29.11.12

Verkehrssicherheit

Fast jeder zweite Berliner Radfahrer ohne Licht unterwegs

In der dunklen Jahreszeit ist eine richtige Beleuchtung lebenswichtig. Denn die Zahl der Unfälle in Berlin steigt wieder.

Von A. Gandzior und U. Reinhard
Foto: picture alliance / dpa

Ohne eigene Beleuchtung und Reflektoren an den Speichen sind Radfahrer für Autofahrer oft zu spät zu sehen
Ohne eigene Beleuchtung und Reflektoren an den Speichen sind Radfahrer für Autofahrer oft zu spät zu sehen

Ein 53 Jahre alter Mann wird auf seinem Rad von einem Polizeifahrzeug angefahren und mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Ein 64-jähriger Radfahrer stirbt nach einem Unfall. Ein 38-Jähriger wird von seinem Fahrrad geschleudert und verletzt sich schwer am Kopf. Der Autofahrer, der ihn umgefahren hat, begeht Fahrerflucht. Die oben aufgeführten Unfälle sind nur drei aus jüngster Zeit. Nahezu täglich verunglücken Fahrradfahrer im Straßenverkehr schwer. Und die Zahl der Fahrradunfälle steigt.

In der ersten Hälfte dieses Jahres gab es 3372 Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren. Im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres waren es 3336. Schon 14 Radfahrer kamen in diesem Jahr in Berlin bereits ums Leben, 2011 waren es zum gleichen Zeitpunkt nur zehn.

Gefahr in der dunklen Jahreszeit

Experten sind sich darüber einig, dass eine Vielzahl an Unfällen mit der richtigen Beleuchtung am Fahrrad verhindert werden könnte. Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) schätzt, dass knapp 40 Prozent der Radfahrer bei Dunkelheit mit mangelhafter oder gänzlich ohne Beleuchtung unterwegs sind.

"Autofahrer und auch Fußgänger erkennen Radfahrer mit ihrer schmalen, unauffälligen Silhouette häufig erst spät", sagt Thomas Back vom Sachbereich Verkehrssicherheit und Verkehrsunfallprävention der Berliner Polizei. Umgekehrt könne ein auf der Straße zusammengekehrter Laubhafen oder ein abgebrochener Ast bereits dazu führen, dass man ausrutscht – ganz abgesehen von überfrierender Nässe, Schnee und Eisglätte. "In den Wintermonaten ist das Prinzip sehen und gesehen werden von größter Bedeutung."

Dabei schreibt die Straßen-Verkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) eine funktionierende Lichtanlage an einem Fahrrad vor. "Wer ohne vorschriftsmäßige Beleuchtung unterwegs ist, riskiert nicht nur ein Bußgeld", sagt ADFC-Sprecherin Bettina Cibulski. "Er begibt sich auch in Gefahr, dass er im Dunkeln im Straßenverkehr übersehen wird."

Dynamo, Speichenrückstrahler und Reflektoren müssen dran sein

Zur vorgeschriebenen Beleuchtung gehören mindestens je zwei gelbe Speichenrückstrahler für Vorder- und Hinterrad oder weiße retroreflektierende Streifen an den Rädern. Eine fest installierte elektrische Beleuchtung, die mit einem Dynamo verbunden ist und die nach vorn weißes und nach hinten rotes Licht abstrahlt. In den Beleuchtungskörpern können die zusätzlich erforderlichen Reflektoren integriert werden. Weiterhin werden ein nach vorn gerichteter weißer und ein nach hinten gerichteter roter Reflektor gefordert. Diese können, wie beschrieben, mit der elektrischen Beleuchtung kombiniert werden.

Zusätzlich gefordert wird ein großflächiger roter Z-Rückstrahler und die Pedale müssen nach vorn und hinten mit gelben Reflektoren versehen sein. "Die Beleuchtung muss von einem Dynamo betrieben werden, der auch im Stillstand noch vorne und hinten vier Minuten Licht spendet", sagt Cibulski. "Nur an Rennrädern mit einem Gewicht von bis zu elf Kilogramm kann die Lichtmaschine durch Batterien ersetzt werden. Scheinwerfer und Schlussleuchte müssen nicht fest montiert sein, sind aber mitzuführen."

