01.12.12

Vollversammlung

Studenten verwandeln sich in Weihnachtsmänner und Engel

Die Helfer des Studentenwerks bereiten sich auf Heiligabend vor, der minutengenau geplant sein will. Ungefähr 5000 Aufträge sind eingegangen.

Von Andreas Gandzior
Quelle: Reuters
01.12.12 1:33 min.
In Berlin haben sich die Weihnachtsmänner zur Vollversammlung getroffen. Etwa 150 Rotmäntel, die in den nächsten Wochen wieder Kinder und Eltern glücklich machen wollen, waren zusammengekommen.

Es ist eine schöne Tradition: Mit der Vollversammlung der Weihnachtsmänner und Engel hat am Sonnabend die Hochsaison für die irdischen Helfer begonnen. Rund 200 Studentinnen und Studenten stimmten sich in ihrer "Dienstkleidung" auf die Einsätze in der Adventszeit und an Heiligabend ein. In voller Montur bekamen sie einen Tag vor dem ersten Advent in der Mensa Nord des Studentenwerks Hinweise und Verhaltensregeln für ihre Auftritte als Weihnachtsmann und Christkind mit auf den Weg. Ungefähr 500 Studentinnen und Studenten werden in den etwas mehr als drei Wochen in Sachen Weihnachten unterwegs sein.

"Heiligabend ist der schönste Arbeitstag überhaupt", sagt Engel Rachel Sidiropoulou. "Es ist unbeschreiblich schön, die große Freude der Kinder zu erleben." Die junge Griechin studiert Bauingenieurwesen an der Technischen Universität. Sie ist in diesem Jahr zum dritten Mal als Engel tätig. "Im vergangenen Jahr war ich von mittags bis 22 Uhr bei ungefähr zwölf Familien", sagt sie. "Einen Tag später bin ich in meine Heimat Griechenland geflogen und habe Weihnachten bei meinen Eltern verbracht." In diesem Jahr wollen die Eltern nach Feierabend auf sie in Berlin warten. Die junge Frau berichtet auch von den skeptischen Blicken älterer Kinder, deren Glaube an Weihnachtsmann und Christkind schon nicht mehr so ausgeprägt ist. "Die sagen aber nichts, um ihren jüngeren Geschwistern nicht die Freude zu verderben." Freude verbreitet sie in ihrer weißen Kleidung mit den Flügeln auf dem Rücken auch bei Firmenweihnachtsfeiern oder in Einkaufspassagen. "Vor zwei Jahren war ich mit meinem Weihnachtsmann an Heiligabend voll kostümiert mit der BVG unterwegs", erzählt sie. Da habe sie viele nette Kommentare bekommen.

Minutengenaue Planung der Tour zu den Familien

Von einem Fernsehauftritt berichtet Kristina Babizkaja. "Da mussten wir während einer Fernsehtalkshow als Engel im Publikum sitzen." Sie freut sich auf die Arbeit am 24. Dezember und darauf, vielen Menschen eine Freude zu bereiten. "Ich bin christlich-orthodox erzogen. Meine Familie und ich feiern Weihnachten erst am 7. Januar", sagt die Jurastudentin.

"Eine knappe Woche vor Heiligabend bekommen wir die Namen und Adressen der Familien", sagt eine junge Frau, die sich als Engel nur noch "Sternchen" nennt. "Dann beginnt die Arbeit." Die Tour wird minutengenau geplant, Vorgespräche am Telefon mit den Eltern geführt. Bei ungefähr 20 bis 25 Minuten pro Auftritt muss alles klappen. "Ich spreche die Lieder ab, frage, wo die Geschenke versteckt sind und ob es besondere Vorkommnisse gab, die Heiligabend angesprochen werden sollen", sagt Sternchen. Mal seien die Geschenke auf dem Dachboden versteckt, mal im Keller, hin und wieder auch bei den Nachbarn. Auch an so irdische Dinge wie Taschenlampe, Feuerzeug, Wunderkerzen, Stullen und Getränke denkt ein guter Engel. Der Horror sei plötzlicher, starker Schneefall. "Vor zwei Jahren hat sich dadurch die ganze Tour verschoben", sagt sie. "Die letzte Familie musste eine knappe Stunde warten. Wir sind nicht schnell genug durchgekommen." Sternchen ist wie in den Jahren zuvor im Süden der Stadt sowie in Mahlow und Teltow unterwegs. "Für einen reibungslosen Ablauf bitten wir die besuchte Familie, die nächste anzurufen und zu sagen, dass wir auf dem Weg zu ihnen sind. Dann kann diese Familie schon die Bescherung vorbereiten."

