24.11.12

Regio-Linien

Fehlende Züge gefährden reibungslosen Start für Odeg

Bereits am 9. Dezember soll das private Bahn-Unternehmen Odeg zwei Regio-Linien übernehmen. Doch es fehlen noch Fahrzeuge und Zulassungen.

Von Thomas Fülling
Foto: picture alliance / ZB

Vorstellung: Der erste KISS, doch einsatzfähig ist der Zug noch immer nicht
Vorstellung: Der erste KISS, doch einsatzfähig ist der Zug noch immer nicht

Es sind gerade einmal zwei Wochen bis zum Fahrplanwechsel bei der Bahn – doch noch immer ist nicht klar, mit wem und mit welchem Komfort viele Fahrgäste ab dem 9. Dezember unterwegs sein werden. Eigentlich wollte an diesem Tag die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (Odeg) groß in den Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg einsteigen.

Doch dem privaten Konkurrenten der bundeseigenen Deutschen Bahn (DB) fehlen noch immer die Züge für die beiden wichtigen Regionalexpress-Linien 2 und 4. Der RE2 verbindet die Bundeshauptstadt mit Cottbus und dem Spreewald im Süden sowie Wittenberge und die Ostsee-Hafenstadt Wismar im Norden. Der RE4 fährt von Berlin aus bis nach Rathenow beziehungsweise Jüterbog in Brandenburg.

Auf diesen Strecken wollte die Odeg ursprünglich nagelneue Doppelstockzüge einsetzen. Doch der Schweizer Hersteller Stadler, der die Triebwagen vom Typ KISS (steht für "komfortablen innovativen spurtstarken S-Bahn-Zug") in Pankow baut, konnte bislang erst zwei von insgesamt 16 bestellten Vier-Wagen-Einheiten an die Ostdeutsche Eisenbahn ausliefern. Notwendig für den Betrieb der beiden RE-Linien sind aber mindestens 13 einsatzbereite Züge.

Angesichts der Lieferengpässe hatte die Odeg gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg bereits Ende Oktober ein Ersatzkonzept vorgestellt. Dieses sieht vor, dass mindestens bis Ende März die Deutsche Bahn den Betrieb der RE-Linie 2 (Wismar–Berlin-Cottbus) mit eigenen Zügen absichert. Die Bahn-Tochter DB Regio stellt dafür zehn Loks, 40 Doppelstockwagen und 70 Mitarbeiter bereit. Wenigstens auf der Regionalexpress-Linie 4 (Rathenow–Jüterbog) will die Odeg dann mit eigenen Zügen fahren. Ob es dann jedoch schon die Doppelstockzüge von Stadler sein werden, ist ungewiss.

KISS fehlt die Zulassung

Stadler-Sprecherin Katrin Block bestätigte die Lieferrückstände. In den nächsten Tagen will der Fahrzeughersteller jedoch zwei weitere Züge an die Odeg übergeben. "Wir gehen davon aus, dass zum Fahrplanwechsel die benötigten sechs Züge da sein werden", sagte Block.

Doch selbst wenn Stadler in den nächsten Tagen die noch fehlenden Züge liefern könnte, darf die Odeg diese im regulären Fahrgastbetrieb noch nicht einsetzen. Denn dem KISS fehlt noch immer die Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA). Nach Informationen von Morgenpost Online sind noch nicht einmal alle dafür erforderlichen Unterlagen bei der Aufsichtsbehörde in Bonn eingereicht.

Ob das Zulassungsverfahren noch rechtzeitig vor dem 9. Dezember abgeschlossen werden kann, ließ das Eisenbahn-Bundesamt offen. "Das Verfahren läuft, es gibt dazu ständig Gespräche mit dem Hersteller", sagte EBA-Sprecherin Heike Schmidt.

Stadler-Sprecherin Block ist dennoch optimistisch, dass dem neuen Doppelstocktriebzug, der erstmals in Deutschland zum Einsatz kommen soll, die Zulassung noch rechtzeitig erteilt wird. "Wir liegen in dem mit dem EBA vereinbarten Zeitplan", sagte sie. Es könne allerdings durchaus sein, dass die Genehmigung erst "ein bis zwei Tage vor Betriebsaufnahme" eintreffe.

Stopps könnten wegfallen

Zuletzt war davon in der Region die Deutsche Bahn betroffen, die jahrlang auf die EBA-Zulassung für die von ihr dringend benötigten Talent-2-Triebwagen warten musste. Die von Bombardier in Hennigsdorf (Oberhavel) gebauten Züge standen teilweise über Jahre auf dem Abstellgleis. Angesichts dieser Erfahrungen warnt der Berliner Fahrgastverband Igeb vor einer neuen S-Bahn-Krise. Es müsse befürchtet werden, dass die 2017 dringend benötigten Züge für die Berliner S-Bahn nicht rechtzeitig da sein werden.

"Bisher gibt es ja gerade einmal Designstudien", so Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Von der Odeg forderte der Igeb-Sprecher, dass das Unternehmen verlässliche Alternativen für den Fall vorbereitet, dass die KISS-Züge nicht rechtzeitig zugelassen werden. Wieseke: "Die Fahrgäste dürfen nicht unter dem Versagen der Industrie leiden."

Odeg-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann ist bereits seit Monaten auf der Suche nach Ersatz-Fahrzeugen. Inzwischen habe er genügend Lokomotiven und Wagen, die er anmieten könne. Weil die Ersatzzüge nicht so schnell beschleunigen, müssen möglicherweise einige Unterwegshalte entfallen, damit keine Verspätung eingefahren wird. So befürchtet etwa der Deutsche Bahnkunden-Verband, dass auf der RE-Linie 2 Stopps, etwa in Falkensee und Alexanderplatz, wegfallen.

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