05.12.12

Prozess in Berlin

Anklägerin fordert lebenslang im Sado-Maso-Prozess

Michael S. soll seinen Partner getötet, zerstückelt und einzelen Leichenteile gekocht haben. Tatort: seine Wohnung in Berlin-Marienfelde.

Von Michael Mielke
Foto: dapd

Der Angeklagte Michael S. sagte vor Gericht nicht aus
Der Angeklagte Michael S. sagte vor Gericht nicht aus

Im Prozess um einen Todesfall beim Sado-Maso-Sex hat die Berliner Staatsanwaltschaft für den Angeklagten eine lebenslängliche Freiheitsstrafe gefordert. Die Anklägerin ging von einem Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebes aus.

Der 44-jährige Michael S. hatte zugegeben, den 37-jährigen Carsten Sr. am 5. Januar 2012 gegen 20 Uhr in seiner Wohnung an der Marienfelder Markgrafenstraße bei einvernehmlichem sadomasochistischem Sex quasi versehentlich getötet zu haben. Er habe den Bankangestellten aus dem Stadtteil Kreuzberg verabredungsgemäß mit Armen und Beinen an ein Bettgestell gefesselt und ihm Mund und Nase mit Paketband verklebt. Als er den Sexgespielen von der Fesselung wieder befreien wollte, habe Carsten Sr. jedoch plötzlich leblos dagelegen. Nach eigenen Angaben hatte der Angeklagte Carsten Sr. anschließend vergeblich zu reanimieren versucht. Er sprach von einem tragischen Unfall.

Für die Anklage spricht alles gegen einen Unfall

Die Staatsanwältin sagte in ihrem Plädoyer, der Angeklagte habe bei diesen Sexpraktiken den Tod von Carsten Sr. in Kauf genommen. Das verwendete Paketband sei sehr fest gewesen und in mehreren Lagen um den Kopf des Opfers gewickelt worden. Es habe gar keine reelle Chance bestanden, Carsten Sr. bei eventuellen Notsignalen wieder schnell genug zu befreien. Hernach habe der Angeklagte auch nicht, was bei einem Unfall naheliegend gewesen wäre, die Rettung gerufen. Stattdessen habe er die Leiche zerstückelt, einzelne Teile abgekocht, anschließend alles in Paketen verschnürt und in seiner Wohnung versteckt.

Gegen einen Unfall spreche auch, so die Staatsanwältin, dass der Angeklagte bei seiner Festnahme durch die Polizei davon gesprochen habe, dass er Carsten Sr. "umgebracht" habe. Zudem habe sich in seiner Wohnung ein Brief gefunden, in dem er einem ehemaligen Partner schrieb: "Das Schlimmste ist, ich habe einen Typen auf sein Verlangen hin ermordet. Wir hatten es schon lange geplant."

Die Verteidiger gingen in ihren Plädoyers von einer Körperverletzung mit Todesfolge in einem minder schweren Fall und einer fahrlässigen Tötung aus. Das Strafmaß ihres bislang noch nicht bestraften Mandanten solle sich "im bewährungsfähigen Bereich" bewegen. Sie betonten, dass es sich um einvernehmlichen und von beiden schon mehrfach gemeinsam praktizierten Sado-Maso-Sex gehandelt habe. Carsten Sr., der zuvor schon öfter von seiner Todessehnsucht gesprochen habe, habe am Tattag jedoch kein Zeichen gegeben, dass er zu ersticken drohe. Das Urteil wird am Freitag verkündet.

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