21.11.12

Bettina Jarasch

Berlins Grünen-Chefin schließt Schwarz-Grün nicht aus

Den Grünen ist die Debatte über Bündnisse mit der CDU seit dem Berlin-Wahlkampf 2011 vertraut. Das öffnet Wege auf Bundesebene.

Von Florian Kain
Foto: Reto Klar
ja
Berlins Grünen-Chefin Bettina Jarasch will Schwarz-Grün im Bund nicht ausschließen

Morgenpost Online: Frau Jarasch, seit Ihre Partei überraschend Katrin Göring-Eckardt zur Spitzenkandidatin gekürt hat, diskutiert ganz Deutschland über Schwarz-Grün im Bund. Freut oder ärgert Sie das?

Bettina Jarasch: Ich finde die ganze Debatte seltsam. Unsere Basis hat Katrin Göring-Eckardt doch nicht deshalb gewählt, um 2013 ein Bündnis mit der CDU zu schmieden. Mein Eindruck ist nach sehr vielen Gesprächen mit unseren Mitgliedern, dass bei der Urwahl der Spitzenkandidaten vor allem der Wunsch nach einer personellen Erneuerung sehr stark gewesen ist. Die einzige Möglichkeit für unsere Basis, diesem Wunsch Ausdruck zu verleihen, war es, Katrin zu wählen. Denn alle anderen profilierten Kandidaten waren seit Jahren in herausgehobenen Positionen.

Morgenpost Online: Andererseits sind Ihre Mitglieder ja durchaus gut informiert und wissen auch, wofür eine Kandidatin steht. Dass Frau Göring-Eckardt sich eine Annäherung an die Union vorstellen kann, ist kein Geheimnis.

Bettina Jarasch: Unsere Basis war so klug, mit Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt ein Duo zu wählen, das ein breites Spektrum glaubwürdig abdecken kann. Jürgen, der nicht nur ein exzellenter Stratege und analytischer Vordenker in Europa- und Finanzfragen ist, sondern auch ein Parteilinker. Und Katrin, die sich in den vergangenen Jahren vor allem als Sozialpolitikerin einen Namen gemacht hat, die für einen etwas anderen Politikstil steht und auch mit ihrer Nähe zur Kirche weitere Wählerschichten ansprechen kann. Koalitionsfragen mögen für Insider spannend sein, aber die Grünen werden für ihre Programmatik gewählt und nicht wegen möglicher Regierungspartner. Grundsätzlich finde ich es richtig und notwendig, dass wir uns nicht einseitig an die SPD koppeln, auch wenn wir Rot-Grün bevorzugen. Erinnern Sie sich doch mal dar an, was uns im vergangenen Jahr nach der Abgeordnetenhauswahl in Berlin widerfahren ist! Für mich steht seitdem fest, dass wir Grünen uns nie wieder von einer SPD treiben lassen dürfen. Die Sozialdemokraten haben versucht, uns die Wähler zu vergraulen, indem sie uns ständig vorwarfen, wir wollten mit der CDU ins Boot. Das Ende vom Lied war dann, dass die SPD, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, selbst eine Koalition mit der CDU einging.

Morgenpost Online: Vielleicht hätten die Grünen einem Bündnis mit der CDU damals lieber von vornherein eine Absage erteilen sollen.

Bettina Jarasch: Unsere schwierige Situation bei der Berlin-Wahl hatte doch eher damit zu tun, dass Renate Künast von vorn her ein angekündigt hatte, sie wechsele nur dann ins Rote Rathaus, wenn sie auch Regierende Bürgermeisterin wird. Es wäre wirklich der falsche Zeitpunkt, jetzt durch die Gegend zu laufen und alle möglichen Optionen auszuschließen, nur weil der SPD das gut gefallen würde. Das ändert überhaupt nichts daran, dass wir alle gemeinsam Rot-Grün wollen. Man muss doch für etwas kämpfen können, ohne sicher zu wissen, ob es dafür am Ende auch reicht.

Morgenpost Online: Mehr als die Hälfte aller Bürger können sich Umfragen zufolge Schwarz-Grün im Bund vorstellen. Überrascht Sie das?

Bettina Jarasch: Nicht wirklich. Viele Menschen knüpfen an eine Koalition aus Union und Grünen eben auch die Hoffnung, dass die CDU sich weiter modernisiert. Wir müssen uns aber nüchtern die Frage stellen, ob wir in einer solchen Konstellation unsere politischen Ziele wirklich voranbringen können.

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