03.12.12

Bildung

Weddinger Brennpunktschule ist begehrt bei Berlinern

Das Lessing-Gymnasium liegt im Brennpunkt-Kiez Wedding. Trotzdem hat die Zahl der Anmeldungen in den vergangenen Jahren stetig zugenommen.

Von Regina Köhler
Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Beliebt: Schülerinnen und Schüler des Lessing-Gymnasiums schätzen virtuellen Lernraum, aber auch die Theatergruppen oder die verschiedenen Sportangebote
Beliebt: Schülerinnen und Schüler des Lessing-Gymnasiums schätzen virtuellen Lernraum, aber auch die Theatergruppen oder die verschiedenen Sportangebote

Tugce fühlt sich wohl an ihrer Schule. Das elf Jahre alte Mädchen ist nach der vierten Klasse auf das Weddinger Lessing-Gymnasium gewechselt, allerdings erst einige Wochen nach Schuljahresbeginn. "Meine neuen Mitschüler haben mich trotzdem gleich so aufgenommen, als wäre ich von Anfang an dabei gewesen", sagt sie. Niemand habe sie schief angeschaut.

Yassin erzählt, dass er mit seinem Kumpel gern öfter Arabisch sprechen würde. "Das klappt aber nicht, weil wir aus unterschiedlichen Regionen stammen und verschiedene Dialekte haben", sagt er. Deutsch sei deshalb ihre gemeinsame Sprache. Auf seine Muttersprache ist der Elfjährige trotzdem stolz. Den meisten seiner Klassenkameraden geht es nicht anders. Auch sie sind mindestens zweisprachig. "Unsere Lehrer sagen, dass das etwas Besonderes ist", meint Yassin. Und Alexandra schwärmt vom virtuellen Lernraum des Lessing-Gymnasiums. "Dort können wir alles nachlesen, was wir über den Unterrichtsstoff, über Hausaufgaben und Termine wissen wollen." In der siebten Klasse gebe es für alle Schüler Informatikunterricht, sagt die Elfjährige.

Mitten im sozialen Brennpunkt

Tugce, Yassin und Alexandra besuchen die Klasse 6a des Lessing-Gymnasiums, eine Schnelllernerklasse. Was sie zu berichten haben, illustriert sehr gut, was ihre Schule ausmacht. Man kann es aber auch anders sagen. Schulleiter Michael Wüstenberg etwa beschreibt sein Gymnasium so: "An unserer Schule herrscht eine Atmosphäre von Respekt und Verantwortung füreinander." Dass die Kinder Türkisch, Arabisch oder Russisch sprechen können, werde als Bereicherung für die Schulgemeinschaft empfunden. Die Schüler würden deshalb ermutigt, ihre Muttersprache zu pflegen. Schließlich gehöre ein computergeschütztes Unterrichtskonzept zum Profil der Schule. Alle Klassenräume seien mit Whiteboards ausgestattet.

Das Lessing-Gymnasium ist begehrt – und damit ein Vorbild für andere Schulen. Die Zahl der Anmeldungen hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. "Dass wir mitten im sozialen Brennpunkt liegen und mehr als 70 Prozent der Schüler aus Migrantenfamilien stammen, spielt längst keine Rolle mehr", sagt Schulleiter Wüstenberg. Eltern sei wichtig, dass die Schule ein Förderangebot für besonders begabte Schüler habe, dass es viele Arbeitsgemeinschaften gebe und die Schule ganz auf den Einsatz neuer Medien ausgerichtet sei. "Mit diesem Konzept sind wir ein Anziehungspunkt weit über die Grenzen unseres Kiezes und sogar des Bezirkes hinaus", sagt Wüstenberg.

Arbeit mit Computern

Vom kommenden Schuljahr an wird es am Lessing-Gymnasium wieder zwei Schnelllernerklassen geben, die mit der fünften Jahrgangsstufe starten. Vor zwei Jahren musste die Schule auf Anweisung der Bildungsverwaltung dieses Angebot auf eine Klasse begrenzen. Die Schnelllernerklassen sind für Schüler gedacht, die rascher lernen als viele ihrer Mitschüler. Sie bieten etwas weniger Fachunterricht an, stattdessen aber vertiefende Kurse im Umfang von fünf Stunden pro Woche. Diese Klassen sind sehr gefragt, bisher gab es deutlich mehr Bewerber als Plätze. "Wir sind deshalb froh, dass die Verwaltung uns wieder zwei Schnelllernerklassen genehmigt hat", sagt Wüstenberg.

Neben der Begabtenförderung ist die Lessing-Schule darum bemüht, alle Schüler an die Arbeit mit Computern heranzuführen. Die Lehrer haben das gesamte Unterrichtskonzept auf die neuen Medien ausgerichtet. Fast die Hälfte ihrer Hausarbeiten erledigen die Schüler bereits online. Auch wenn sie wissen wollen, wann eine Klassenarbeit fällig ist, wann sie Arbeitsblätter benötigen oder spezielle Informationen zu einem Thema, loggen sie sich in den virtuellen Lernraum ihrer Schule ein. Die Lehrer des Lessing-Gymnasiums haben bereits mehr als 180 eigene Angebote auf diese Plattform gestellt. "Das ist unser Weg, den Unterricht moderner und interessanter zu machen und unsere Schüler auf das Studium vorzubereiten", sagt Schulleiter Wüstenberg.

Lehrer und Eltern arbeiten zusammen

Doch in der Schule an der Weddinger Schöningstraße geht es nicht nur um moderne Medien. Hier wird auch Theater gespielt, musiziert, gemalt und im Chor gesungen. Es gibt verschiedene Sportarbeitsgemeinschaften und Angebote für Schüler, die sich für Naturwissenschaft oder Philosophie interessieren. "Wir wollen uns nicht nur in einer Richtung festlegen", sagt Wüstenberg. Im kommenden Schuljahr wird es am Lessing-Gymnasium auch ein Ganztagsangebot geben. "Wir haben uns für den offenen Ganztag entschieden", sagt der Schulleiter. Wer wolle, könne nachmittags in der Schule bleiben und verschiedene Freizeitangebote wahrnehmen. Zwei Sozialarbeiter sollen sich nachmittags um die Schüler kümmern. Auch ein warmes Mittagessen wird es geben. Die Mensa wird gerade gebaut.

Auf die Frage nach dem Geheimnis seines Erfolgs muss Schulleiter Michael Wüstenberg nicht lange überlegen. "Bei uns arbeiten Lehrer und Eltern eng zusammen. Wenn wir uns etwas vornehmen, setzen wir uns gemeinsam in Bewegung." Für die Schüler sei klar: Wer am Lessing-Gymnasium ist, hat es geschafft.

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