02.12.12

Gewaltattacken

Erneut Schlägereien am Alexanderplatz trotz mehr Polizei

Ein Mann leistete Widerstand und wurde festgenommen. Die Polizei hat ihre Präsenz an dem Kriminalitätsbrennpunkt stark erhöht.

Foto: dpa

Der Alexanderplatz gilt als Kriminalitätsbrennpunkt - Als Vorkehrungsmaßnahme hat die Polizei ihre Präsenz erhöht
Der Alexanderplatz gilt als Kriminalitätsbrennpunkt - Als Vorkehrungsmaßnahme hat die Polizei ihre Präsenz erhöht

Ungeachtet einer demonstrativ erhöhten Polizeipräsenz am Alexanderplatz hat es auch am Wochenende dort wieder gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, prügelte am frühen Sonntagmorgen gegen 1.45 Uhr an einem Eingang zum Bahnhofsgebäude aus bislang unbekannten Gründen ein 21-Jähriger auf einen ein Jahr jüngeren Mann ein.

Der Angreifer versetzte dem 20-Jährigen zunächst mehrere massive Fausthiebe ins Gesicht und an den Kopf. Als der Jüngere daraufhin zu Boden ging, trat ihm der 21-Jährige noch mehrfach in den Bauch, bevor er flüchtete. Von Zeugen alarmierte Beamte einer Hundertschaft, die als Gruppenstreife im Bereich des Alexanderplatzes unterwegs waren, konnten den Schläger allerdings nach kurzer Verfolgung stellen und festnehmen. Nach einer Blutentnahme und erkennungsdienstlichen Behandlung wurde der Mann wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Opfer ließ Prellungen und eine Platzwunde am Kinn vor Ort ambulant behandeln, lehnte einen Transport in ein Krankenhaus jedoch ab.

Festnahme nach weiterer Schlägerei

Etwa zur gleichen Zeit gingen nur wenige Meter entfernt in der Ladenpassage des Bahnhofes zwei weitere Männer aufeinander los, die eigentlich beide auf dem Heimweg waren. Auch in diesem Fall ist der Auslöser der Auseinandersetzung bislang unklar. Polizeibeamten gelang es mit Mühe, die beiden 23 und 27 Jahre alten Kontrahenten zu trennen. Während der ältere nach Feststellung seiner Personalien seinen Heimweg fortsetzen konnte, wurde der 23-Jährige festgenommen, da er sowohl bei seiner Vernehmung als auch bei der Feststellung seiner Personalien Widerstand geleistet hatte. Unter anderem weigerte der Mann sich strikt, sich auszuweisen oder gegenüber den Beamten Angaben zu seinen Personalien zu machen. Der 27-Jährige wurde zur erkennungsdienstlichen Behandlung und einer Blutentnahme auf die Dienststelle gebracht. Beide Schläger kamen bei ihrer gewaltsamen Auseinandersetzung mit leichten Blessuren davon.

Seit Freitag hat die Polizei ihre Präsenz am Alexanderplatz sichtbar erhöht. Neben Gruppenstreifen, die vor allem in der Nacht unterwegs sind, wurde auf dem Platz eine mobile Wache eingerichtet, die mit einer kurzen Unterbrechung rund um die Uhr besetzt ist. Diese Vorkehrung ist vor allem eine Reaktion auf den brutalen Angriff einer sechsköpfigen Gruppe Mitte Oktober auf den Deutsch-Thailänder Jonny K., der einen Tag nach dem Übergriff im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlag. Der Alexanderplatz gilt seit Jahren als wesentlicher Kriminalitätsbrennpunkt. Schlägereien, Taschendiebstähle und Betrügereien durch Hütchenspieler sind nahezu alltäglich. Die Polizei kündigte an, Straftaten ab sofort konsequent zu bekämpfen.

Eine Nacht in Berlin - Schlägereien und Diebstähle

Berlin hat ein von Gewaltexzessen geprägtes Wochenende hinter sich. Der brutale Überfall auf einen 20-jährigen Vietnamesen nahe des Alexanderplatzes in Mitte war nur der Höhepunkt einer ganzen Serie von Gewalttaten, die bereits am Sonnabendmittag begann. Die Chronologie ist die Fortsetzung ähnlicher Vorfälle in den vergangenen Tagen.

Gesundbrunnen, Sonnabend, 12 Uhr:

In einer Parkanlage an der Wiesenstraße attackieren drei bislang unbekannte Männer einen gehbehinderten 37-Jährigen. Zunächst beschimpfen und beleidigen sie ihr Opfer als "Krüppel". Als der 37 Jahre alte Mann sich das verbittet, greifen sie ihn an. Das Opfer versucht noch, Gegenwehr zu leisten, hat gegen die drei Angreifer jedoch keine Chance, zumal einer der Täter plötzlich eine Schusswaffe zieht. Angesichts dieser Bedrohung übergibt der Behinderte den Männern seine Brieftasche. Die drei Täter flüchten mit ihrer Beute.

