Marode Deutschlandhalle
Eissportler müssen ins Velodrom umziehen
Dienstag, 23. Juni 2009 18:39Die Deutschlandhalle, bislang Trainingsstätte der Berliner Eissportler, ist geschlossen. Sie soll abgerissen werden. Jetzt ist klar, wohin die Eishockey-Spieler umziehen werden: ins Velodrom an der Landsberger Allee. Die Vereine hatten sich eine andere Lösung gewünscht.

Der Streit um die künftigen Trainingsmöglichkeiten Berliner Eissportler nach Abriss der Deutschlandhalle ist beendet. Mit Beginn der Eissportsaison 2009/2010 ziehen die Eishockey-Spieler aller Alterklassen in das Velodrom an der Landsberger Allee in Prenzlauer Berg - bis zur Fertigstellung der neuen Eissporthalle an der Glockenturmstraße in Charlottenburg. Das hat die Senatsverwaltung für Inneres und Sport entschieden, nachdem monatelang eine Projektgruppe mit Fachleuten aus der Senatsbau- und -sportverwaltung die Errichtung einer temporären Halle neben dem Erika-Heß-Stadion in Wedding als Ersatzlösung geprüft hatte. Vor allem die Eishockey-Spieler des ECC Preußen Juniors benötigen eine vorübergehende Bleibe.
„Diese Lösung ist im Vergleich mit den geprüften Alternativen sowohl mit Blick auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis als auch in sportlicher Hinsicht die Beste“, erklärte Staatssekretär Thomas Härtel. „Darüber hinaus ist diese Variante aufgrund der guten Anbindung des Velodroms an den öffentlichen Personennahverkehr auch für die Eissportfans attraktiv.“
Ausschlaggebend für die neue Variante waren demnach die „unverhältnismäßig“ hohen Kosten in Wedding. Trotz Nachfrage wollte die Senatssportverwaltung den Betrag jedoch nicht nennen. Das Angebot der Firma Velomax hingegen, die eine demontierbare Eisbahn in den Innenraum des Velodroms einbauen lasse, orientiere sich inklusive der Betriebskosten bis 2011 an der im Haushalt eingeplanten Summe von rund 2,5 Millionen Euro. Die Variante in Wedding hätte nach Kenntnis von Eissportlern rund 3,7 Millionen Euro gekostet. Dieter Matz, Vize-Vorsitzender des Berliner Eissport-Verbandes, ist dennoch nicht glücklich mit der Übergangslösung. Das Velodrom in Prenzlauer Berg – Heimstätte des Berliner Radsportverbandes – werde wegen des Sechstagerennens sowie zweier Einzelkünstler-Auftritte mehrere Wochen lang mitten in der Saison für den Eissport nicht zur Verfügung stehen.
Vereine sehen ihre Existenz gefährdet
„Das kann man uns nicht zumuten. Dadurch sind nicht nur Trainings-, sondern auch Wettkampfspiele blockiert“, kritisiert Matz. In der nahen Eissporthalle an der Paul-Heyse-Straße, mit der nach dem Vorschlag der Senatsverwaltung Ausweichtermine abgestimmt werden sollen, könnten keine Eishockeyspiele stattfinden, da es keine Zuschauertribünen gibt. Matz fordert zumindest bessere technische Lösungen, um den Eisbelag im Velodrom schneller wieder zur Verfügung zu haben.
Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wiederholte am Dienstag sein Angebot, die Deutschlandhalle in Eigenregie für den Eissport weiter zu betreiben. „Das Provisorium ist teurer, als die Deutschlandhalle für den Eissport weiter zu betreiben, bis die neue Halle fertig ist. Deshalb ist es nicht nur unsinnig, sondern auch unverantwortlich, die Eissportler auf diese Zerreißprobe zu stellen“, kritisierte Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU).
Ende April hatte die Berliner Deutschlandhalle nach fast 74 Jahren endgültig ihre Pforten geschlossen. Nach einem Beschluss des Berliner Senats vom 27. Mai 2008 soll die einst größte Mehrzweckhalle der Welt abgerissen werden. Die Flächen werden künftig von der Berliner Messe genutzt. Bei über 7200 Sport- und Kultur-Veranstaltungen hatte die Deutschlandhalle in ihrer langen Geschichte rund 29 Millionen Besucher angelockt.
Doch die Denkmalschutzbehörde hatte Ende Mai den Antrag der Messe Berlin, die Deutschlandhalle abzureißen, abgelehnt. Jetzt muss das Landesdenkmalamt entscheiden.bsm/dpa























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