11.12.12

Orange Box

Alles kommt in eine Mülltonne – nur Toaster bleiben draußen

Ab in eine Tonne: Müll aus Kunststoff und Metall wird künftig in einer einheitlichen Wertstofftonne gesammelt.

Von Isabell Jürgens
Foto: Massimo Rodari

Neue Tonne: Verpackungen und andere Gegenstände aus Kunststoff, Metall und Verbundstoffen dürfen in die neue Wertstofftonne
Neue Tonne: Verpackungen und andere Gegenstände aus Kunststoff, Metall und Verbundstoffen dürfen in die neue Wertstofftonne

Joghurtbecher, Gießkannen, Quietsche-Entchen oder der ausgediente Kochtopf – das darf in Berlin künftig alles in eine Tonne geworfen werden. Die bisher parallel existierenden Wertstoffsammlungen "Orange Box" der Berliner Stadtreinigung (BSR) und die "Gelbe Tonne" der privaten Abfallentsorger werden ihre bisher getrennte Entsorgung zusammenfassen – egal, ob es sich dabei um Verpackungen handelt oder nicht. "Die Müllentsorger und die Senatsumweltverwaltung machen die Wertstoffsammlung damit ab Januar einfacher und umweltfreundlicher", so der Staatssekretär für Umwelt, Christian Gaebler (SPD) am Montag.

Statt der bisherigen gelben und orangefarbenen Tonnengibt es künftig nur noch eine Wertstofftonne, in der Kunststoffe, Metall und Verbundmaterialien gesammelt werden. Damit legten die Berliner Stadtreinigung (BSR) und der private Abfallentsorger Alba ihren jahrelangen Streit darüber bei, wer welchen Müll einsammeln und verwerten darf.

In der neuen Tonne werde ein Großteil des Hausmülls haushaltsnah entsorgt, sagte Umweltstaatssekretär Christian Gaebler, der das künftige Sammelkonzept gemeinsam mit den Vorständen von BSR und Alba vorstellte. Bis zu sieben Kilogramm mehr recycelbare Materialien sollen durch diese Sammelstrategie pro Jahr und Einwohner zusammenkommen. Das entspricht rund 25.000 Tonnen und damit etwa soviel, wie die Stadt Potsdam insgesamt an Hausmüll hat. "Ein weiterer Anreiz zum Trennen ist sicher auch, dass die Wertstofftonne gratis ist", so Gaebler weiter.

Die Tonnen bleiben, nur der Aufdruck wird neu

Ausgetauscht werden die alten gelben und orangefarbenen Mülltonnen in den Hinterhöfen und Kellern allerdings nicht. "Das wäre aus ökologischen und ökonomischen Gründen auch nicht vertretbar",betonte die Chefin der Berliner Stadtreinigung, Vera Gäde-Butzlaff. Stattdessen bekommen die Tonnen nun einen neuen Aufkleber, der den Berlinern nahe bringen soll, was künftig in die gemeinsame Tonne darf und was nicht. In den Vororten, in denen die Wertstoffe bislang mit einem Gelben Sack eingesammelt wurden, bleibt es ebenfalls bei der Tüte – diese nennt sich nun allerdings Wertstoffsack und bekommt ebenfalls neue Aufdrucke.

Bislang seien selbst Experten an der Mülltrennung in Berlin oft verzweifelt, sagte Gäde-Butzlaff. Denn Verkaufsverpackungen wie Joghurtbecher mit dem grünen Punkt sind per Gesetz von der öffentlichen Entsorgung durch die Stadtreinigung ausgeschlossen und mussten von Alba entsorgt werden, während andere Plastikmaterialien und Metalle, die sogenannten "stoffgleichen Nichtverpackungen", dagegen von der BSR verwertet wurden.

Die Abfuhr der neuen Sammeltonne werden sich Alba und BSR nun teilen. Die BSR übernimmt die Müllabfuhr in Wittenau, Reinickendorf, Alt-Hohenschönhausen, Neu-Hohenschönhausen, Britz, Mariendorf, Lankwitz und Lichterfelde. Im Rest der Stadt holt Alba die Tonnen ab. Die Sortierung aller Inhalte wird dann in der Alba-Sortieranlage am Hultschiner Damm in Mahlsdorf erfolgen.

