03.12.12

Mordvorwurf

Angeklagter gesteht, drei Mal geschossen zu haben

Ein Berliner soll im Mai einen Gastwirt heimtückisch auf der Straße getötet haben. Der Angeklagte spricht von einer Zwangssituation.

Von Michael Mielke
Foto: Steffen Pletl

Der Tatort: Reanimationsversuche der Rettungskräfte blieben nach den Schüssen im Mai 2012 erfolglos
Der Tatort: Reanimationsversuche der Rettungskräfte blieben nach den Schüssen im Mai 2012 erfolglos

Entweder Ömer Ku. kann gut schauspielern, oder die Erinnerung hat ihn tatsächlich noch einmal überwältig. Er schildert am Montag vor einem Moabiter Schwurgericht in Berlin verzweifelt und mit anschwellender Stimme eine Zwangssituation, aus der er am Ende keinen Ausweg mehr wusste – und die mit dem Tod eines Menschen endete.

Ömer Ku. ist angeklagt wegen Mordes. Dem 47-Jährigen wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, in den frühen Morgenstunden des 21. Mai 2012 an der Gottschalkstraße in Gesundbrunnen den Gastwirt Metin K. heimtückisch getötet zu haben. Das Opfer, heißt es im Anklagesatz, habe "die in der Hosentasche verborgene Waffe nicht sehen" können. Der Anklagte habe Metin K. zunächst in die Schulter und anschließend zwei Mal in den Hinterkopf geschossen. Begleitend mit den Worten: "Es tut mir leid, du hast mir keine Wahl gelassen"

Begonnen hatte der Zwist mit dem Gastwirt nach Beschreibungen des Angeklagten schon "vier bis fünf Jahre" zuvor. Ömer Ku. und ein Bekannter planten ein Geldgeschäft: 50.000 Euro sollten binnen weniger Tage eine Rendite von 10.000 Euro bringen. Dafür stellten beide jeweils 25.000 Euro zur Verfügung.

Der Geschäftspartner, erzählte Ömer Ku., sei nach Erhalt der 50.000 Euro jedoch spurlos verschwunden. Und der Bekannte wollte nun von Ömer Ku. die 25.000 Euro zurück, immerhin hatte dieser das Geschäft ja eingefädelt. Ömer Ku. sagte das auch zu, bat aber um Zeit.

Ömer Ku. war im Baugewerbe tätig

Der Bekannte schaute sich das eine Weile an und erschien eines Tages bei Ömer Ku. mit einem Mann, der die Verbindlichkeiten übernehmen würde: der Gastwirt Metin K. Der soll auch gleich zu Ömer Ku. gesagt haben: "Es ist mein Job, Geld einzutreiben. Du kennst mich nicht."

Hernach will Ömer Ku. an den Gläubiger mehrfach Teilsummen gezahlt haben. Auch mit Dienstleitungen habe er die Schulden getilgt – Ömer Ku. war im Baugewerbe tätig. Metin K. habe ihn dennoch weiter bedrängt, habe ihm sogar vor der Wohnung aufgelauert und angekündigt, "sich an meiner Frau zu vergreifen", so Ömer Ku.

Am 20. Mai soll es erneut einen Anruf von Metin K. gegeben haben. "Ich sagte ihm, dass doch alles bezahlt ist", erinnert sich Ömer Ku. Doch Metin K. habe das einfach überhört und gesagt, er wolle noch am selben Tag 16.000 Euro haben. "Und er hat wieder gedroht: Denk dran, ich weiß, wo du wohnst!"

Ömer Ku. will in seiner Not die Gottschalk- Ecke Wollankstraße als Treffpunkt angegeben haben. Gegen vier Uhr morgens. Hier hatte er dem Gläubiger vier Wochen zuvor schon einmal Geld übergeben. Am 20. Mai habe er gehofft, sagt er, dass Metin K. einen zweiten Mann mitbrächte. Diesem Begleiter habe er erklären wollen, dass die Schulden längst abgegolten seien. Doch Metin K. sei allein gekommen und habe sehr aggressiv gewirkt.

"Ich habe geschossen, ich wusste ja, dass er auch eine Waffe hat", sagt Ömer Ku. "Und als er am Boden lag, dachte ich, er steht jetzt gleich wieder auf, und habe noch zwei Mal abgedrückt. Aber ich habe beim Schießen nicht hingeschaut." Wenige Stunden später stellte er sich auf Anraten seiner Frau bei der Polizei.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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