25.11.12

Immobilienmarkt

250.000 Euro, damit ein Geschäft in Top-Lage schließt

Internationale Marken drängen nach Berlin. Für eine Niederlassung in begehrten Lagen bieten sie Geld – die Summen sind mittlerweile enorm.

Von Isabell Jürgens
Foto: picture-alliance / Eibner-Presse

Internationales Flair: Auf dem Kurfürstendamm ziehen immer mehr Luxus-Marken ein
Internationales Flair: Auf dem Kurfürstendamm ziehen immer mehr Luxus-Marken ein

Das französische Label "Kookai" hat sich in der Hausnummer 29 eingemietet, gegenüber eröffnete die britische Konkurrenz "Karen Millen" in Nummer 220, ein paar Häuser weiter haben die kunterbunten Wohnaccessoires von Pylones, ebenfalls aus Frankreich, Einzug gehalten. Mulberry mit seinen britischen Luxusartikel ist in die 184 gezogen, das amerikanische Label Urban Outfitters ins Neue Kranzler Eck.

"Komplott" aus Luxemburg wird seinen Ethnoschmuck bald in der Nummer 201 präsentieren, Maurice Lacroix ist mit seinen Uhren ins Cumberland eingezogen, genauso wie das Modegeschäft 14 oz von Karl-Heinz Müller, dem Chef der Modemesse Bread & Butter. Boss ist noch mit den Umbauarbeiten an der Hausnummer 25 beschäftigt und wird voraussichtlich erst Mitte kommenden Jahres eröffnen.

Mit Spannung wartet die Internet-Gemeinde, dass der Umbau gleich nebenan in Nummer 26 abgeschlossen wird und die Amerikaner ihren Apple-Flagship-Store endlich eröffnen. Die Liste der Neuzugänge ist lang und belegt vor allem einen Trend, der mittlerweile nicht mehr zu übersehen ist: Berlins Shoppingmeilen, allen voran der Kurfürstendamm, werden immer internationaler.

Marken zahlen bis zu siebenstellige "Schlüsselgelder"

Andreas Malich vom Immobilienberater CBRE beobachtet diesen Trend bereits seit Mitte 2011. "Berlin hat als Expansionsziel für nationale und internationale Modeunternehmen Konjunktur", sagt der Experte. Das hat Folgen: Leer stehende Ladengeschäfte in den begehrten Einzelhandelslagen sind inzwischen Mangelware. Die großen Filialisten bringen deshalb nicht nur ihre Kollektionen nach Berlin, sondern auch ihre Gepflogenheiten: Damit die angestammten Mieter noch vor Ablauf ihres Mietvertrages ausziehen, wird ihnen ein sogenanntes "Key Money" angeboten.

Das habe es in Ansätzen zwar auch schon vor der Finanzkrise 2008 gegeben. In diesem Jahr jedoch haben die "Schlüsselgelder" schwindelerregende Höhen erreicht. "Wer in eine gute Kurfürstendamm-Lage ziehen will, zahlt dafür schon mal einen hohen sechsstelligen Betrag, damit er in ein 300 Quadratmeter großes Ladengeschäft einziehen kann", so Marktkenner Malich. Und da es nach einer Trendwende nicht aussieht, könnte die Millionenmarke in naher Zukunft fallen. "Siebenstellige Auszugsprämien sind ja auch in europäischen Metropolen wie Paris oder London nichts Ungewöhnliches", so Malich weiter.

Immens hohe Summen werden derzeit auch an anderer Stelle in Berlin gezahlt: Im Quartier rund um die Hackeschen Höfe. Dort habe ein international bekanntes Label 250.000 Euro geboten, damit der Vormieter die gegehrten 140 Quadratmeter frei macht, berichtet Malich.

Die Zahlung einer Auszugsprämie macht laut Experten Sinn

Wirtschaftlich betrachtet mache die Zahlung eines Key Moneys durchaus Sinn, findet Malich. "In der City West sind natürlich der Kurfürstendamm und die Tauentzienstraße international bekannt, in der City Ost gilt vor allem das Quartier um den Hackeschen Markt als führende Trendlage Deutschlands", so der Experte. Insbesondere die Eröffnung sogenannter Pilot-Stores seien für die Einführung der Marke und ihre Bekanntheit von großer Bedeutung.

