22.11.12

Berlin-Boom

Mieten in Berlin steigen um bis zu 40 Prozent

Vor allem in Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf explodieren die Kosten. Insgesamt fehlen der Hauptstadt 150.000 Wohnungen.

Von Jens Anker
Foto: dpa

An einer Hausfassade in Berlin-Tiergarten protestieren Mieter gegen Luxus-Sanierungen
An einer Hausfassade in Berlin-Tiergarten protestieren Mieter gegen Luxus-Sanierungen

Neue Mieter müssen in Berlin 20 Prozent mehr zahlen als noch vor fünf Jahren. In manchen Innenstadtbezirken kosten neue Mietwohnungen sogar 40 Prozent mehr als im Jahr 2007.

Das geht aus dem aktuellen Marktmonitor des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) hervor. Für den Bericht hat der Verband knapp eine Million Verträge in Berlin und Brandenburg ausgewertet.

"Berlin wächst, auf dem Wohnungsmarkt wird es enger", sagte BBU-Vorstand Maren Kern am Mittwoch. Durchschnittlich müssen Neumieter in BBU-Beständen derzeit 5,60 Euro je Quadratmeter zahlen. Bei bestehenden Mietverträgen beträgt der Durchschnitt 5,04 Euro. Am meisten zahlen Neumieter in Charlottenburg-Wilmersdorf (6,27) und Steglitz-Zehlendorf (sechs Euro), am wenigsten in Marzahn-Hellersdorf (4,95 Euro) und Tempelhof-Schöneberg (5,35).

Da auch die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften Mitglied des BBU sind, liegen die Durchschnittsmieten unter denen anderer Anbieter. So liegen nach Angaben des BBU die Mieten von BBU-Mitgliedern in Friedrichshain-Kreuzberg mit 5,97 Euro je Quadratmeter um 30 Prozent unter denen anderer Anbieter (7,77 Euro). Auch in Tempelhof-Schöneberg (BBU: 5,35 Euro; andere: 6,67 Euro) und Pankow (BBU: 5,88 Euro; andere: 7,31 Euro) sind die BBU-Mieten deutlich günstiger. Im Durchschnitt zahlen BBU-Mieter der Untersuchung zufolge 20 Prozent weniger als bei anderen Anbietern.

Der BBU registrierte zwar einen starken Zuzug in die Innenstadt, gleichzeitig lässt sich nach Auskunft von Maren Kern derzeit noch keine massive Abwanderung einkommensschwacher Haushalte in Randbezirke feststellen. "Wir müssen die Stadtentwicklung aber im Auge behalten", sagte Kern. Erhöhter Mietdruck lasse sich bereits in Moabit, Wedding, der südlichen Luisenstadt in Kreuzberg und im Reuterkiez in Neukölln beobachten.

150.000 neue Unterkünfte sind in Berlin nötig

Angesichts der prognostizierten Bevölkerungszunahme von 250.000 Menschen in den kommenden 18 Jahren kann nach Ansicht des BBU bezahlbares Wohnen für einkommensschwache Mieter nur durch geförderten Neubau gesichert werden. Bis 2030 braucht Berlin nach BBU-Berechnungen mindestens 150.000 zusätzliche Wohnungen. In den kommenden zehn Jahren müssten jährlich 10.000 Wohnungen neu entstehen, forderte Kern. Die vom Senat geplanten 6000 neuen Wohnungen reichen demnach nicht aus, die drohende Wohnungsnot zu bekämpfen.

Gegenwärtig werde der Neubau zusätzlich durch bürokratische Schwierigkeiten gehemmt. "Die Rahmenbedingungen für den Bau neuer Wohnungen stimmen noch nicht", kritisierte Kern. Oft bekämen die Genossenschaften keine geeigneten Grundstücke angeboten, in den Bezirken sei es zudem zunehmend schwieriger und langwieriger wegen des Personalabbaus in den vergangenen Jahren Baugenehmigungen zu erhalten.

Der BBU fordert daher vom Senat, auch kleinere Grundstücke zu verkaufen und das Personal in den Bezirken nicht weiter abzubauen. Außer Ankündigungen, die Liegenschaftspolitik zu ändern, so dass auch Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften zum Zuge kommen könnten, habe sich bislang nichts geändert, kritisierte Kern.

Der BBU schlägt zinsvergünstigte Baudarlehen vor, die noch über das derzeit bereits sehr günstige Niveau hinausgehen. Außerdem sollten die Bezirke Belegungsrechte für bereits existierende Wohnungen kaufen und so günstigere Mieten ermöglichen. Insgesamt seien dafür jährlich 45 Millionen Euro Wohnungsbauförderung nötig. "Wenn man sieht, wie viel Geld für den Bau des Flughafens da ist, dürfte das nicht das Problem sein", sagte Kern.

Linkspartei fordert Deckelung der Mieterhöhung bei neuen Verträgen

Der Berliner Mieterverein fordert aus dem andauernden Anstieg der Berliner Mietpreise Konsequenzen. "Aufgrund fehlender Mietrechtsregelungen können auf dem angespannten Berliner Markt Vermieter leistungslose Mietsteigerungen einzig mit dem Ziel maximaler Rendite einfordern", kritisiert der Geschäftsführer des Mietervereins, Reiner Wild. "Dies ist vor allem zum Schaden der wohnungssuchenden Mieter", so Wild weiter. Die durchschnittliche Mietbelastung betrage laut Mikrozensus knapp 30 Prozent. Je kürzer der Mietvertragsabschluss zurückliege, desto höher die Belastung, habe die bundesweite Mikrozensuswertung ergeben.

Eine Deckelung der Mieterhöhung bei neuen Verträgen fordert auch die Linkspartei. "Es ist ein Anachronismus, dass die Höhe der Neuvertragsmieten anders als bei Bestandsmieten bundesrechtlich nicht limitiert ist", so die wohnungspolitische Sprecherin der Linken, Katrin Lompscher. "Diese Situation führt vor allem bei knapper werdendem Wohnraum zu sozialen Verwerfungen."

Probleme auf dem Wohnungsmarkt auch in Brandenburg

Auf dem Brandenburger Mietenmarkt verläuft die Entwicklung nach dem Mietmonitor unterschiedlich. Während das Berliner Umland sich im Takt der Hauptstadt entwickle, verläuft der Mietanstieg an den Rändern des Bundeslandes langsamer. Potsdam ist mit einer Bestandsmiete von 5,17 Euro je Quadratmeter dabei entgegen landläufiger Meinung nicht viel teurer als Berlin. Neue Mieter in der Landeshauptstadt müssen 5,66 Euro bezahlen. Vor allem die Angebote im östlichen Umland könnten bei Neuvermietungen auch deutlich günstiger sein.

Für die Brandenburger Randregionen wie die Landkreise Prignitz, Uckermark, Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz sagte der BBU wegen der negativen Bevölkerungsentwicklung eine neue Leerstandswelle voraus. Die niedrigste Miete muss in Pritzwalk (Prignitz) bezahlt werden (3,87 Euro je Quadratmeter). Die höchste fällt in der Gemeinde Wildau (Dahme-Spreewald) an (6,34 Euro). Dennoch sei in Brandenburg Wohnungsneubau nötig, weil es sich oft nicht lohne, alte Bausubstanz zu sanieren.

Im BBU sind 358 Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften in Berlin und Brandenburg vereint. Sie bewirtschaften nach eigenen Angaben rund 40 Prozent der rund 1,9 Millionen Mietwohnungen in Berlin und fast 50 Prozent der Mietwohnungen in Brandenburg.

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