29.11.12

Nach Prügelattacken

Polizei verstärkt ihre Präsenz am Alexanderplatz

In Zukunft wird die Polizei eine mobile Wache am Alexanderplatz stationieren, die Tag und Nacht besetzt ist.

Von Ulla Reinhard
Foto: dpa

Mehrere Wochen nach der tödlichen Attacke auf Jonny K. richtet die Polizei jetzt am Alexanderplatz eine mobile Wache ein
Mehrere Wochen nach der tödlichen Attacke auf Jonny K. richtet die Polizei jetzt am Alexanderplatz eine mobile Wache ein

Die Berliner Polizei zieht Konsequenzen aus den Gewalttaten, die sich in den vergangenen Wochen am Alexanderplatz ereignet haben: Noch an diesem Freitag soll dort eine mobile Wache eingerichtet werden.

Das mit mindestens zwei Polizeibeamten besetzte Einsatzfahrzeug soll täglich auf dem Platz stehen und für mehr Sicherheit sorgen. Im Verlauf des Tages wird der Wagen mehrfach den Standort wechseln. Am Breitscheidplatz in Charlottenburg gibt es bereits seit dem 1. November eine mobile Wache. Das Konzept für den Alexanderplatz erarbeitete der Polizeiabschnitt 32.

Passanten sind nach Gewalttaten verunsichert

Wegen des auf dem Alexanderplatz stattfindenden Weihnachtsmarktes wird die mobile Wache bis Jahresende zunächst in der Rathausstraße stehen. Im nächsten Jahr sollen die Beamten dann zwischen Alexanderplatz und Rathausstraße wechseln. Die Polizei hat den Einsatz nicht befristet, es handelt sich um eine dauerhafte Einrichtung. Die eingesetzten Polizisten sollen einerseits präventiv arbeiten und Bürger aufklären, etwa über Taschendiebstähle. Sie können aber auch jederzeit zu Hilfe gerufen und zur Strafverfolgung eingesetzt werden.

Zusätzlich soll die Polizeipräsenz am Alexanderplatz auch in der Nacht verstärkt werden. Zwischen 18 Uhr und 6 Uhr werden rund um den Platz mehr Streifenbeamte unterwegs sein. Innensenator Frank Henkel (CDU) will dafür voraussichtlich den Abschnitt 32 personell aufstocken. Der Abschnitt habe bereits in der Vergangenheit einen hohen personellen Aufwand auf dem Alexanderplatz betrieben, sagte der Senator Morgenpost Online. "Aber natürlich sind viele Menschen nach der entsetzlichen Gewalttat verunsichert." Es sei der Anspruch der Senatsinnenverwaltung, die Polizei noch sichtbarer zu machen. "Diesen Anspruch setzen wir um, nicht nur kurzfristig, sondern dauerhaft. Die mobile Anlaufstelle und mehr Polizeistreifen in den Nachtstunden sind wichtige Maßnahmen, um die gefühlte und tatsächliche Sicherheit zu erhöhen", so der Senator.

Attacken am Alex entfachten bundesweite Debatte über Jugendgewalt

Damit reagiert der Innensenator auf die jüngsten Gewaltexzesse am Alexanderplatz. Am 14. Oktober war dort der 20 Jahre alte Jonny K. von sechs Personen zu Tode geprügelt worden. Die Tat hatte eine bundesweite Debatte über Jugendgewalt entfacht. Von den namentlich bekannten Tatverdächtigen sind zwei immer noch auf der Flucht. Der Haupttatverdächtige Onur U. (19) soll sich in der Türkei aufhalten. Die Staatsanwaltschaft äußert sich derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen nicht zu dem Verfahren.

In der vergangenen Woche kam es dann auf dem Alexanderplatz zu einer weiteren heftigen Attacke. An der Straßenbahnhaltestelle an der Gontardstraße wurde ein 18 Jahre alter Mann in der Nacht zum Sonnabend von mehreren Jugendlichen zusammengeschlagen und getreten. Wie im Fall von Jonny K. hörten die Täter auch nicht auf, als das Opfer schon am Boden lag. Erst als ein Zeuge einschritt, flüchteten sie. Das Opfer erlitt eine Platzwunde am Kopf und Prellungen.

Mahnmal gegen Gewalt soll "ein Aufruf zur Zivilcourage" sein

Unterdessen nehmen die Planungen für ein Mahnmal gegen Gewalt am Alexanderplatz konkrete Züge an. Ein erster Entwurf der Künstlerin Nicole Zäch sei bereits fertig, sagte Vaja Marcone von der Giuseppe-Marcone-Stiftung, die das Projekt mithilfe von Spenden finanzieren will. "Nun beginnt die Feinarbeit." Der Entwurf für die Bronzestatue zeigt mehrere Menschen, die auf ein hilfloses Opfer einschlagen und es in die Höhe stemmen. "Es war eine bewusste Entscheidung, das Opfer über die Täter zu stellen, es sollte nicht am Boden liegen", sagt Vaja Marcone.

Abseits der Schläger-Szenerie steht eine Person, die sich vom Geschehen abwendet. Sie soll einerseits Symbol sein für die unmittelbaren Zeugen einer Gewalttat, die nicht helfen, andererseits für die gesamte Gesellschaft, die aus Sicht von Vaja Marcone im übertragenen Sinne zu sehr wegschaut bei solchen Taten. Das Mahnmal, dessen Bronzefiguren lebensgroß sein sollen, sei "ein Aufruf zur Zivilcourage". Es soll Passanten anregen, miteinander zu diskutieren. Mit roten Mosaiksteinen will die Künstlerin Nicole Zäch die Blutspur des Opfers darstellen.

Diskussion und Spendenaufruf für das Mahnmal

Ursprünglich war das Mahnmal für den Kaiserdamm in Charlottenburg vorgesehen. Dort war im Jahr 2011 Vaja Marcones Sohn Giuseppe auf der Flucht vor Schlägern bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Die Täter erhielten Bewährungsstrafen. Angesichts der tödlichen Prügelattacke gegen Jonny K. sei der Alexanderplatz in den vergangenen Wochen jedoch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Vaja Marcone, die auch Kontakt hat zu Jonny K."s Schwester Tina K., hält den Alexanderplatz für den geeigneteren Platz für das Mahnmal, betont jedoch, dass nicht an ein bestimmtes, sondern an sämtliche Opfer sinnloser Gewalt erinnert werden soll. Für ihren Sohn will sie eine Gedenktafel am Kaiserdamm aufstellen.

Bevor das Mahnmal für den Alexanderplatz erstellt wird, sind allerdings noch ein paar Hürden zu nehmen. Denn eine Genehmigung liegt noch nicht vor. Vaja Marcone will das Konzept für das "Mahnmal gegen Gewalt und für mehr Zivilcourage" jetzt dem Bezirksamt Mitte vorstellen. Zudem will sie den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Innensenator Henkel anschreiben. Sobald die Genehmigung vorliegt, möchte Vaja Marcone einen Spendenaufruf starten. 50 Personen hätten schon gespendet, obwohl es keinen offiziellen Aufruf gab.

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Mobile Wache am Alex Kann eine mobile Wache die Sicherheit am Alexanderplatz erhöhen?

  • 83%

    Ja, auf jeden Fall. Mehr Polizeipräsenz bedeutet auch mehr Sicherheit

  • 17%

    Nein, das funktioniert nicht. Die Beamten können nicht überall zugleich sein.

  • 0%

    Dazu habe ich keine Meinung.

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