18.06.09

Erstmals nach dem Holocaust

Jüdischer Kantor in Berlin ordiniert

In Berlin ist erstmals nach dem Holocaust wieder ein jüdischer Kantor ordiniert worden. Zudem wurden drei Rabbiner ins Amt berufen. An der Feier nahmen Hunderte Gäste aus dem In- und Ausland teil, darunter die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Lala Süßkind.

Foto: ddp

Feierlich ziehen auch die anderen Absolventen des Abraham Geiger Kolleg hinter Rabbiner-Aspirant Paul Strasko in die Synagoge an der Rykestraße ein.

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Bei einem Festgottesdienst in der Berliner Synagoge Rykestraße sind am Donnerstag drei Rabbiner des Abraham Geiger Kollegs ordiniert worden. Juden aus aller Welt hätten sich versammelt, um nach mehr als 60 Jahren erstmals wieder Rabbiner in Deutschland zu ordinieren, sagte der Rektor des Kollegs, Walter Homolka. Zudem wurde der Studienabschluss des ersten jüdischen Kantors gefeiert, der in Deutschland nach dem Holocaust ausgebildet wurde.

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, sprach von einem "glücklichen Tag für Deutschland". "Wer hätte gedacht, dass jemals wieder Rabbiner in Deutschland ausgebildet werden", sagte Kramer. Dabei handle es sich um ein "gemeinsam vollbrachtes Werk".

Zu der Feier kamen neben Politikern wie Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) Vertreter von christlichen, muslimischen und jüdischen Gemeinden, darunter die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Lala Süßkind. Zudem nahmen Hunderte Gäste aus dem Ausland an dem Festgottesdienst teil.

Einer der neuen Rabbiner ist Gabor Lengyel, der in Ungarn geboren wurde und dort den Holocaust überlebte. 1965 kam er nach Deutschland. Seinen Ruhestand nutzte er für das Studium am Abraham Geiger Kolleg. Künftig wird er die Jüdische Gemeinde Hannover betreuen. Der gebürtige Londoner Richard Newman wuchs in Südafrika auf und wird als Rabbiner dorthin zurückkehren. Der aus Argentinien stammende Roly Zylbersztein wird als Rabbiner in Barcelona tätig sein. Der neue Kantor Juval Porat kommt ursprünglich aus Israel und arbeitete einige Jahre als Architekt in Berlin, bevor er mit der Ausbildung am Abraham Geiger Kolleg begann.

Bei der Veranstaltung wurde auch das zehnjährige Bestehen des Abraham Geiger Kollegs feierlich begangen. Das Rabbinerseminar war 1999 an der Universität Potsdam gegründet worden. Den Angaben zufolge ist es das erste Rabbinerseminar in Mitteleuropa nach der Schoah. Es bietet eine akademische Rabbinerausbildung an einer staatlichen Universität und seit zwei Jahren auch eine Kantorenausbildung. Zuletzt feierte das Kolleg 2006 die Ordination von drei Rabbinern. Die letzte Rabbinerausbildung in Berlin davor datiert das Abraham Geiger Kolleg auf das Jahr 1940.

Die Rabbinerordinierung im heutigen Sinne gibt es erst seit der Institutionalisierung der Rabbinerausbildung Mitte des 19. Jahrhunderts, wie ein Sprecher des Abraham Geiger Kollegs sagte. Diese gehe auf einen Appell des Rabbiners Abraham Geiger (1810-1874) zurück, der eine Verbindung von rabbinischen und akademischen Studien forderte. Zuvor hatte das Rabbinat nach dem jüdischen Bildungskonzept keine Berufskarriere sein sollen.

Durch die 1872 in Berlin gegründete Hochschule für die Wissenschaft des Judentums gingen nach Angaben des Sprechers insgesamt 730 ordentliche Studenten und damit zwei bis drei Rabbinergenerationen. Bis zur gewaltsamen Schließung der Lehranstalt durch die Nationalsozialisten im Jahr 1942 habe Rabbiner Leo Baeck (1873-1956) dort noch "eine Handvoll Schüler" unterrichtet. Das Abraham Geiger Kolleg soll als Fortsetzung dieser Hochschule fungieren.

Quelle: ddp/mim
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