06.12.12

Hosch-Nachfolge

Was den neuen Berliner Messe-Chef Göke erwartet

Ab Juli 2013 lenkt Christian Göke, bislang Vize der landeseigenen Gesellschaft, die Geschicke der Messe Berlin. Auf ihn warten Baustellen.

Von Hans Evert
Foto: Martin Lengemann

Christian Göke, 47 Jahre alt und in Münster geboren, arbeitet seit dem Jahr 2000 als Vizechef der Messe Berlin
Christian Göke, 47 Jahre alt und in Münster geboren, arbeitet seit dem Jahr 2000 als Vizechef der Messe Berlin

Die landeseigene Messegesellschaft Messe Berlin bekommt im Sommer kommenden Jahres einen neuen Chef. Er heißt Christian Göke und beides – dass es einen Neuen gibt und dass er Göke heißt – ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert.

Zum einen entfachte das Gerangel um den Posten einen solch heftigen politischen Wirbel, dass eine Wirtschaftssenatorin aus dem Amt gefegt wurde. Zum anderen waren Gökes Chancen auf den Posten zwischenzeitlich auf Null gesunken. Nun wird er doch Nachfolger des aktuellen Messechefs Raimund Hosch.

Aufsichtsrat einigt sich

Am Mittwoch einigte sich der Aufsichtsrat der landeseigenen Gesellschaft auf die Personalie. Wie zu hören ist, soll das Votum nicht einstimmig gewesen sein. Dem Aufsichtsrat gehören insgesamt 15 Personen an, darunter Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU), IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder und Klaus Feiler, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Finanzen. Dazu kommen Unternehmensvertreter, die jene Branchen repräsentieren, die in Berlin wichtige Messen abhalten. Wegen der Grünen Woche sitzt beispielsweise der langjährige Bauernpräsident Gerd Sonnleitner in dem Gremium.

"Ich danke dem Aufsichtsrat für das zum Ausdruck gebrachte Vertrauen, freue mich darüber und werde bis zur Übergabe des Staffelstabs in bewährter Manier mit Raimund Hosch die Arbeit fortsetzen", sagte Göke laut Mitteilung der Messe Berlin. Aufsichtsratschef Hans-Joachim Kamp sprach vom "positiven Wandel", den Göke in seiner Tätigkeit als zweiter Geschäftsführer zusammen mit Hosch herbeigeführt habe.

Seit dem Jahr 2000 als Vizechef der Messe Berlin

Göke, 47 Jahre alt und in Münster geboren, arbeitet seit dem Jahr 2000 als Vizechef der Messe Berlin. Davor war der promovierte Jurist unter anderem bei der Frankfurter Messegesellschaft und bei der Unternehmensberatung Roland Berger angestellt. Göke ist also schon mehr als zwölf lange Jahre dabei, kennt sich aus und weiß wie das in Berln läuft, vor allem im Zusammenspiel mit der Politik und einflussreichen Organisationen wie der Industrie- und Handelskammer (IHK).

Gerade deswegen wollte die ehemalige Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz Göke als Messechef verhindern. Das führte zu einem leicht kuriosen Personalauswahlverfahren. Anfang September 2012 erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) eine Stellenanzeige, in der ein Geschäftsführer für die Messe Berlin gesucht wurde. Die Posse um die Besetzung der Messespitze war letztlich Auslöser für ihren Rücktritt. Obernitz' Nachfolgerin Yzer startete eine neue Personalauswahl – und heraus kam die Personalie Göke. Jener Mann, der von Anfang an als Favorit galt.

Posten gehört zu den am besten dotierten bei landeseigenen Betrieben

Die Posten bei der Messe gehören zu den am besten dotierten bei den landeseigenen Betrieben. Im vergangenen Jahr bekam Raimund Hosch laut Geschäftsbericht 482.000 Euro überwiesen, Göke erhielt 382.000 Euro.

Ein Teil der beträchtlichen Summe kann sicherlich als Schmerzensgeld für Debatten wie die um das International Congress Centrum (ICC) betrachtet werden. Seit Jahre wird über das markante Gebäude debattiert. Es ging um die Frage Abriss und Neubau oder Sanierung. Bei der Messeleitung selbst ist das Haus nicht sehr beliebt.

Auch in Folge vernachlässigten Unterhalts schossen die Sanierungskosten in die Höhe. Aktuell ist von 330 Millionen Euro die Rede. Mehr als 200 Millionen will das Land nicht für Umbau und Sanierung dazugeben. Der Rest soll von privaten Investoren kommen. Nebulös ist von Mischnutzung die Rede. Mit anderen Worten: So richtig gut geklärt ist die ICC-Problematik längst noch nicht.

Das wird Göke weiterhin beschäftigen und er muss auch noch einen deutlichen Rückgang im Messe- und Kongressgeschäft verkraften. Vor allem das ICC wird im kommenden Jahr gemieden. 2012 rechnet die Messegesellschaft noch mit insgesamt 181.200 Teilnehmern, die für 40 Veranstaltungen anreisen. Kommendes Jahr wird die Teilnehmerzahl laut Senatsverwaltung für Wirtschaft um gut 25 Prozent zurück gehen. Die oppositionellen Grünen im Abgeordnetenhaus machen die ungeklärte Zukunft des ICC mitverantwortlich dafür.

Für die Berliner Wirtschaft insgesamt ist das Geschäft mit Messen und Kongressen von extrem großer Bedeutung. Jeder Messebesucher lässt durch Hotelübernachtungen, Restauranbesuche und Taxifahrten Geld in der Stadt und sorgt für Arbeitsplätze, Umsätze in der lokalen Wirtschaft und nicht zuletzt für Steuereinnahmen in Berlin. Die Tourismuswerber von VisitBerlin schätzen, dass jeder Messebesucher im Durchschnitt 230 Euro in der Stadt lässt. Messebesucher tragen nicht unwesentlich zum Aufschwung der Touristenmetropole Berlin bei. Nach Berechnungen der Investitionsbank Berlin (IBB) trägt eine Großmesse wie die Internationale Funkausstellung (IFA) zum Beispiel 112 Millionen Euro zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Stadt bei.

Die Unternehmensgruppe Messe Berlin konnte in den vergangenen Jahren den Umsatz verdoppeln. Im Jahr 2011 lagen die Erlöse bei 180 Millionen Euro. In diesem Jahr erwartet die Messe Berlin 230 Millionen Euro Umsatz. Allerdings beruht diese Prognose noch auf der Annahme einer pünktlichen Eröffnung des neuen Flughafens BER. Da dieser nun frühestens im Oktober 2013 seinen Dienst aufnimmt, ist für das kommende Jahr auch deswegen nicht viel zu erwarten. Einen Schub fürs Messegeschäft erwartet das Unternehmen erst ab 2014. Dann soll auch das neue Veranstaltungszentrum City Cube auf dem Gelände der abgerissenen Deutschlandhalle fertig sein.

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