Tempelhof, Sonnabend, 15 Uhr:

Unter dem Vorwand, ein Päckchen abgeben zu wollen, klingelt ein Unbekannter an der Wohnungstür einer 92-Jährigen an der Wilhelm-Hauff-Straße. Als die allein lebende Seniorin die Tür öffnet, wird sie von dem Mann sofort in die Wohnung zurückgedrängt, zu Boden gestoßen und gefesselt. Anschließend macht sich der Täter in aller Ruhe auf die Suche nach Wertsachen. Mit Bargeld und Schmuck flüchtet der Ungekannte. Das Opfer erleidet Gesichtsverletzungen und muss ärztlich behandelt werden.

Prenzlauer Berg, Sonnabend, 22.30 Uhr:

In der Nähe einer Grünanlage an der Diedenhofer Straße umstellt eine Gruppe von fünf bis sechs Personen einen 16-jährigen Berlin-Besucher. Als der Jugendliche der Aufforderung, Geld und Wertsachen herauszugeben, nicht schnell genug nachkommt, schlagen die Angreifer brutal auf ihn ein. Auch als er bereits am Boden liegt, treten die Täter noch mehrfach auf ihn ein. Die Angreifer flüchten schließlich ohne Beute, ihr Opfer wird mit Verletzungen im Gesicht und am Oberkörper in ein Krankenhaus gebracht.

Prenzlauer Berg, Sonnabend, 22.40 Uhr:

Unmittelbar nach dem Übergriff auf den 16-Jährigen wird in der Nähe des Tatortes ein weiterer gleichaltriger Jugendlicher von zwei Männern angesprochen und aufgefordert, ihnen zehn Euro auszuhändigen. Als sich der Jugendliche weigert, wird er zu Boden geschlagen und mit Fußtritten malträtiert. Die Angreifer ergreifen schließlich ohne Beute die Flucht, als das Opfer lautstark um Hilfe ruft. Nur wenig später entdecken zwei zwischenzeitlich alarmierte Polizeibeamte in der Nähe zwei Jugendliche, als diese gerade dabei sind, ihre Kleidung zu wechseln, um unerkannt zu entkommen. Die jungen Männer werden unter dringendem Tatverdacht festgenommen.

Friedenau, Sonntag, 0.20 Uhr:

In der U-Bahnstation Friedrich-Wilhelm-Platz randalieren zwei 18 und 20 Jahre alte Männer und greifen BVG-Bedienstete an. Der 18-Jährige pöbelt auf dem Bahnsteig zunächst mehrere Fahrgäste an und schlägt immer wieder gegen die Fenster eines Zuges. Als der Zugführer den Ordnungsdienst der BVG alarmiert, geht der 18-Jährige sofort auf einen der Wachmänner los, versetzt ihm Faustschläge ins Gesicht und stößt dem Mann mit dem Knie mehrfach in den Unterleib. Trotzdem gelingt es dem Wachmann, den Angreifer zu überwältigen. Als dessen 20-jähriger Begleiter diesem zu Hilfe kommen will, wird er von einem weiteren BVG-Mitarbeiter überwältigt und bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten. Bei der Festnahme wehren sich die jungen Männer heftig. Da der 18-Jährige möglicherweise unter Drogeneinfluss stand, kam er zur Beobachtung in ein Krankenhaus.

Friedenau, Sonntag, 1 Uhr:

Auf der Horst-Kohl-Straße in Friedenau begleiten Polizisten eine laut grölende Gruppe von 20 bis 25 Personen, die von einer Party kommen. Plötzlich löst sich ein betrunkener 22-Jähriger aus der Gruppe. Der junge Mann schleudert einen mit Bier gefüllten Becher auf ein Einsatzfahrzeug. Als die Beamten seine Personalien aufnehmen wollen, wehrt sich der Mann heftig, wird aber schließlich von den Polizisten niedergerungen. Daraufhin kommen dem Betrunkenen acht bis zehn weitere Personen aus der Gruppe zu Hilfe. Nur dank des Eintreffens zusätzlicher Polizisten bekommen die Beamten die Lage schließlich unter Kontrolle. 13 Angreifer werden vorläufig festgenommen, zwei Beamte bei der Aktion leicht verletzt.

Mariendorf, Sonntag, 2 Uhr:

Passanten am Mariendorfer Damm rufen die Polizei, weil zwei junge Männer im Alter von 17 und 20 Jahren von einer Gruppe betrunkener Personen äußerst brutal attackiert und verletzt werden. Bei der Personalienfeststellung entdecken die Polizisten auch den 22-Jährigen, der eine Stunde zuvor in Friedenau randaliert und zwei Kollegen verletzt hat. Der Tatverdächtige ist in einen Bus der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) eingestiegen und weigert sich, diesen zu verlassen. Die Beamten müssen ihn schließlich aus dem Bus hinausziehen, dabei leistet der 22-Jährige heftige Gegenwehr. Ein 18-Jähriger kommt ihm zu Hilfe und wird ebenfalls festgenommen. Bei der Aktion wird ein Polizeibeamter verletzt.

Quelle: hhn
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