29.11.2012, 21:40

Kriminalität Berlin geht stärker gegen jugendliche Intensivtäter vor

Do, 29.11.2012, 17.22 Uhr

Nach der tödlichen Gewaltorgie vom Alexanderplatz hat Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) Defizite beim Kampf gegen Jugendkriminalität benannt und Verbesserungen angekündigt.

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Von Christina Brüning

Laut einer Studie beträgt die Rückfallquote nach einer Verurteilung 50 Prozent. Berlins Justizsenator legt nun ein neues Konzept vor.

Berlins Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) will Jugendkriminalität besser bekämpfen. Vor allem jugendliche Intensivtäter stehen im Mittelpunkt des ersten Maßnahmenpakets, das er am Donnerstag vorgestellt hat. Dazu zählen die Beschleunigung von Jugendstrafverfahren, die Verbesserung von Jugendarrest und -strafvollzug, der Ausbau der Opferberatung sowie eine bessere Bewertung der Maßnahmen. Das Ziel: schneller die passende Methode finden, um kriminelle Karrieren bei Jugendlichen zu verhindern.

"Wir beschäftigen uns seit Jahren in Berlin mit dem Thema jugendlicher Intensivtäter, müssen die Maßnahmen aber weiter intensivieren", sagte Heilmann und verwies auch auf den Fall des Jonny K., der vor wenigen Wochen am Alexanderplatz zu Tode geprügelt wurde. Auch der mutmaßliche Haupttäter sei bereits zuvor straffällig gewesen, wenn auch nicht als Mehrfach- oder Intensivtäter. "Die Maßnahmen, die bei ihm ergriffen wurden, haben ganz offensichtlich keinen Erfolg gehabt." Der Justizsenator will nun besser erforschen, welche Maßnahmen der Justiz bei welchen Tätern wirken.

Dafür soll ab Juli 2013 in Kooperation mit der Innen- und Jugendverwaltung eine Arbeitsstelle Jugendgewaltprävention eingerichtet werden. Dort sollen Daten über die Wirksamkeit von Maßnahmen erhoben und bewertet werden, Qualitätsstandards etwa für Anti-Gewalt-Trainings festgelegt und das Gesamtkonzept gegen Jugendgewalt koordiniert werden. 1,5 Millionen Euro stehen für die Arbeitsstelle in den kommenden fünf Jahren zur Verfügung. "Die Justiz wird das Problem auch nicht alleine lösen können, da ist die gesamte Gesellschaft gefragt."

Intensivtäter sind drei bis fünf Prozent aller tatverdächtigen Jugendlichen

Laut Kriminalstatistik sank 2011 die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren um 8,5 Prozent auf rund 26.400. Die größte Gruppe der jugendlichen Straftäter begehe leichte Delikte wie Ladendiebstahl und werde nicht öfter als drei Mal straffällig, sagte Heilmann. Intensivtäter sind demnach drei bis fünf Prozent aller tatverdächtigen Jugendlichen.

"Etwa 800 Tatverdächtige werden als Intensivtäter eingestuft." Sie seien jedoch für gut die Hälfte aller bekannt gewordenen Straftaten von Jugendlichen verantwortlich. Innerhalb der Intensivtäter gebe es eine Gruppe, die bisher kaum für Maßnahmen erreichbar sei. Dazu zählten sozial verwahrloste Jugendliche, die auf der Straße groß würden und oft als Kinder Opfer von Gewalt geworden seien, psychisch Kranke sowie Kinder aus Familienclans, die sich jeder staatlichen Intervention verweigerten.

Laut einer Studie von 2007 beträgt die Rückfallquote bei jugendlichen Intensivtätern nach einer Verurteilung 50 Prozent. "Diese beängstigende Quote dürfen wir nicht hinnehmen", sagte Heilmann. Um die Resozialisierung zu verbessern, will er beim "Übergangsmanagement" ansetzen, bei der Organisation der Entlassung aus dem Strafvollzug oder dem Jugendarrest. "Wenn ein Jugendlicher aus dem Strafvollzug entlassen wird, muss sofort klar sein, wo er wohnen kann und wie es mit einer Ausbildungs- oder Arbeitsstelle weitergeht", sagte Thorsten Luxa, Leiter der Jugendstrafanstalt.

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