10.12.12

Kreuzberg

Berliner Amerika-Gedenkbibliothek wird saniert und umgebaut

Die AGB platzt aus allen Nähten, täglich kommen bis zu 4500 Leser in die Bücherei. Jetzt soll der Publikumsbereich umgestaltet werden.

Von Sabine Gundlach
Foto: Krauthoefer

Hauptstandort der Zentral- und Landesbibliothek: die AGB in Kreuzberg
Hauptstandort der Zentral- und Landesbibliothek: die AGB in Kreuzberg

Während die Berliner Staatsbibliothek am Montag ihren spektakulären neuen Lesesaal feierte, hoffen die Mitarbeiter der Amerika Gedenkbibliothek (AGB) auf das Ende der Provisorien. Die werden allerdings noch Jahre den Alltag in dem denkmalgeschützten Gebäude am Kreuzberger Blücherplatz bestimmen. Denn das 1954 ursprünglich für täglich 500 Besucher konzipierte Haus wird derzeit von täglich etwa 4000 bis 4500 Lesern genutzt.

"Wir platzen aus allen Nähten", sagt Pressesprecherin Anna Jacobi. Um im Rahmen erforderlicher Bauunterhaltungsmaßnahmen das Optimum für die Nutzer zu erreichen, sind deshalb im kommenden Jahr trotz des langfristig geplanten Neubaus der Zentral- und Landesbibliothek, deren Hauptstandort die AGB ist, Sanierungsarbeiten vorgesehen.

Der stark frequentierte Publikumsbereich im Erdgeschoss der Amerika-Gedenkbibliothek soll renoviert und umgestaltet werden – bei laufendem Betrieb. Das Bewerbungsverfahren für den Wettbewerb ist jetzt gestartet. Eine Aufgabe lautet, Vorschläge für eine effiziente und kundenverträgliche Organisation des Bauablaufs im laufenden Betrieb zu machen.

Auftraggeber dieses nicht offenen Verfahrens ist die Liegenschaftsverwalterin des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes, die Berliner Immobilenmanagement GmbH (BIM). Mit Unterstützung durch Fördermittel der Europäischen Union (EFRE) sollen die Arbeiten im Oktober 2013 starten und spätestens im Juli 2014 vollendet sein.

60. Geburtstag der Bibliothek

Dass 2014 just der 60. Geburtstag der Bibliothek ansteht, habe man nicht bedacht. "Das ist aber ein schöner Zufall", sagt Anna Jacobi. Die Frist für das Ende der Bauarbeiten im Juli 2014 hänge vielmehr mit den europäischen Fördermitteln zusammen, die innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums verbaut sein müssen, erläutert die Sprecherin.

Für die Ausgestaltung der zu renovierenden und teilweise auch neu zu gestaltenden Fläche von insgesamt 2000 Quadratmeter stünden EFRE-Mittel in Höhe von 680.000 Euro brutto zur Verfügung, insgesamt betrage die Investition inklusive Planungs- und anderer Leistungen etwa eine Million Euro. Ausgaben, die sich auch vor dem Hintergrund des geplanten ZLB-Neubaus nach Ansicht von Sprecherin Jacobi "durchaus lohnen". Schließlich werde das Gebäude bis zur geplanten Fertigstellung des ZLB-Neubaus weiterhin als Bibliothek genutzt.

"Wir können das Haus ja nicht verrotten lassen", sagt auch ZLB-Baureferent Jonas Fansa. Ziel der kleineren Baumaßnahme seien vor allem qualitative und weniger quantitative Verbesserungen. So solle der abgetretene Nadelfilzboden erneuert werden. "Und da wir dafür sowieso alles anfassen müssen, suchen wir auch nach Ideen für eine Verbesserung des räumlichen Konzeptes", sagt Fansa.

Möglich sei beispielsweise eine effizientere Anordnung der Möbel. Die polygonalen Tische, die klassischen "Eiermann-Stühle" und die Regalsysteme in Y-Ständerform stünden ebenso wie der Bau unter Denkmalschutz, würden also nicht erneuert, sondern gegebenenfalls leicht ergänzt werden. "Wir haben hier 120 Arbeitsplätze und können vielleicht auf 130 Plätze kommen. Im Neubau wollen wir 3200 Arbeitsplätze anbieten", sagt Fansa mit Blick auf die Dimensionen des Gebäudes. In der aktuellen Investitionsplanung des Senats sind für das umstrittene Bauprojekt in Tempelhof bereits die ersten 60 Millionen Euro vorgesehen. Insgesamt sind bislang 270 Millionen Euro veranschlagt.

Konkrete Nachnutzung unklar

Die Amerika Gedenkbibliothek war bei ihrer Eröffnung am 17. September 1954 Deutschlands erste "Public Library" nach amerikanischem Vorbild. Die USA hatten das Gebäude Berlin nach der überstandenen Berlinblockade (1948/49) geschenkt. Das Symbol für die deutsch-amerikanischen Beziehungen wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, soll nach dem Willen der Senatskulturverwaltung als Kulturstandort erhalten bleiben. "Wie die Nachnutzung aussehen könnte, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht konkretisieren", sagt Senatssprecher Günter Kolodziej. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg will das AGB-Gebäude nach Angaben von Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) jedenfalls nicht übernehmen. Schulz rechnet damit, dass die jährlichen Kosten dafür etwa 1,5Millionen ausmachen könnten.

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