5000 Auftritte als Weihnachtsmann und Engel an Heiligabend

Ungefähr 5000 Aufträge gibt es insgesamt am 24. Dezember zu erledigen. Damit hat jeder der rund 500 Darsteller zehn bis zwölf Auftritte zu absolvieren. Ungefähr 375 Weihnachtsmänner und 125 Engel werden in diesem Jahr unterwegs sein. "Bis zum heutigen Tag sind bereits 3000 Buchungen bei uns eingegangen", sagt Projektleiter Bernd Skischally vom Studentenwerk. "Die Erfahrung aus den vergangenen Jahren zeigt uns aber, dass wir mit mindestens weiteren 2000 Aufträgen rechnen können." Die meisten Familien würden ihren Weihnachtsmann für die Zeit zwischen 15 und 21 Uhr buchen. Der Preis für den Besuch des heiligen Mannes ist gestaffelt, los geht es bei 36 Euro.

In der Adventszeit besuchen die Weihnachtsmänner und Engel auch Firmen, Altersheime und Kindergärten. Die Nachfrage nach Weihnachtsmännern sei in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. Die Zahl der gebuchten Engel hingegen bleibe konstant. Das stellt das Studentenwerk vor ein Personalproblem. "Die Zahl der nachgefragten Weihnachtsmänner steigt, es bewerben sich aber immer weniger Männer um den Job", sagt Jürgen Morgenstern, Pressesprecher des Studentenwerks. "Dafür bewerben sich immer mehr Frauen, um als Engel aufzutreten."

Unverhofftes Wiedersehen unterm Tannenbaum

Marian Hensky ist seit Jahren als Weihnachtsmann unterwegs. "Als Jurastudent habe ich angefangen, jetzt stehe ich kurz vor dem zweiten Staatsexamen", sagt er. "Ich könnte mir auch vorstellen, im kommenden Jahr als Volljurist noch diesen Job zu machen." Diese Arbeit mache er nicht nur für das Geld. Auch wenn er damit in einem Jahr seinen Skiurlaub finanzieren konnte. Der Saisonjob bereite ihm vielmehr Riesenfreude – auch, weil er so manche Überraschung mit sich bringt. "Einmal habe ich eine Bekannte aus der Tanzschule wieder getroffen", erzählt er. "Wir hatten uns jahrelang nicht gesehen. Da habe ich für ihre Familie den Weihnachtsmann gespielt." Die Weihnachtsmänner des Studentenwerks bringen aber nicht nur Geschenke, sie werden auch beschenkt. Mal gibt es selbst gebackene Plätzchen, mal eine Flasche Wein und fast immer von den Kindern selbst gemalte Bilder. Ein Student berichtet, dass Eltern den Auftritt des Weihnachtsmannes auch als pädagogisches Mittel nutzen. "Mit dem Tausch Geschenke gegen Schnuller wollen einige Eltern ihren Kindern den Abschied vom Nuckel leichter machen", sagt der Student. "Bei der Verabschiedung an der Wohnungstür gebe ich den Eltern den Nuckel dann heimlich wieder zurück."

Die meisten der Darsteller sind Studenten, das ist aber kein Muss für den Job. "Die Voraussetzungen sind sehr gute deutsche Sprachkenntnisse und dass sie mindestens zwei Weihnachtslieder und Weihnachtsgedichte auswendig vortragen können", sagt Skischally. Neben der Bezahlung sei der Spaß am Job der Hauptgrund, sich beim Studentenwerk zu bewerben. "Wenn die Kinder mich sehen, glauben sie an mich", sagt Andrej Konzera. "Das ist ein schönes Gefühl."

Wer noch einen Weihnachtsmann und einen Engel bestellen möchte, kann das bis zum 6. Dezember machen. Infos und Buchungen unter www.berliner-weihnachtsmann.de

Der interaktive Adventskalender von Morgenpost Online

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