23.11.12

Wohnungen in Berlin

Immobilienkonzern GSW setzt aggressive Einkaufstour fort

Das ehemals landeseigene Unternehmen hat weitere 2600 Wohnungen überwiegend in der Hauptstadt übernommen. Die Mieten sollen steigen.

Foto: dpa

Der Berliner Immobilienkonzern GSW erwirbt tausende Wohnungen in der Hauptstadt. Die Bewohner müssen nun mit höheren Mieten rechnen
Der Berliner Immobilienkonzern GSW erwirbt tausende Wohnungen in der Hauptstadt. Die Bewohner müssen nun mit höheren Mieten rechnen

Der ehemals landeseigene Berliner Immobilienkonzern GSW setzt seine aggressive Einkaufstour fort. Das Unternehmen übernahm weitere 2600 Wohnungen überwiegend in der Hauptstadt. Wie die GSW am Donnerstag mitteilte, seien dafür 147 Millionen Euro gezahlt worden. Der Wohnungsbestand des Unternehmens steigt damit auf knapp 60.000 Wohnungen.

Die GSW liefert sich derzeit mit der Berliner Konkurrentin Deutsche Wohnen ein Wettrennen um Größe. Deutsche Wohnen verwaltet nach der Milliarden-Übernahme des bundesweit aktiven Immobilienkonzerns BauBeCon im Mai mittlerweile mehr als 70.000 Wohnungen. Anders als die jetzt größere Rivalin beschränkt sich die GSW bei den Wohnungskäufen aber noch auf den Berliner Markt, auch wenn das Angebot hier immer knapper wird. Der Konzern nimmt auch selten an teuren Bieterprozessen teil, sondern kauft lieber unter der Hand zu.

Die GSW war 2004 vom Land Berlin privatisiert worden. Im Frühjahr 2011 ging das Unternehmen dann an die Börse. Das Unternehmen ist der größte private Wohnungsanbieter in Berlin. Zum Vergleich: die sechs kommunalen Anbieter, darunter die Degewo, Howoge oder Gewobag, verwalten gemeinsam 270.000 Wohnungen.

Mieterhöhungen geplant

Die nun übernommenen Wohnungen stammen von der Zentral Boden Immobilien (ZBI), einem Initiator für geschlossene Fonds. Die Zukäufe wirken sich aber erst im kommenden Jahr auf das Ergebnis aus, wie die GSW mitteilte. "Ab dem kommenden Jahr wirken die neuen Bestände positiv auf unsere operativen Margen", sagte Jörg Schwagenscheidt, Vorstand der GSW Immobilien AG und unter anderem zuständig für den Bereich Akquisition.

Die zugekauften Bestände liegen nach GSW-Angaben vor allem in den Bezirken Neukölln (35 Prozent), Mitte (21 Prozent), Tempelhof-Schöneberg (12 Prozent), Reinickendorf (11 Prozent) sowie zu drei Prozent in Steglitz-Zehlendorf. Die Wohnungen liegen in Nähe bestehender GSW-Immobilien. Insgesamt handele es sich um 2130 Wohnungen, die zu 97 Prozent vermietet seien. Die durchschnittliche Netto-Kaltmiete beträgt laut GSW 5,52 Euro je Quadratmeter. Das Unternehmen setzt darauf, die Mietpreise erhöhen zu können.

Die übrigen Einheiten liegen in den Städten Duisburg, Essen, Erfurt und Magdeburg. "Wir planen, diese rund 470 Wohneinheiten außerhalb von Berlin mittelfristig weiterzuverkaufen", sagte Schwagenscheidt. Erst Ende Oktober hatte die GSW knapp 4400 Wohnungen in Berlin gekauft, vor allem in Spandau, in Mitte und in Reinickendorf. Dafür hatte das Unternehmen rund 200 Millionen Euro bezahlt.

Finanziert wurde die jüngste Einkaufstour zum einen durch die Kapitalerhöhung im Frühjahr. "Wir haben damit die rund 190 Millionen Euro aus der Kapitalerhöhung investiert", sagte GSW-Chef Thomas Zinnöcker. Zugleich wurde ein Teil der Einnahmen aus der jüngsten Wandelanleihe investiert, die vergangene Woche mehr als 183 Millionen Euro erbrachte.

Mittelfristig außerhalb Berlins

Vergangene Woche hatte die GSW zudem ihre Jahresziele bestätigt. In den ersten neun Monaten hatte das Unternehmen dank höherer Mieteinnahmen und deutlich mehr Wohnungsverkäufen mehr Geld verdient. Das Ergebnis stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut ein Fünftel auf 120,9 Millionen Euro. Die Nettokaltmiete legte um 4,4 Prozent auf 5,17 Euro je Quadratmeter zu, zudem schrumpfte der Leerstand.

Die GSW profitiert vom Boom des Berliner Wohnungsmarkt. Verkaufspreise und Mieten waren im Vergleich zu anderen Metropolen lange Zeit niedrig, was auch Investoren aus dem Ausland anzog. Jetzt steigen die Mieten und Kaufpreise teils kräftig. Neue Mieter müssen in Berlin bis zu 20 Prozent mehr zahlen als noch vor fünf Jahren. In manchen Innenstadtbezirken kosten neue Mietwohnungen sogar 40 Prozent mehr als im Jahr 2007. Auch die Kaufpreise sind drastisch gestiegen. In manchen Lagen müssen Käufer von Eigentumswohnungen bis zu 50 Prozent mehr zahlen als noch vor einem Jahr.

Während etwa Deutsche Wohnen die Hauptstadt allmählich sogar zu teuer wird, weil sich dort immer mehr Anleger auch aus dem Ausland tummeln, sieht die GSW bislang keine Not, sich neue Regionen zu erschließen. Der Konzern profitiert nach eigenen Angaben davon, dass ihm in Berlin viele Portfolios von ausstiegswilligen Investoren unter der Hand angeboten werden. Daher müsse sich die GSW nicht an teuren Bieterprozessen beteiligen. Bei den zum Verkauf stehenden 38.000 Wohnungen der Gagfah in Dresden und den mehr als 11.000 der bundeseigenen Gesellschaft TLG hatte die GSW abgewinkt. Die TLG-Wohnungen, viele davon in Brandenburg, gingen an den Hamburger Immobilienkonzern TAG.

Ganz ausschließen will das GSW-Management Zukäufe außerhalb der Hauptstadt allerdings nicht. "Wenn es keine Wachstumsmöglichkeiten in Berlin mehr geben sollte, dann würden wir uns auch an anderen Standorten umsehen", hatte Finanzchef Andreas Segal im Sommer gesagt. Aktuell sei das zwar kein Thema, möglicherweise aber mittelfristig, falls die Investoren dies wünschten.

Quelle: rtr/gri
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