09.12.12

Kalte Tage

So erlebt Berlin den Wintereinbruch

Kalt erwischt: Schnee und Glätte verursachen in der Hauptstadt Zug- und Flugverspätungen. Handel und Museen profitieren.

Von Christine Eichelmann
Foto: Reto Klar

Gepudert: Diesen Berliner Bär am Brandenburger Tor hat der Wintereinbruch sichtlich überrascht.

10 Bilder

Sonderschichten bei den Räumdiensten, ausfallende S-Bahn-Züge, verspätete Flugzeuge in Tegel und Schönefeld – der erneute Wintereinbruch hat Berlin kalt erwischt. Und auch in den nächsten Tagen soll es ungemütlich bleiben.

Rund zehn Zentimeter Neuschnee brachte das Tief "Marie" bis zum Sonntagabend. Die Meteorologen sagten für die Nacht zum Montag weiteren Schneefall voraus. So viel Schnee bedeutete für die Berliner Stadtreinigung (BSR) Schwerstarbeit. Am Sonntag waren die Mitarbeiter der BSR von sechs Uhr früh an im Einsatz.

Die Schichten für die 2100 Mitarbeiter wurden verlängert, um einen 24-Stunden-Service zu ermöglichen. Sämtliche 480 Räumfahrzeuge rollten durch Berlin. Außerdem sei wieder Salz gestreut worden, um die Straßen für den Verkehr frei zu machen, sagte BSR-Sprecher Bernd Müller. "Natürlich war mancherorts die Strecke bald wieder zugeschneit. Aber wir konnten die Räumpläne abarbeiten und sind teilweise auch in die Seitenstraßen gekommen." Trotzdem war es in vielen Straßen und auf vielen Gehwegen glatt.

Großkampftag ebenso bei den privaten Räumdiensten: Gegen Mittag hatte die Alpina Schneedienst GmbH ihre Leute rausgeschickt. "Wir wussten, dass das große Niederschlagsgebiet gegen zwölf Uhr hier ankommen würde", sagte Geschäftsführer Martin Gwiazdowski. "Dafür beobachten wir ja ständig den Radarschirm und haben einen Vertrag mit dem Wetterdienst."

Enteisung von Flugzeugen ohne Probleme

Wie bei der BSR wurde in zwei Schichten gearbeitet. Über 60 Mitarbeiter und alle 19 Maschinen waren pro Schicht im Einsatz, um alle Aufträge zu erfüllen. Der Alpina Schneedienst betreut rund 2000 Grundstücke in der Stadt. Noch bevor alle Touren für die Tagesschicht eingeteilt gewesen seien, habe es allerdings erste Anrufe nervöser Kunden gegeben. Gwiazdowski: "Das neue Winterdienstgesetz hat die Berliner verunsichert, und dann fragen sie halt nach, wann wir kommen."

Um die Müllabfuhr zu gewährleisten, sollten Hausbesitzer außerdem die Zuwege zu den Stellplätzen frei halten, appellierte BSR-Sprecher Müller an die Eigentümer. "Sonst kommen die Kollegen mit den Tonnen nicht raus."

Nur wenige Unfälle meldete die Polizei ab Mittag mit Einsetzen der Schneefront. Zumeist sei es bei Blechschäden geblieben. Auf den Flughäfen sorgte der Schneefall ab 12.30 Uhr für Verspätungen.

Während in Frankfurt bis zum Nachmittag bereits 270 Flüge annulliert werden mussten und der größte deutsche Airport mittags eine Stunde lang für ankommende Flugzeuge gesperrt blieb, seien die Störungen in Tegel und Schönefeld aber "im witterungsbedingten Rahmen" geblieben, sagte Berlins Flughafen-Sprecher Lars Wagner. Die Enteisung der Maschinen habe keine Probleme bereitet. Trotzdem gab es einige Verspätungen in Tegel und Schönefeld.

Handel profitiert von Wintereinbruch

Wie bei jedem Wintereinbruch, so hatte auch dieses Mal die S-Bahn mit dem stark einsetzenden Schneefall zu kämpfen. Auf ihrer Internetseite warnte sie ihre Fahrgäste, dass es zu Verspätungen und Ausfällen kommen könnte. Viele Fahrgäste mussten auf den Bahnhöfen lange warten, weil Türen eingefroren und Weichen verschneit waren. Züge waren verspätet oder fielen aus.

So gab es Weichenprobleme in Neukölln, was Verspätungen auf den Linien S 45, S 46 und S 47 auslöste. Bis zum Nachmittag sei der Verkehr aber auf keiner Strecke ganz zum Erliegen gekommen, so S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. Im Fernverkehr der Deutschen Bahn musste bundesweit die Höchstgeschwindigkeit auf 200 Stundenkilometer begrenzt werden, was ebenfalls zu Verspätungen führte.

Profitieren konnte von dem Wintereinbruch dagegen der Handel. Die Einkaufszentren und großen Kaufhäuser seien voll gewesen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen: "Das war der stärkste Sonntag bisher in diesem Jahr, er liegt in der Tendenz auch über dem Vorjahr."

Gefragt gewesen seien neben Geschenkartikeln wie Parfüm, Büchern, Spielwaren und CDs auch Wintertextilien. Die Weihnachtsmärkte verzeichneten bis zur Dämmerung zwar teils weniger Publikum als an Sonnentagen. "Gegen Abend wurde es aber voll, wir sind zufrieden", so der Geschäftsführer der Weihnachtszauber Gendarmenmarkt GmbH, Helmut Russ.

Touristen-Werber zufrieden

Die Tourismus-Werber sahen den starken Schneefall ebenfalls positiv. "Wir haben an diesem Wochenende das Versprechen auf Weihnachtsstimmung eingelöst", freute sich VisitBerlin-Geschäftsführer Burkhard Kieker. Die Winterkampagne sei wie in den Vorjahren erfolgreich. Besondere "wetterfeste" Anziehungspunkte seien die Ägypten-Ausstellung um die Nofretete im Neuen Museum sowie die Asisi-Rotunde mit dem Kreuzberger Mauer-Panorama.

Ein Ende des winterlichen Wetters ist vorerst nicht in Sicht. Auch für die kommenden Tage ist in Berlin statt mit Sonne mit weiteren Niederschlägen zu rechnen. Weil bei Temperaturen um die null Grad auch Regen darunter sein kann, wird allerdings vor Glätte gewarnt.

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