06.12.12

Wintereinbruch

Nikolaus in Berlin - Schnee, Stau, Staatsbesuch

Der Autoverkehr in der Hauptstadt wurde durch die Glätte stark beeinträchtigt, Fußgänger stürzten Die S-Bahn trotzte dagegen dem Winter.

Von Thomas Fülling und Peter Oldenburger
Foto: dpa

Schneefrei: Ein Räumfahrzeug befreit am Brandenburger Tor die Wege vom Schnee
Schneefrei: Ein Räumfahrzeug befreit am Brandenburger Tor die Wege vom Schnee

Die Kinder hatten ihre helle Freude. Genau zum Nikolaustag kam der Winter nach Berlin und bescherte der Stadt flächendeckend ein prachtvolles weißes Kleid. Wer allerdings auf das Auto oder den Bus angewiesen war, der brauchte am Morgen deutlich mehr Zeit auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkauf. Gerade am Morgen und in den frühen Vormittagsstunden war es gefährlich glatt. Zeitweise starker Schneefall behinderte den Verkehr. Aber auch wegen des Staatsbesuchs des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu kam es zu erheblichen Staus. So war der Bereich um das Hotel "Intercontinental" an der Budapester Straße und um das Kanzleramt am Morgen zeitweise gesperrt.

Tragische Folgen hatte der Wintereinbruch am Donnerstagvormittag für eine Polizeischülerin. Auf dem Schulgelände in Ruhleben geriet die 22-Jährige gegen 10.30 Uhr auf dem Gehweg ins Straucheln, stürzte auf die Fahrbahn und wurde von einem gerade herannahenden Schneeräumfahrzeug erfasst. Die junge Frau kam in ein Krankenhaus, ein Polizeisprecher bezeichnete ihren Zustand am Donnerstagabend als unverändert kritisch.

Bis zu einer halben Stunde Verspätung bei der BVG

Bei der BVG mussten etwa die Fahrgäste Verspätungen von bis zu einer halben Stunde in Kauf nehmen. "Es ist jedes Jahr das Gleiche: Am ersten Tag mit Schnee fahren alle Autofahrer erst einmal ganz besonders vorsichtig, und die Busse bleiben im Stau stecken", sagte BVG-Sprecher Klaus Wazlak. Zwei Busfahrer verletzten sich zudem leicht, als sie an den Endhaltestellen ihre Fahrzeuge überprüften und dabei auf vereisten Flächen ausrutschten. Damit die Straßenbahnen nicht im Schnee stecken blieben, setzte die BVG erstmals ein neues Räumfahrzeug ein.

Zu ihrer Überraschung kamen viele Kunden der S-Bahn relativ störungsfrei voran. "Wir hatten keinerlei witterungsbedingte Ausfälle", sagte ein Bahnsprecher. Allerdings kam es auf den Stadtbahn-Linien S5, S7 und S75 im abendlichen Berufsverkehr zu erheblichen Verspätungen. Grund war in diesem Fall die Unachtsamkeit eines Baggerfahrers, der bei Bauarbeiten am Bahnhof Ostkreuz gegen Mittag ein Signalkabel beschädigt hatte. Noch zwei Tage zuvor hatte es bei der S-Bahn nach einer ersten Frostnacht zahlreiche Ausfälle wegen Weichenstörungen gegeben. Trotz erheblicher Neuschneemengen erwies sich die sonst störanfällige Technik nun jedoch als robust. "Toi, toi, toi, dass es so bleibt", so ein S-Bahner.

Trotz der erheblichen Behinderungen gab es auf den Straßen nur geringfügig mehr Unfälle als an anderen Tagen, hieß es bei der Polizei. "Wir haben ein leicht erhöhtes Unfallaufkommen, aber nichts Dramatisches", sagte ein Sprecher. Zwischen acht und neun Uhr habe es berlinweit gerade einmal 15 Unfälle gegeben. Von neun bis zehn Uhr wurde 46 und von zehn bis elf Uhr weitere 61 Unfälle gezählt. Dabei sei es überwiegend bei Blechschäden geblieben. In ungeräumten Nebenstraßen ereigneten sich Karambolagen zumeist beim Rangieren oder Ausparken.

Ausnahmezustand ausgerufen

Die Feuerwehr verzeichnete das größte Aufkommen an Einsätzen nach dem morgendlichen Berufsverkehr. Um 10.30 Uhr musste beim Rettungsdienst sogar zeitweilig der Ausnahmezustand ausgerufen werden. Nach Angaben der Leitstelle gab es dafür zwei Gründe. Zum einen stieg kurzzeitig die Zahl der Unfälle, zum anderen konnten die Einsätze wegen der Straßenverhältnisse nicht so zügig abgearbeitet werden wie sonst. Nach zwei Stunden wurde der Ausnahmezustand aber wieder aufgehoben. Bis 12.30 Uhr wurde der Rettungsdienst zu 130 Notfällen gerufen. Die Feuerwehr schätzte, dass rund die Hälfte davon durch das Wetter verursacht wurde. Auf den glatten und am Vormittag oft noch nicht geräumten Wegen stürzten viele Fußgänger und verletzten sich.

Deutlich mehr Unfälle in Brandenburg

Deutlich schwieriger als in Berlin waren die Straßenverhältnisse in Brandenburg. Zwischen Mitternacht und zehn Uhr morgens registrierte die Polizei dort 92 Unfälle. In 26 Fällen davon seien Eis und Schnee die Ursache gewesen, sagte eine Sprecherin des Lagezentrums in Potsdam. Vier Menschen wurden dabei verletzt.

Eine Sperrung der Autobahn 11 wurde bei Wandlitz (Barnim) nötig, nachdem am Morgen ein mit fabrikneuen Winterreifen beladener Lkw gegen die Mittelleitplanke geprallt und umgestürzt war. Der 60 Jahre alte Fahrer wurde verletzt und musste in eine Klinik gebracht werden. Ein bis zu vier Kilometer langer Stau war die Folge des Unfalls. Ein ähnliches Bild bot der nördliche Berliner Ring (A10) nach einem Unfall zwischen Birkenwerder und dem Kreuz Oranienburg. Zudem war auf der A10 kurz vor neun Uhr ein defekter Lkw zwischen den Dreiecken Havelland und Schwanebeck liegen geblieben.

Die Fluggäste kamen beim Wintereinbruch relativ glimpflich davon. Auf den beiden Flughäfen Schönefeld und Tegel waren die Mitarbeiter seit zwei Uhr nachts im Einsatz, um das Gelände schnee- und eisfrei zu halten und die Flugzeuge zu enteisen. Am Morgen kam es bei den Flügen deshalb nur zu geringen Verspätungen, sagte ein Sprecher. Allerdings mussten Passagiere mehr Zeit einplanen, um die Flughäfen rechtzeitig zu erreichen.

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