22.11.12

Berliner Klinik

Missbrauch an der Charité - Senatorin fordert Konsequenzen

Der Fall wirft neue Fragen auf. Der beschuldigte Pfleger war bereits dreimal auffällig. Charité-Chef Einhäupl kommt in Erklärungsnot.

Von Joachim Fahrun
Foto: dapd

Die Häuser der Charité in Berlin-Mitte: Die Kritik gegen die Verantwortlichen der Uniklinik wird immer lauter
Die Häuser der Charité in Berlin-Mitte: Die Kritik gegen die Verantwortlichen der Uniklinik wird immer lauter

Der Missbrauchsfall an der Charité wirft neue Fragen auf: Der des Missbrauchs an einer 16-jährigen Patientin verdächtigte Pfleger an der Charité ist bereits 2005, 2009 und 2011 auffällig geworden. Diese Vorfälle sind seinerzeit auch der Klinik bekannt geworden. Das sagten Charité-Vorstandschef Karl Max Einhäupl und der ärztliche Direktor Ulrich Frei am Donnerstag vor der Presse. 2009 habe es nach einem Vorfall sogar eine Untersuchung des heute 58 Jahre alten Mannes durch einen Psychiater gegeben.

Einhäupl korrigierte seine Darstellung, er habe erst am Dienstagmittag von dem Missbrauchsfall erfahren. Schon am vergangenen Freitag nach der Aufsichtsratssitzung, wo es auch um die Verbesserung der internen Kommunikation gegangen war, habe ihm ein Personalrat "zwischen Tür und Angel" etwas von einem "Problem" zugerufen. Dabei sei auch das Wort "sexueller Missbrauch" gefallen, die Verantwortlichen seien aber an dem Thema dran. Er sei aber auf dem Weg zu einem anderen Termin gewesen und habe sich nicht um den Vorgang gekümmert. "Das habe ich am Freitag nicht richtig erfasst", sagte Einhäupl. "Das hätte ich besser verstehen müssen." Schuld an dieser oberflächlichen Bewertung sei sicherlich auch die mangelhafte "Berichtslinie" in diesem Fall im Unternehmen, so Einhäupl.

Einhäupl nennt Informationsfluss "nicht optimal"

Klinikdirektor Frei erfuhr nach eigenen Angaben wie Einhäupl am Freitag vergangener Woche davon, dass in der Nacht zu Mittwoch in der Kinderrettungsstelle am Campus Virchow ein Pfleger sich offenbar beim Auskleiden an einem 16-jährigen Mädchen vergangen hatte. Die Charité suspendierte den Mitarbeiter am Mittwoch, nachdem die Eltern des Mädchens den behandelnden Arzt informiert hatten. Weitergegeben hat er die Information aber erst an diesem Dienstag an den Vorstandsvorsitzenden. Einhäupl nannte das "nicht optimal". Eines der großen Probleme der Charité sei, dass die Informationsflüsse nicht organisiert und transparent genug seien. Auf keinen Fall gehe es darum, etwas zu vertuschen.

Kinderschutzteam riet zu Anzeige

Frei hat nach eigenen Worten auch am Freitag darüber nachgedacht, selbst Anzeige zu erstatten. Er habe aber erst noch ein für Montag dieser Woche angesetztes Personalgespräch mit dem Pfleger abwarten wollen. Der ärztliche Direktor sagte, das Kinderschutzteam der Charité habe zur Strafanzeige geraten. Die Rechtsabteilung habe jedoch dagegen argumentiert. Die Charité habe "alles richtig gemacht", sagte Frei, indem sie den Mitarbeiter freigestellt habe, nachdem die Vorwürfe bekannt geworden seien. Die Klinikleitung räumte ein, dass zuletzt 2011 die Mutter einer Patientin auf der Rettungsstelle Anzeige gegen den Pfleger erstattet habe, die Polizei sei auf der Station erschienen. Dennoch seien diese Ereignisse nicht in der Personalakte des Mitarbeiters vermerkt worden. Warum das nicht geschah, könne man nicht sagen, so Einhäupl.

Senatorin kritisiert die Verantwortlichen

Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD), die Aufsichtsratsvorsitzende der Universitätsklinik ist, sagte im Abgeordnetenhaus, es sei bereits jetzt klar, dass die Verantwortlichen Fehler gemacht hätten. Scheeres forderte den Vorstand der Klinik auf, die genauen Hintergründe und Abläufe offenzulegen: "Daraus wird sich ergeben, ob personelle Konsequenzen gezogen werden." Am Abend war die Charité-Spitze zu einem Gespräch zur Aufsichtsratsvorsitzenden einbestellt.

In diesem abendlichen Krisentreffen mit der Senatorin stimmte die Charité-Leitung zu, den Berliner Träger "Kind im Zentrum" (KIZ) in die Aufklärung mit einzubinden, um ein tragfähiges Kinderschutzkonzept auf die Beine zu stellen. KIZ sei ein sehr erfahrener Berater, sagte Scheeres. Er war auch bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Helios-Klinikum Buch einbezogen. Der Charité-Vorstand sagte zu, bis Montag einen schriftlichen Bericht über Informationswege, Berichtspflichten und Verantwortlichkeiten vorzulegen. Auf dieser Basis will Scheeres dann über Konsequenzen entscheiden.

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