28.11.12

Arbeitsmarkt

Berliner Unternehmen stellen trotz Krise unverdrossen ein

Gegen den Bundestrend: Der regionale Stellenindex der Bundesagentur signalisiert einen robusten Arbeitsmarkt in der Hauptstadt.

Foto: dpa

Sturmfeste Insel: Der Berliner Arbeitsmarkt legt weiter zu
Sturmfeste Insel: Der Berliner Arbeitsmarkt legt weiter zu

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt es scheinbar eine sturmfeste Insel. Dieses Bild für Berlin zeichnet einen Tag vor Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts für November der Stellenindex der Bundesagentur (BA). Demnach legt der regionale Stellenindex für das Land Berlin im Vergleich zum Vormonat um elf Punkte auf 213 Punkte zu. Dem Deutschlandtrend läuft Berlin damit zuwider. Für Deutschland insgesamt signalisiert der Index, dass Unternehmen immer zögerlicher neue Mitarbeiter einstellen.

An diesem Donnerstag wird die BA die neuen Zahlen für den Arbeitsmarkt in Deutschland veröffentlichen. Die Arbeitslosenquote wird nicht hochschnellen. Jedoch rechnen mittlerweile fast alle Experten mit weniger Wachstum und einem Ende des Aufschwungs. Es wird auch am Arbeitsmarkt wieder rauer.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) aus Berlin erwartet für Deutschland in den letzten drei Monaten des Jahres Stagnation. "Die deutsche Wirtschaft leidet zurzeit ziemlich unter der Nachfrageschwäche aus dem Euro-Raum und dem Rest der Welt", sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Die Industriestaaten-Organisation OECD sieht im selben Zeitraum die deutsche Wirtschaftsleistung sogar schrumpfen.

Berlin hat viele Dienstleister

Der Berliner Arbeitsmarkt ist davon noch unbeeindruckt. Hier suchen laut BA viele Unternehmen nach Mitarbeitern. "Damit hebt sich die Region positiv von der wirtschaftlichen Entwicklung in den übrigen Bundesländern ab", heißt es in einer Mitteilung der Bundesagentur. Grund: Berlin hat wenig Industriebetriebe mit Exportgeschäft, dafür viele Dienstleister, die beispielsweise vom Tourismus profitieren. Dadurch immunisiert sich der Arbeitsmarkt der Hauptstadt ein Stück gegen Konjunkturschwankungen. "Allerdings ist ein einzelner Monat nur von eingeschränkter Aussagekraft", sagt ein Sprecher der Regionaldirektion. Zudem sei im November häufig ein Stellenschub zu beobachten. Fürs Weihnachtsgeschäft suchen dann vor allem Einzelhändler befristet Leute.

Dennoch weist der Berliner Stellenindex mit 213 den zweitbesten Wert aller Zeiten auf. Berechnet wird der Index wie folgt: Die Zahl offener Stellen wird statistisch um Saisoneffekte bereinigt. Dann werden sie mit dem durchschnittlichem Jahreswert von 2004 verglichen. Dieser ist mit 100 normiert. 213 bedeutet dann vereinfacht gesagt: Die Zahl der offenen Stellen in Berlin ist doppelt so hoch wie im Jahresdurchschnitt 2004. Der Novemberwert für Gesamtdeutschland liegt bei 159 – und damit schon deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. In Berlin ist es umgekehrt: Im Jahresvergleich ist der Wert um 15 Punkte höher.

Anstieg der Kurzarbeit erwartet

Auf Bundesebene wird in den kommenden Monaten ein deutlicher Anstieg der Kurzarbeit erwartet. BA-Chef Frank-Jürgen Weise geht davon aus, dass die Zahl der Kurzarbeiter von derzeit weniger als 40.000 im nächsten Jahr auf rund 200.000 steigt. "Dafür haben wir finanziell vorgesorgt", sagte Weise "Spiegel online". "Wenn es deutlich mehr werden, muss ich ein Darlehen beim Bund aufnehmen." Die Anzeigen der Firmen signalisierten, dass die Kurzarbeit in den nächsten Monaten zunehme, betonte der Behördenchef.

Er plädierte dafür, Kurzarbeit auch auf Leiharbeiter auszuweiten. Grundsätzlich widerspreche dies zwar dem Sinn der Leiharbeit, die zur Abfederung von Auftragsspitzen eingesetzt werden sollte. "In manchen Fällen könnte es trotzdem sinnvoll sein, allein aus menschlichen Gründen und wenn die Unternehmen ihre Zeitarbeiter halten wollen", sagte Weise. "Dafür sollte man einen rechtlichen Rahmen schaffen. Es lohnt sich, darüber nachzudenken."

Zahl der Arbeitslosen wird nicht weiter sinken

Trotz der Konjunkturabschwächung zeigte sich Weise optimistisch. "Die gefühlten Risiken auf dem Arbeitsmarkt sind größer als die tatsächlichen." Allerdings werde die Zahl der Arbeitslosen im nächsten Jahr mit 2,9 Millionen ähnlich hoch bleiben wie 2012 und damit – anders als erhofft – nicht weiter sinken. "Wenn die schwächere Entwicklung wider Erwarten zur Krise wird, dann dürfte das Beschäftigte der Automobilindustrie und ihrer Zulieferer treffen." Dies gelte vor allem für Firmen, die stark vom südeuropäischen Markt abhängen, "zum Beispiel Fiat oder Ford", sagte Weise.

Quelle: hev/dpa
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