09.12.12

Große Veränderungen

Berliner und Brandenburger Nahverkehr mit neuem Fahrplan

Der öffentliche Nahverkehr ist noch immer instabil, auch die Berliner S-Bahn fährt nicht komplett. Nun werden sogar Haltestellen gestrichen.

Von Markus Falkner
Foto: dpa

Umstellung: Die Berliner müssen sich auf Veränderungen im regionalen Fahrplan einstellen
Umstellung: Die Berliner müssen sich auf Veränderungen im regionalen Fahrplan einstellen

Auf die Schlagzeile "S-Bahn-Netz wieder komplett" müssen die Fahrgäste weiter warten. Die für Montag von der S-Bahn angekündigte Wiederinbetriebnahme der seit dreieinhalb Jahren eingestellten Linie S85 (Waidmannslust–Grünau) wurde am Donnerstagabend kurzfristig abgesagt.

S-Bahnchef Peter Buchner bedauerte die Entscheidung. Sie sei auf Drängen der Länder Berlin und Brandenburg zustande gekommen, sagte er. Die Auftraggeber der S-Bahn fordern seit Wochen, die zusätzlichen einsatzbereiten Züge, die für die S85 vorgesehen waren, besser zu nutzen, um im Rest des Netzes für mehr Stabilität und Pünktlichkeit zu sorgen. Einen erneuten Anlauf zur Reaktivierung der S85 kündigte die S-Bahn nun für das kommende Frühjahr an.

Auch ohne die Rückkehr der letzten noch eingestellten S-Bahnlinie kommen auf die Nutzer von Bussen und Bahnen in der Region mit dem Fahrplanwechsel an diesem Sonntag aber große Veränderungen zu. Die größten betreffen dabei Reisende im Regionalverkehr. Die gute Nachricht: Die Bauarbeiten zwischen Berlin und Potsdam werden nach einem Jahr planmäßig abgeschlossen.

Alle Linien zwischen der Landes- und der Bundeshauptstadt fahren von Sonntag an wieder planmäßig. Mit bis zu vier Zügen pro Stunde verbessert sich die Verbindung sogar deutlich.

1,3 Prozent weniger Fahrten

Die schlechte Nachricht: Weil weniger Geld als zuletzt zur Verfügung steht, wird das Angebot im Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg insgesamt reduziert. Zwar geht es im Gesamtvolumen nur um 1,3 Prozent weniger Fahrten, doch trifft es einige Regionen im Osten und Süden der Region besonders hart.

Einzelne gestrichene Fahrten oder ausgedünnte Takte gibt es etwa zwischen Spandau und Wustermark, Jüterbog und Beelitz sowie auf einem halben Dutzend weiterer Linien in Brandenburg. Betroffen ist aber auch eine wichtige Pendlerverbindung nach Berlin.

Der Regionalexpress RE6 ("Prignitz-Express") endet ab Sonntag grundsätzlich wieder in Spandau. Als zweite wichtige Verbindung in Berlin ist von den Kürzungen die heutige Linie OE36 betroffen. Die Züge von Lichtenberg nach Königs Wusterhausen fahren künftig nur noch montags bis freitags.

Auf einigen, vor allem den stark nachgefragten, Strecken verbessern sich die Angebote zum Fahrplanwechsel hingegen. Dazu zählen neue Expresszüge von Frankfurt (Oder) nach Cottbus. Schneller als bisher kommen Reisende auch auf der Linie RE7 voran. Nach Abschluss der Bauarbeiten und dank des Einsatzes neuer Triebzüge verkürzt sich die Fahrtzeit von Berlin nach Dessau um bis zu 17 Minuten.

Private Betreiber im Aufwind

Für gleich zwei private Eisenbahn-Unternehmen beginnt am Sonntag eine neue Ära. Ein neuer Akteur im Regionalverkehr ist die Eisenbahngesellschaft Potsdam (EGP). Sie übernimmt die Linien RB73 und 74 in der Prignitz, die wegen geringer Fahrgastzahlen bereits von der Stilllegung bedroht waren.

