04.12.12

Kreuzberg/Mitte

Berliner Polizei nimmt Dealer in U-Bahnhöfen fest

Monatelang haben sie in aller Öffentlichkeit ihre Drogengeschäfte abgewickelt: Jetzt stellten die Einsatzkräfte die Männer.

Von Michael Behrendt
Foto: Steffen Pletl

U-Bahnhof Moritzplatz: Hier verkauften die Händler ihr Heroin
U-Bahnhof Moritzplatz: Hier verkauften die Händler ihr Heroin

Die Berliner Polizei hat einen empfindlichen Schlag gegen die organisierte Drogen-Mafia geführt: Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) sowie Angehörige einer Hundertschaft verhafteten am Dienstag insgesamt zehn Männer libanesischer Abstammung, die ihren illegalen Geschäften in den U-Bahnhöfen Heinrich-Heine-Straße und Moritzplatz nachgegangen waren.

Vorausgegangen waren monatelange Ermittlungen gegen die Beschuldigten im Alter zwischen 16 und 22 Jahren, an denen auch die Staatsanwaltschaft beteiligt war. Den Männern wird "fortgesetzter gewerbsmäßiger Handel mit Heroin" vorgeworfen. Bei der Aktion wurden Drogen und Bargeld beschlagnahmt.

Seit Monaten hatten sich Fahrgäste darüber beschwert, dass die Dealerbande in den U-Bahnhöfen Heinrich-Heine-Straße in Mitte und Moritzplatz in Kreuzberg mehr und mehr die Herrschaft dort übernahm und dreist ihre Geschäfte durchzog. Zunächst waren es drei bis vier Männer gewesen, später kamen weitere Komplizen dazu. "Fahrgäste wurde angepöbelt und auch bedroht", so eine Polizeibeamtin. "Es ging sogar so weit, dass die Beschuldigten regelrecht die Bänke in dem Bahnhof für sich beanspruchten und freikämpften. Mitarbeiter der BVG wurden bedroht, wenn sie die Drogenhändler darauf ansprachen."

Wegen der zunehmenden Bedrohung und Verunsicherung der Fahrgäste, die die Linie U8 nutzten, gründete sich schließlich eine Bürgerinitiative. Zudem gingen beim zuständigen Polizeiabschnitt, den Bezirksämtern von Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg und auch bei den Bezirksbürgermeistern Beschwerdebriefe ein. Das Landeskriminalamt wurde eingeschaltet. Um die Handlungen der Drogenbande zu dokumentieren, wurden auch Kameras eingesetzt. Denn die Beschuldigten hatten in der Vergangenheit sofort die kleinen Drogenkügelchen verschluckt, wenn sie Gefahr für sich witterten.

Aktion im Berufsverkehr der Hauptstadt

Am Dienstag um 6 Uhr schließlich schlug die Polizei zu: Acht Mitglieder der Bande waren am Moritzplatz in einen voll besetzten Zug der U8 gestiegen, am Heinrich-Heine-Platz bereits waren Absperrungen angebracht worden, die völlig überraschten Dealer wurden im Berufsverkehr verhaftet, die entsprechenden Beschlüsse waren im Vorfeld erwirkt worden. Zu Widerstandshandlungen kam es nicht. Nach Angaben der Berliner Polizei diente die Aktion weniger der Beschlagnahme von Beweismitteln als vielmehr der Vollstreckung der Haftbefehle. Dennoch wurden 19 szenetypische Kügelchen sichergestellt, hinzu kamen 1055 Euro Bargeld in "handelsüblicher Stückelung".

Die Beamten hatten zudem Durchsuchungsbeschlüsse für sechs Wohnungen. In einer der Wohnungen wurde am Nachmittag ein neunter Mann gestellt. Der zehnte im Bunde war den Ermittlern im Amtsgericht Tiergarten ins Netz gegangen, wo er einen Termin zu einem Berufungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz wahrgenommen hatte. Zwar gebe es laut Polizei weitere mutmaßliche Komplizen, diese würden allerdings nur Nebenrollen spielen.

Heroin-Verkauf zwischen Heinrich-Heine-Straße und Moritzplatz

Durch die intensive technische Aufklärung hat die Polizei bereits ein umfangreiches Bild über das Vorgehen der Bande erstellen können. Demnach war ihre "Kerngeschäftszeit" zwischen 4 und 12 Uhr. Danach verschwanden die Beschuldigten von den U-Bahnhöfen Heinrich-Heine-Straße und Moritzplatz. Potenzielle Kunden sprachen sie zunächst an, ließen sich Bargeld aushändigen und übergaben dann das in Kügelchen verpackte Heroin, das sie in der Mundhöhle verborgen hatten.

Nach bisherigen Erkenntnissen nahmen die mutmaßlichen Täter für die Heroinkügelchen Preise in Höhe von zehn, 15 und 20 Euro. Die Schätzungen des Landeskriminalamtes gehen dahin, dass die Dealerbande täglich etwa 800 Euro eingenommen hat. Letztlich, so ein Beamter, ist den Männern im Alter zwischen 16 und 22 Jahren ihre Dreistigkeit zum Verhängnis geworden. "Hätten sie ihre Geschäfte unauffällig erledigt und nicht ständig Passanten und BVG-Mitarbeiter belästigt und bedroht, so wäre dieser Ermittlungsdruck wahrscheinlich nicht so schnell entstanden." Bei diesem Verhalten allerdings rufe es die Polizei sehr schnell auf den Plan.

Die Behörde prüft nun unter anderem, ob die Verhafteten für weitere Taten in Betracht kommen. Die Ermittlungen gegen die zehn Männer und ihre Komplizen sowie die Auswertung der sichergestellten Beweismittel in den Wohnungen dauern an. Hinweise zu der kriminellen Vereinigung nimmt zudem jede Polizeidienststelle entgegen.

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