Die Beliebtheit insbesondere dieser beiden Einzelhandelslagen hat dazu geführt, dass die Mietpreise für Ladengeschäfte dort innerhalb nur eines Jahres deutlich angezogen haben. Allen voran die Tauentzienstraße und der Bereich Kurfürstendamm bis zur Höhe Fasanenstraße. Für Top-Lagen werden hier bis zu 310 Euro pro Quadratmeter Einzelhandelsfläche gezahlt (2011: 270 Euro pro Quadratmeter). Wer am übrigen Kurfürstendamm einziehen will, zahlt je nach Lage Spitzenmieten zwischen 170 Euro bis 240 Euro (2011: 150 Euro).

Wer ein Geschäft an der Rosenthaler Straße, der Neuen Schönhauser Straße oder Münzstraße im Quartier Hackescher Markt eröffnen möchte, muss aktuell mit Mieten von bis zu 150 Euro pro Quadratmeter rechnen. 2011 wurden höchstens 130 Euro verlangt. An dem Mix aus regionalen Designern und internationalen Trendlabels kämen inzwischen auch massenorientierte Unternehmen wie H&M oder Tom Tailor nicht vorbei.

Berlin ist die führende Mode-Hauptstadt in Deutschland

Die "Einzelhandels-Gentrifizierungswelle", wie Alexander Torwegge, Vermietungsspezialist von CBRE, sie nennt, hat unter anderem auch dazu geführt, dass viele der angestammten Stores sich die verlangten Mieten nicht mehr leisten können und in die weniger teuren Seitenstraße ziehen – oder gleich ganz nach Friedrichshain abwandern.

In den übrigen Top-Einzelhandelslagen blieb das Mietniveau dagegen weitgehend stabil. An der Friedrichstraße werden bis zu 150 Euro pro Quadratmeter und Monat verlangt, am Alexanderplatz bis zu 200 Euro und in der Schloßstraße in Steglitz immerhin noch 110 Euro.

Dass Berlin vor allem für internationale Einzelhändler und Marken attraktiv ist, sei nicht verwunderlich, so Malich weiter. Berlin habe sich neben Düsseldorf und München als "führende Mode-Hauptstadt Deutschlands" etabliert. Drei der wichtigsten Trend-Modemessen – die "Bread & Butter", die "Premium" sowie die "Mercedes Benz Fashion Week" – finden in Berlin statt.

Shopping-Tourismus immer wichtiger

Spartenmessen wie die "In Fashion" für ökologische Mode oder die Streetwear Messe "Bright" sowie die unzähligen Hausmessen der in Berlin ansässigen Label kämen noch hinzu. "Berlin als Bundeshauptstadt mit 3,5 Millionen Einwohnern ist zudem der größte Einzelhandelsmarkt Deutschlands, da wollen die Trendmarken natürlich vertreten sein", so Malich.

Zudem verzeichne Berlin seit Jahren permanent steigende Tourismuszahlen und gelte als Top-Städtereiseziel in Europa. "Der Shopping-Tourismus macht mittlerweile ein Viertel des gesamten Berliner Handelsumsatzes aus", so Malich. Laut Analyse der Landesbank Berlin wurden 2011 rund 10,8 Milliarden Euro Umsatz durch Touristen erzielt (Gastgewerbe, Einzelhandel, Dienstleistungen). Davon entfielen nach Angaben des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg rund 40 Prozent auf den Einzelhandel.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Liebes-Nachhilfe Flirten wie ein Silberrücken
William und Kate Hip-Hop-Crashkurs für die Royals
Chaos Panik in indischer Stadt durch verirrten Leopard
Xbox-One vs PS4 Microsoft muss knappe Niederlage hinnehmen
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Reisetipps

Zehn spannende Events weltweit im Mai

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote