24.11.12

Nikutta bestätigt

Berliner Verkehrsbetriebe fahren Millionenverlust ein

Der Schuldenberg der BVG ist auf mehr als 800 Millionen Euro angewachsen. Das könnte für die Kunden höhere Fahrpreise nach sich ziehen.

Von Thomas Fülling
Foto: Glanze

BVG Vorstandschefin Sigrid Nikutta bezeichnete das sich abzeichnende Geschäftsergebnis für 2012 als erfolgreich
BVG Vorstandschefin Sigrid Nikutta bezeichnete das sich abzeichnende Geschäftsergebnis für 2012 als erfolgreich

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) werden auch in diesem Jahr tief in die roten Zahlen fahren. Die Ausgaben des mit rund 12.500 Mitarbeitern größten deutschen Nahverkehrsanbieters werden die Einnahmen voraussichtlich um etwa 58 Millionen Euro übersteigen, wie BVG-Vorstandschefin Sigrid Nikutta Morgenpost Online bestätigte. Der Schuldenberg des landeseigenen Unternehmens wird erstmals seit Langem wieder auf mehr als 800 Millionen Euro wachsen.

Trotz dieser Entwicklung sollen keine Angebote bei Bus, Straßenbahn oder U-Bahn gestrichen werden, versprach Nikutta. Angesprochen auf eine Verteuerung der Fahrpreise, die zuletzt am 1. August gestiegen sind, sagte sie: "Das ist aber keine Sache der BVG, sondern des gesamten Verkehrsverbundes." Im Verbund, dem insgesamt 41 Verkehrsunternehmen aus Berlin und Brandenburg angehören, werde jedoch ernsthaft über den Vorschlag des Berliner Verkehrssenators Michael Müller (SPD) gesprochen, sagte sie. Müller hatte eine jährliche Tarifanpassung, gekoppelt an die Inflationsrate, empfohlen.

Diesel und Strom kosten BVG deutlich mehr

Nikutta bezeichnete das sich abzeichnende Geschäftsergebnis für 2012 dennoch als gut. "Dieses Jahr werden wir das Planziel erreichen – das lautet minus 58 Millionen Euro. Vielleicht liegen wir am Ende sogar etwas besser", sagte sie. Die BVG belasten vor allem die überdurchschnittlich stark steigenden Energiepreise. Allein für Diesel und Strom muss das Unternehmen inzwischen deutlich mehr als 100 Millionen Euro ausgeben. Hinzu kommt eine Lohnerhöhung, die die Gewerkschaft Ver.di für die rund 12.500 BVG-Beschäftigten im Februar erstritten hat. Dies erhöht die Ausgaben der BVG nach eigenen Angaben um 20 Millionen Euro jährlich.

Die BVG-Chefin sieht ihr Unternehmen dennoch wirtschaftlich im Aufwind. So würde das Minus im laufenden Geschäft im zweiten Jahr in Folge deutlich sinken. Nach einer BVG-Kalkulation wird das Betriebsergebnis in diesem Geschäftsjahr ein Minus von 22,4 Millionen Euro auswiesen. 2011 betrug der operative Verlust 40,1 Millionen Euro, 2009 waren es 63,9 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis beinhaltet alle laufenden Ein- und Ausgaben, wird aber nicht durch Risikorückstellungen für riskante Finanztransaktionen in vergangenen Jahrzehnten belastet. 2013 soll der operative Verlust auf 17,5 Millionen Euro sinken.

BVG gilt als unterfinanziert

Spätestens in vier Jahren will BVG-Chefin Nikutta ein ausgeglichenes Ergebnis vorweisen. "Das Ziel, 2016 die schwarze Null zu erreichen, steht", sagte sie der Morgenpost Online. Erreicht werden soll dies auch durch höhere Überweisungen aus dem Landeshaushalt. Der Senat als Besteller von Verkehrsleistungen zahlt derzeit 250 Millionen Euro pro Jahr an die BVG, darunter 175 Millionen Euro für die Instandhaltung der Infrastruktur. Mit den übrigen 75 Millionen Euro und den Einnahmen aus dem Ticketverkauf von rund 425 Millionen Euro wird das gesamte Fahrangebot bei Bus und Bahn bezahlt. Viele Experten halten die BVG damit für unterfinanziert.

Das Unternehmen selbst hat einen Bedarf von 44 Millionen Euro im Jahr errechnet, den es durch eigene Einsparungen auf 35 Millionen Euro drücken will. Der Senat will seine Zahlungen von 2013 an bisher höchstens um einen einstelligen Millionenbetrag erhöhen. Über eine Revision des Verkehrsvertrages soll bis Anfang 2013 gesprochen werden.

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