03.12.2012, 19:12

Prozessauftakt Angeklagter hält sich für den König von Kreuzberg


Schwieriger Prozess: Der Angeklagte Rick G. ist seit längerem in psychiatrischer Behandlung.

Foto: Wolfram Steinberg / picture-alliance/ dpa

Schwieriger Prozess: Der Angeklagte Rick G. ist seit längerem in psychiatrischer Behandlung. Foto: Wolfram Steinberg / picture-alliance/ dpa

Von Michael Mielke

Wegen Messerattacken stehen Mutter und Sohn in Berlin vor Gericht. Rick G. meint, er sei der König von Kreuzberg. Seine Mutter glaubt ihm.

Der Mann sitzt in der mit Panzerglas gesicherten Kabine im Saal 700 des Moabiter Kriminalgerichts auf der Anklagebank. Er sagt, er sei der König von Kreuzberg. Dem Berliner gegenüber sitzt seine Mutter, auch sie in einem mit Panzerglas geschützten Bereich für Angeklagte. Sie hat eine eindringliche Stimme. Sie kritisiert, sie sei zu Unrecht hier: "Mein Sohn ist der oberste Richter in dieser Stadt und damit auch oberste Gerichtsbarkeit."

Es geht in diesem Verfahren um einen Arzt, der mit einem Messer niedergestochen wurde, und um Mitarbeiterinnen eines Berliner Bezirksamtes, die mit einem Messer bedroht wurden.

Es ist kein üblicher Strafprozess. Es gibt von der Staatsanwaltschaft auch keinen Anklagesatz, sondern eine "Antragsschrift im Sicherungsverfahren". Und das Gericht muss prüfen, wie es mit Rick G. – der 36-Jährige leidet unter einer paranoiden Schizophrenie – und Christel G. – bei der 61-Jährigen liegen wahnhafte Störungen vor – weitergehen soll. Beide sind derzeit in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht.

Mutter und Sohn kommen aus der Stadt Zweibrücken/Rheinland-Pfalz. Sie ist von Beruf Schaugewerbegestalterin, er Immobilienmakler. Sie leben aber schon geraume Zeit in Berlin und in den letzten sechs Jahren als Obdachlose – behauptet zumindest Christel G. Zwischendurch, ist aus ihren etwas wirr klingenden Aussagen herauszuhören, waren sie aber immer wieder auch in psychiatrischen Kliniken oder in anderen Formen von geschlossenen Einrichtungen.

In den Hals gestochen

Dort gehören sie ganz offenbar auch hin. Das zeigt sich nicht zuletzt an dem Geschehen des 12. April 2012. Christel G. ging an diesem Tag gegen 12.30 Uhr in das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Abteilung Sozialangelegenheiten, und forderte Geld. Dabei blieb sie auch, als ihr eine Mitarbeiterin wiederholt zu erklären versuchte, dass diese Behörde für sie weder örtlich noch sachlich zuständig sei.

Christel G. drohte zunächst, Autos zu zerkratzen und Scheiben einzuschlagen. Als das nichts brachte, zog sie plötzlich ein Teppichmesser aus ihrer Kleidung, fuchtelte damit herum und forderte erneut die Auszahlung von Geld.

Die Beamtinnen riefen die Polizei. Christel G. wurde überwältigt und ins Wenckebach-Krankenhaus gebracht. Dort gelang es ihr, den Sohn anzurufen. Der hielt sich in einer Bibliothek in Zehlendorf auf. "Um mich dort aufzuwärmen", wie er vor Gericht sagt.

Er fuhr in die Klinik, traf dort kurz vor 17 Uhr ein. Als er im Aufnahmebereich einen Arzt sah, der mit Christel G. sprechen wollte, lief er zu ihm und versetzte ihm mit einem Messer einen heftigen, zehn Zentimeter tiefen Stich in die linke Halsseite. Der Arzt konnte gerettet werden.

Rick und Christel G. gehen noch heute davon aus, dass der mörderische Angriff völlig in Ordnung war. "Meine Mutter wurde rechtswidrig festgehalten, sie hat wie ich Diplomatenstatus", sagt Rick G. Und für die beteiligten Beamten, inklusive Richter, fordere er ohnehin "die Todesstrafe".

Das Verfahren wird fortgesetzt.

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