueralarm am Westhafen für Einschränkungen bei der S-Bahn. Auch das winterliche Wetter machte dem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn erneut zu schaffen, wie ein Sprecher bestätigte.

So habe es mehrere Antriebsstörungen an Zügen der noch zu DDR-Zeiten entwickelten Baureihe 485 gegeben. An anderen Fahrzeugen waren Türen durch Splitt, Schnee und Eis derart blockiert, dass sie in Handarbeit wieder gängig gemacht werden mussten. Auf der Linie S2 (Bernau-Blankenburg) kam es zu Verspätungen, weil ein Zug zwischenzeitlich nur noch maximal 60 Stundenkilometer schnell fahren durfte. Grund: Die Besandungsanlage - eine Art ABS für Züge - war nicht mehr gefüllt.

Noch größere Einschränkungen gab es für die Fahrgäste der S7 (Potsdam-Wartenberg). Nach einer Weichenstörung im Grunewald fuhren die Züge auf der vor allem von vielen Berufspendlern genutzten Linie zwischen den Stationen Potsdam Hauptbahnhof und Westkreuz noch am Nachmittag nur alle 20 Minuten, statt wie gewohnt im 10-Minuten-Takt.

Bombenfund und Tunnelsperrung

Und das war noch nicht das Ende des "schwarzen Montags" für die Nutzer der S-Bahn. Am Vormittag führte ein Bombenfund zu einer Vollsperrung der Linie S3 zwischen den Bahnhöfen Friedrichshagen und Erkner. Bei einer geplanten Suche in einem Waldgebiet zwischen der Fürstenwalder Allee und der Bahntrasse war gegen 10.20 Uhr eine 50-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Sprengstoffexperten der Polizei eilten zu der Fundstelle, um zu entscheiden, ob kontrolliert gesprengt oder entschärft werden sollte, sagte eine Polizeisprecherin. Die Bahntrasse wurde vorsorglich gesperrt. Betroffen war auch der Fern- und Regionalverkehr in Richtung Frankfurt (Oder). Um 13.15 Uhr meldete die Polizei schließlich, der Zünder sei erfolgreich entfernt worden. Der Verkehr auf den Schienen konnte wieder anlaufen.

Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) gab es am Montagmorgen ebenfalls Ausfälle und Verspätungen. Betroffen war die U-Bahnlinie U7 (Rathaus Spandau-Rudow). Um 8.17 Uhr hatte ein Triebfahrzeugführer in einer Tunnelnische nahe dem Bahnhof Zitadelle eine Person bemerkt. Der BVG-Mitarbeiter alarmierte die Leitstelle. Der Verkehr wurde unterbrochen, weil für die Suche nach der Frau der Strom abgestellt werden musste. Als die BVG-Mitarbeiter sie fanden, habe die Frau sich aber geweigert die Nische zu verlassen, sagte ein BVG-Sprecher. Die Polizei musste anrücken. Erst nachdem der ungebetene Gast im Tunnel schließlich abgeführt wurde, konnte der Verkehr auf der U7 wieder planmäßig rollen. Nach Polizeiangaben wurde die offenbar geistig verwirrte Frau in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung gebracht.

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