01.12.12

Sicherheitsdebatte

BVG lehnt Alkoholverbot in Bussen und Bahnen ab

Nach Gewaltattacken in der U-Bahn sind Forderungen nach einem Alkoholverbot laut geworden. BVG-Chefin Nikutta hält dies für überzogen.

Von Thomas Fülling und Gilbert Schomaker
Foto: dpa

BVG-Chefin Nikutta fordert mehr Respekt im Nahverkehr
BVG-Chefin Nikutta fordert mehr Respekt im Nahverkehr

Die Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta, hat sich dagegen ausgesprochen, das Alkoholverbot in Bussen und Bahnen konsequent durchzusetzen und den Verkauf alkoholischer Getränke in den Bahnhöfen zu unterbinden. Anders als inzwischen das Rauchen sei Alkoholtrinken in Restaurants und öffentlichen Gebäuden, aber auch in Bussen und Bahnen nicht geächtet. "Diesen gesellschaftlichen Wandel hinzubekommen, das schafft die BVG nicht allein", sagte die BVG-Chefin.

Zu einem Verkaufsverbot für Alkoholika sagte Nikutta, Verkaufsstände in den Bahn höfen bräuchten "ein Sortiment, von dem sie leben können". Ihre Existenz belebe die Bahnhöfe. Sie seien ein "Element der subjektiven Sicherheit". Bei den Gewaltvorfällen der jüngeren Vergangenheit hätten sich die Täter nicht in der U-Bahn betrunken, sondern seien schon betrunken in den U-Bahnhof gekommen. Nikutta zufolge ist das Grundproblem der Sicherheit in der BVG eine Frage des respektvollen Umgangs miteinander. "Das ist aber kein Thema der BVG allein. Und dazu gehört genauso der ,Coffee to go' des Schlipsträgers wie die Bierflasche desjenigen, der eine Jeanshose trägt", sagte die BVG-Chefin.

BVG-Chefin: "Gewalttaten im Promillebereich"

Nikutta warnte davor, das Problem der Gewalt in Bussen und Bahnen zu überschätzen. Die Zahlen der Polizei belegten, dass "bei uns eigentlich nicht viel passiert". Dass so viel über Überfälle und Prügeleien vor allem in U-Bahnhöfen berichtet und diskutiert wird, liegt nach Ansicht der Managerin an der "Macht der Bilder" aus den Überwachungskameras, die über die Medien verbreitet werden. "Verglichen mit den täglichen Fahrgastzahlen liegt die Zahl der Gewalttaten im Promillebereich", sagte die BVG-Vorstandsvorsitzende. Der Notruf auf U-Bahnhöfen werde zwar 55.000 Mal pro Jahr betätigt. In 95 Prozent dieser Fälle handle es sich aber um Fehlalarm.

Das Problem sei eher das subjektive Sicherheitsempfinden, sagte Nikutta. Die Polizeipräsenz im öffentlichen Nahverkehr habe sich jedoch in den vergangenen eineinhalb Jahren deutlich erhöht, auch sei wieder mehr BVG-Personal auf den Bahnhöfen präsent. Ein Sicherheitsgefühl sei in den vielen sehr weitläufigen Bahnhöfen aber auch mit mehr Personal kaum herzustellen. "Da müssten sie an jeder Ecke einen Mitarbeiter stehen haben, damit das Gefühl völliger Sicherheit entsteht", gab Nikutta zu bedenken.

Polizei unterstützt Leitstelle

In der BVG-Leitstelle gibt es jetzt einen Polizeiarbeitsplatz, der rund um die Uhr besetzt ist. Der Polizist hilft den BVG-Mitarbeitern dabei, Problemlagen einzuschätzen, und ruft gegebenenfalls direkt seine Kollegen. Neuralgische Orte werden dauerhaft per Video beobachtet. Die Mitarbeiter in der Leitstelle könnten dann notfalls per Lautsprecherdurchsage eingreifen oder die nötigen Sicherheitskräfte anfordern, sagte Nikutta. Einzelne Bahnhöfe würden schon jetzt durchgehend mit Personal besetzt. Diese wechselten jedoch, je nachdem, wo mehr kritische Ereignisse registriert würden.

Nikutta geht davon aus, dass die vom Innensenator zugesagten 200 zusätzlichen Polizisten nach ihrer Ausbildung auch bei der BVG zum Einsatz kommen. "Das ist Basis für all unsere Planungen."

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