Die ADFC-Sprecherin empfiehlt als zusätzliche Sicherheit Kleidung in hellen Farben und reflektierenden Nähten zu tragen. Auch Reflektoren am Helm sowie batteriebetriebene Leuchten an Jacke und Hose sorgen dafür, dass Radfahrer besser gesehen werden.

"Lichter an der Kleidung sind gestattet", sagt Cibulski. "Sie dürfen aber nicht als Ersatz für eine fehlende Beleuchtung am Fahrrad genutzt werden." Auch die Polizei empfiehlt helle Stoffe, die das Licht von Autoscheinwerfern reflektieren. "Vor allem an den Knien und Oberschenkeln sollten Radler helle Kleidung tragen", sagt Back. "Das ist ungefähr auf der Höhe von Autoscheinwerfern und wird am besten reflektiert."

Bußgeld von mindestens zehn Euro droht

Für fehlende oder eine nicht funktionierende Beleuchtung gibt es einen "Bußgeldkatalog". Fehlt die Beleuchtung oder ist sie nicht betriebsbereit, kostet das zehn Euro. Kommt es zu einer Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer, werden 20 Euro fällig, kommt es zu einem Unfall, kostet das 25 Euro. Fehlen die Reflektoren oder sind sie nicht betriebsbereit, kostet das zehn Euro Bußgeld. "Radfahrer, die ohne Licht in einen Unfall verwickelt werden, müssen mit Abzügen beim Schmerzensgeld rechnen oder sich grobes Alleinverschulden vorwerfen lassen", sagt Cibulski. "Das wird deutlich teurer, als eine gute Lichtanlage am Fahrrad zu installieren."

In den Wintermonaten sind Streifenbeamte aufgefordert, sowohl bei Auto- als auch bei Radfahrern verstärkt auf das Funktionieren der Lampen und Scheinwerfer zu achten. Schwerpunktkontrollen solle es allerdings nicht geben. Auch für Fahrradfahrer gilt die Sorgfaltspflicht. Sie müssen dafür sorgen, dass ihr Licht stets einsatzbereit ist. Fällt dieses aus, muss der Fehler sofort behoben werden, notfalls muss eine Fachwerkstatt aufgesucht werden. Abgesehen von der Beleuchtung sollten Radfahrer ihre Fahrweise und Geschwindigkeit immer den Witterungsbedingungen anpassen.

Im Winter geht die Zahl der Radunfälle zurück

Insgesamt tragen laut Polizei bei der Hälfte aller Radunfälle die Radfahrer selbst die Verantwortung. Die meisten durch sie verursachten Unfälle passieren, weil die Radler die falsche Fahrbahn benutzen oder Fehler machen, wenn sie in den fließenden Verkehr einfahren. Die von anderen Verkehrsteilnehmern – in der Regel Autofahrer – verursachten Unfälle sind meistens auf Fehler beim Abbiegen und Missachten der Vorfahrt zurückzuführen. Sechs, der in 2012 getöteten Radler wurden von abbiegenden Lastwagenfahrern erfasst.

Die Zahlen müssten jetzt in der kalten Jahreszeit zurückgehen, mindestens aber stagnieren. Da im Winter weniger Radfahrer unterwegs sind, gibt es auch weniger Radunfälle. Ob die Anzahl proportional dennoch zunimmt, lässt sich nicht feststellen.

Die Polizei informiert, wie die Beleuchtung und sonstige Ausrüstung eines Rads auszuschauen hat. Auch der ADFC bietet eine kostenlose Broschüre an. "Lichtblick – ADFC-Tipps zur Fahrradbeleuchtung" kann im Internet heruntergeladen oder unter ADFC, Postfach 1077 47 in 28077 Bremen bestellt werden. Der ADFC bietet auch Tipps und praktische Hilfestellungen in Selbsthilfewerkstätten an und veranstaltet Kurse.

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