07.12.12

Berlin Trend

Berliner vertrauen weiter der Charité

Die jüngste Pannenserie kratzt zwar am Image der Charité, doch eine deutliche Mehrheit der Berliner schätzt die Klinik nach wie vor.

Von Joachim Fahrun
Foto: dapd

Die Charité hat etwas an Vertrauen eingebüßt, aber es bei der Mehrheit der Berliner nicht veloren
Die Charité hat etwas an Vertrauen eingebüßt, aber es bei der Mehrheit der Berliner nicht veloren

Die Charité genießt trotz der jüngsten Probleme mit dem Keimbefall auf der Säuglingsstation und dem Umgang mit dem mutmaßlichen Missbrauchsfall auf der Kinderrettungsstelle das Vertrauen einer Mehrheit der Berliner. 62 Prozent sagten, sie vertrauten der Charité ebenso wie vorher. Jeder Dritte gab hingegen an, das Vertrauen in die Universitätsklinik sei beeinträchtigt.

Frauen haben die Negativschlagzeilen über Deutschlands größtes Krankenhaus mehr berührt als Männer. Unter den Frauen ist zu 37 Prozent das Vertrauen in die Charité gesunken, 58 Prozent schätzen die Universitätsklinik ebenso ein wie vorher. Bei Männern sehen nur 28 Prozent die Charité jetzt kritischer, für 67 Prozent hat sich nichts geändert.

Das hat der Berlin-Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-"Abendschau" ergeben, der die Qualität des Berliner Gesundheitswesens zum Thema hat. Dafür befragte Infratest Dimap zwischen 30. November und 3. Dezember 1000 wahlberechtigte Berliner.

Privatpatienten bevorzugt

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Jeder zweite gesetzlich Versicherte muss in Berlin länger als drei oder vier Wochen auf einen Termin beim Facharzt warten, jeder achte wird sogar erst nach drei oder mehr Monaten zu einem Spezialisten vorgelassen. Privatpatienten kommen hingegen deutlich schneller dran: Fast zwei Drittel warten nur wenige Tage. 90 Prozent sehen den Facharzt in weniger als zwei Wochen. Unabhängig von der Art der Krankenversicherung gaben von allen Befragten 30Prozent an, innerhalb weniger Tage einen Facharzttermin bekommen zu haben, wenn sie einen solchen in den vergangenen zwei Jahren benötigten. 26 Prozent warteten laut Umfrage ein bis zwei Wochen, 17 Prozent drei bis vier Wochen. Ein bis zwei Monate Geduld brauchten 16 Prozent, an Wartezeiten von drei bis vier Monaten erinnern sich acht Prozent. Drei Prozent mussten sogar länger als vier Monate ausharren.

Der Berlin-Trend belegt auch ein räumliches Ungleichgewicht in der Hauptstadt. Unter den Menschen im Ostteil der Stadt liegt der Anteil derjenigen Patienten, die lange auf einen Termin beim Facharzt warten mussten, deutlich höher als in den westlichen Bezirken. Im Osten kamen nur 49 Prozent innerhalb von zwei Wochen zum Facharzt, im Westteil der Stadt waren es 63 Prozent.

Zwei Gründe könnten diese Differenz erklären: Zum einen wohnen in den östlichen Stadtteilen weniger Menschen mit privaten Krankenversicherungen und relativ mehr gesetzlich Versicherte, die länger warten müssen. Und es praktizieren zwischen Alt-Mitte und Hellersdorf erheblich weniger Fachärzte als zwischen Tiergarten und Spandau.

Mehr Transparenz von Krankenhäusern gefordert

Von den Krankenhäusern erwarten die Befragten deutlich mehr Transparenz. Drei Viertel der Berliner wollen, dass die Kliniken in Qualitätsberichten Erfolge und Komplikationen bei der Behandlung ihrer Patienten veröffentlichen.

Dass es an Informationen aus den Kliniken mangelt, ist auch der Kern einer Untersuchung des AOK-Bundesverbandes und des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Die Studie stellt fest, dass viele Patienten unnötigerweise operiert werden. Operationen würden oft nur erbracht, damit die Kliniken ihre Einnahmen verbesserten, folgerte die AOK.

Insgesamt sei die Zahl der Operationen deutlich gestiegen. Es gebe besonders dort starke Zuwächse bei den OP-Zahlen, wo die Eingriffe Gewinn versprächen, sagte WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber am Freitag. Eine bestimmte OP zur Unterstützung der Herzfunktion werde im Kreis Höxter viermal so oft durchgeführt wie in Nürnberg.

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