23.11.12

BER-Flugrouten

Tausende Fluglärmgegner wollen demonstrieren

Die Betroffenen warten immer noch auf Schallschutz. Der verbesserte Lärmschutz verursacht Mehrkosten von 600 Millionen Euro.

Foto: ZB

Die Fluglärmbelastung darf am Tag 55 Dezibel in Innenräumen nicht überschreiten
Die Fluglärmbelastung darf am Tag 55 Dezibel in Innenräumen nicht überschreiten

Mehrere Tausend Fluglärmgegner planen am Sonnabendnachmittag einen Demonstrationszug vom Potsdamer Platz zur SPD-Bundeszentrale. Damit wollen sie gegen die Auswahl der Flugrouten des Flughafen BER und für ein längeres Nachtflugverbot protestieren. Die Veranstalter rechnen mit 10.000 Teilnehmern.

Zwar haben die Betroffenen wegen der verschobenen Eröffnung des BER noch etwas länger Ruhe, allerdings warten bis heute Tausende Anwohner auf ihren Schallschutz. Zu ihnen gehört Gerhard Krabel. Nach Eröffnung des BER wird direkt über sein Haus in Blankenfelde-Mahlow alle zwei Minuten ein Flugzeug fliegen. Der pensionierte Kraftfahrer streitet seit fünf Jahren mit den Behörden um ausreichenden Lärmschutz. "Ich kann nachts oft nicht schlafen", sagt der 65-Jährige.

Mehrkosten von bis zu 600 Millionen Euro

Blankenfelde-Mahlow gilt als die Gemeinde, die am stärksten vom Fluglärm betroffen sein wird. Schon jetzt liegt der Ort unter der Anflugschneise des Flughafens Schönefeld. Das Haus des Ehepaars Krabel ist aus Holz, was aber nicht sofort erkennbar ist. Denn die ganze Vorderfront ist jetzt aus Klinker, als Teil der Lärmschutzmaßnahmen. Auch ein Fenster und das Dach wurden erneuert, darunter liegt das Schlafzimmer. Das Problem ist die Rückseite des Hauses, für die bekommen die Krabels keinen Lärmschutz. Den gibt es nur für Wohn- und Schlafräume, nicht jedoch für Küche, Bad oder Flur. Dabei trennen Wohnzimmer und Küche nur eine Tür und ein kleiner Flur. Auch das Schlafzimmer liegt nur zwei Meter von der ungedämmten Rückseite entfernt. Schwer vorstellbar, dass Fluglärm hier verebbt. "Der ganze Lärmschutz ist ein reiner Flickenteppich", sagt Krabel. Seine Korrespondenz mit Behörden und Ingenieurbüros füllt mittlerweile Aktenordner.

Krabel sei ein Musterbeispiel dafür, wie der Flughafen die Anwohner um ihre Rechte betrüge, meint Christine Dorn vom Bündnis Südost. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat im Juni die Rechte festgelegt: In Innenräumen darf die Fluglärmbelastung am Tag 55 Dezibel nicht überschreiten. Das Brandenburger Verkehrsministerium – die Genehmigungsbehörde für den Flughafen – hatte daraufhin den Lärmschutz nachgebessert. Nun soll der Maximalpegel von 55 Dezibel bis zu 0,49 mal pro Tag überschritten werden dürfen. Das sind 180 Grenzüberschreitungen im Jahr. "Das ist rechtswidrig. Null heißt Null und nicht 0,49", sagt Dorn. Sie wirft der Landesregierung Tricksereien vor, um die Kosten gering zu halten. Allein der verbesserte Lärmschutz soll Mehrkosten von bis zu 600 Millionen Euro bedeuten.

Klage gegen neue Regelung

Gegen die neue Regelung wurde erneut geklagt. Sprechen sich die Richter wieder für einen besseren Lärmschutz aus, wird die Landesregierung wohl den Weg der massenhaften Entschädigung gehen. "Dann zahlen wir Geld aus", sagt Verkehrsstaatssekretär Rainer Bretschneider.

Es klingt, als hätten sich die Behörden schon vom Ziel eines umfassenden Lärmschutzes für die BER-Anrainer verabschiedet. Den Bürgern in Blankenfelde-Mahlow brachte Bretschneider vergangene Woche einen Zuwendungsbescheid von knapp einer Million Euro. Mit dem Geld sollen alternative Modelle entwickelt werden, wie man "in einer Gemeinde optimal mit Fluglärm leben kann".

Quelle: dpa
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