Die ebenfalls private Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) übernimmt am Sonntag mit den Regionalexpress-Linien RE2 (Wismar–Berlin–Cottbus) und RE4 (Stendal–Berlin–Jüterbog) erstmals zwei der wichtigsten Verbindungen der Region. Bislang betrieb die Odeg nur kleinere Nebenstrecken. Die Freude über den Wachstumskurs ist aber getrübt.

Wie berichtet, fehlen der Odeg immer noch die bestellten Triebzüge vom Typ Kiss. Gründe sind Verzögerungen in der Produktion und die nach wie vor fehlende Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA). Die Odeg wird daher vorerst nur die Linie RE4 – mit geliehenen Zügen – selbst bedienen. Auf dem RE2 fahren zunächst weiterhin die Züge der Deutschen Bahn.

Einheitliche Linienbezeichnungen

Die eingesetzten Lokomotiven sind aber nicht so sprintstark wie die geplanten Kiss-Züge. Um den Fahrplan dennoch einhalten zu können, hat die Odeg in dieser Woche beschlossen, zunächst bis zum 9. Februar einige Unterwegshalte wegfallen zu lassen. So halten viele RE-Züge ab Sonntag nicht in Brand und Breddin.

Eine weitere Neuerung im Regionalverkehr hat der VBB mit der Deutschen Bahn ausgehandelt. Erstmals in Deutschland gibt es einheitliche Linienbezeichnungen. Alle Regionalexpress-Linien firmieren unter der Kennung RE, die übrigen Linien fahren als Regionalbahn (RB). Bislang hatte nur die Deutsche Bahn die Namensrechte an diesen Kürzeln.

Wer im Regionalverkehr künftig ohne Ticket in den Zug einsteigt, kann hingegen nicht auf Verbesserungen hoffen. Im Gegenteil. Wie berichtet, schafft die Bahntochter DB Regio den Ticketverkauf beim Kundenbetreuer weitgehend ab. Bislang konnten Reisende gegen Zahlung eines Aufschlages von 2,50 Euro ihren Fahrschein noch im Zug nachlösen.

Wer ohne Fahrschein einsteigt und erwischt wird, wird als Schwarzfahrer angesehen und muss Strafe zahlen. Ausnahmen soll es nur geben, wenn Fahrgäste an Stationen ohne Ticketautomaten oder Verkaufsschalter einsteigen oder wenn die Technik gestört ist.

Mehr Züge auf der Stadtbahn

Nach der Absage der S85-Reaktivierung fallen die Fahrplanänderungen bei der S-Bahn vergleichsweise gering aus. Das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn verbessert vor allem das Angebot auf der Stadtbahn. Auf der Linie S75 (Wartenberg-Westkreuz) fahren ab Sonntag auch außerhalb der Hauptverkehrszeit mehr Züge.

Eine neue Baustelle sorgt für teilweise eingleisigen Betrieb auf der Linie S7 im Grunewald. Trotzdem sollen die Züge dort alle zehn Minuten fahren. Weitere Neuerungen: Auf der S8 fahren in der Hauptverkehrszeit mehr Züge bis Zeuthen, und auf der S25 gilt der 10-Minuten-Takt von und ab Gesundbrunnen künftig länger als bisher.

Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) gibt es vor allem Veränderungen im Busverkehr. Neue Fahrpläne gelten von allem auf den Verbindungen vom Südwesten in die City-West, wo der Expressbus X10 verstärkt wird und der X11 eine neue Streckenführung bekommt sowie im Berliner Nordwesten. Im Märkischen Viertel wird der gesamte Busverkehr neu geordnet.

Ein Ärgernis für Fahrgäste gibt es dabei bereits. Weil die bisherige Linie 325 eingestellt wird, fallen die Haltestellen Lübarser Weg und Sagritzer Weg ersatzlos weg. Vor allem viele ältere und behinderte Menschen, so lautet die Kritik, würden aber am Sagritzer Weg aussteigen, um die dortige Einrichtung des Unionshilfswerks zu besuchen.

Die BVG betont hingegen, alle Optionen seien ausgiebig geprüft worden. Das neue Fahrplankonzept biete für die meisten Kunden deutliche Vorteile. Unbestrittene Verbesserungen für Senioren und Behinderte gibt es im Köpenicker Straßenbahnnetz. Von Sonntag an fahren auf der Linie 68, der "Uferbahn", barrierefreie Niederflur-Züge.

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