Berliner sind nicht schlecht bei der Mülltrennung

"Alba betreibt in Mahlsdorf Europas modernste Sortieranlage",so Alba-Vorstandschef Eric Schweitzer. Dank der Arbeit mit Infrarotsensoren könnten 13 unterschiedliche Wertstoffe erfasst werden. Der Reinheitsgrad der so gewonnenen Materialien betrage 90 Prozent. Fälschlich in der Wertstofftonne gelandete Hausmüllabfälle würden die Sensoren problemlos erkennen. Allerdings seien die Berliner entgegen anderslautenden Vorurteilen gar nicht so schlecht bei der Mülltrennung: "Bis zu 85 Prozent dessen, was bei uns in der Anlage landet, wird wiederverwertet", so Schweitzer weiter.

Der Vorteil der gemeinsamen Sammlung für die Berliner Haushalte läge auf der Hand. "Was der Gesetzgeber kompliziert macht, machen wir jetzt einfacher", versprach Alba-Vorstandschef Eric Schweitzer. Entsprechend den bisher gemachten Erfahrungen gehören rund zwölf Prozent des Mülls in der neuen Wertstofftonne auch künftig der BSR, 88 Prozent fallen in die Zuständigkeit von Alba. Dementsprechend sind dann auch die Kosten der Entsorgung und die Erlöse aus dem Verkauf der gewonnenen Recyclingmaterialien unter den beiden Unternehmen aufgeteilt.

Während der Umweltstaatssekretär und die Müllentsorger die neue Einheitstonne als umwelt- und kundenfreundlich loben, kritisieren Umweltverbände das neue System. Denn für die Berliner, die bislang die "Orange Box" der BSR im Hinterhof stehen hatten, wird es nun wieder komplizierter und ein bisschen weniger komfortabel.

Elektrogeräte zum Recyclinghof

Denn anders als bisher in den orangen Tonnen dürfen dort künftig keine Elektrokleingeräte mehr entsorgt werden. Fön, Rasierer oder der defekte Toaster müssen nun wie Textilien, Datenträger und Holz wieder zu einem der 15 Berliner Recyclinghöfe gebracht werden. Nach wie vor haben auch Batterien und Energiesparlampen nichts in der Wertstofftonne zu suchen. In den Recyclinghöfen könnten sie hochwertiger verwertet werden, begründete Gäde-Butzlaff diesen Schritt. Bundesweit sei eine Entsorgung dieser Materialien in der Mülltonne zu Hause derzeit nicht gewünscht.

Zusätzlich zu den Recyclinghöfen, so die BSR-Chefin weiter, stünden für kleine Elektrogeräte in Bezirken, die dies genehmigt haben, rund 50 Container der BSR am Straßenrand. Leider hätten einige Bezirke jedoch Vorbehalte gegen die Container, da sie befürchteten, dass das Umfeld vermüllt werde. Diese Befürchtung sei jedoch nicht begründet. Doch auch ohne diesen wohnortnahen Service "bin ich mir sicher, dass die Berliner sich schnell an diese Änderung gewöhnen werden", gab sich die BSR-Chefin zuversichtlich.

Während am Montag Staatssekretär Gaebler sowie die Chefs von BSR und Alba Einigkeit demonstrierten, wurde in der Vergangenheit erbittert um die Verwertung des Mülls gestritten. Die landeseigene Berliner Stadtreinigung BSR hatte darum gekämpft, stadtweit ihre "Orange Box" aufstellen zu dürfen, während Alba die Entsorgung mit ihrer Gelben Tonne plus ausweiten wollte. Das untersagte die Senatsumweltverwaltung jedoch.

Mit einem Informationsblatt wollen BSR und Alba die Berliner Haushalte nun über die neue Wertstofftonne informieren. Alle wesentlichen Informationen rund um die neue Wertstofftonne sind ab sofort auch online zu finden. Ab Januar 2013 sind dort auch die jeweils geltenden Abfuhrtermine verfügbar:

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Belästigungsvideo "Ich betreibe Kampfsport und habe trotzdem…
Vorsicht Kamera! Hochzeit aus der Sicht einer Whiskey-Flasche
Nach Pokalsieg Pep Guardiola denkt nur noch an Borussia Dortmund
Israel Radikaler Rabbiner überlebt Attentat
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Unglück

Rakete mit Raumfrachter "Cygnus" explodiert

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote