19.11.12

Wirtschaftsmotor

Die Pharmaindustrie boomt in Berlin

Jeder zehnte Beschäftigte, der in Deutschland Medikamente herstellt, arbeitet in Berlin. Die Branche ist die umsatzstärkste der Hauptstadt.

Von Joachim Fahrun
Foto: picture-alliance / Frank May

Jeder zehnte Beschäftigte, der in Deutschland Pillen und Medikamente herstellt, arbeitet in Berlin
Jeder zehnte Beschäftigte, der in Deutschland Pillen und Medikamente herstellt, arbeitet in Berlin

Die pharmazeutische Industrie erweist sich für Berlin als Wirtschafts- und Beschäftigungsmotor. Die Zahl der Beschäftigten hat in der Hauptstadt entgegen dem Bundestrend seit 2009 zugenommen. Gingen in Deutschland insgesamt 2,5 Prozent der Jobs in der Pharmabranche verloren, nahm deren Zahl in Berlin um 1,6 Prozent auf 9589 Beschäftigte zu. "Pharma spielt eine entscheidende Rolle in Berlin und ist ein wichtiger Wachstumskern", sagte am Montag Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Pharmaunternehmen (Vfa), der die erste Studie über Pharmastandorte vorgelegt hat und Berlin darin erhebliches Potenzial bescheinigt.

Jeder zehnte Beschäftigte, der in Deutschland Pillen und Medikamente herstellt, arbeitet in Berlin. Hier wird jeder siebte Euro erwirtschaftet, den die deutsche Pharmabranche insgesamt erlöst. Mit einem Umsatz von 5,6 Milliarden Euro bilden Bayer, Berlin Chemie, Pfizer und die 22 weiteren Pharmaunternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern die umsatzstärkste Branche der Berliner Industrie. Mit 17 Prozent an der Gesamtproduktion liegt Pharma vor der Elektrotechnik und dem Maschinenbau an der Spitze.

Wissenschaftlichen Netzwerke machen Berlin attraktiv

Nirgendwo sonst in der deutschen Pharmabranche ist die Produktivität der Mitarbeiter höher. Pro Kopf werden fast 600.000 Euro erwirtschaftet, das ist fast doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt, der bei 374.000 Euro pro Jahr liegt. Im Vergleich zu den anderen Industriebranchen in Berlin liegt die Wertschöpfung der Pharmabetriebe pro Mitarbeiter drei Mal so hoch. Nur die Investitionstätigkeit der Berliner Pharmafirmen sei angesichts einer Summe von 84 Millionen Euro im Jahr 2010 noch "ausbaufähig", wie die Autorin der Studie, Jasmina Kirchhoff vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, feststellte.

Besonders attraktiv sei die Hauptstadt wegen der dichten wissenschaftlichen Netzwerke, die sich hier knüpfen lassen, nannte Vfa-Chefin Fischer einen wesentlichen Grund für die Unternehmen, sich mit zentralen Funktionen hier anzusiedeln. Denn die Entwicklung von neuen Medikamenten ist außerordentlich forschungsintensiv. Der Pharmasektor sorgt entsprechend für fast ein Drittel der industriellen Forschung in Berlin.

Takeda aus Japan zieht es nach Berlin

Auch die Hauptstadtfunktion sei ein wichtiges Argument für internationale Unternehmen, sich mit Hauptquartieren und Vertriebszentralen anzusiedeln. Der nächste große internationale Konzern, der nach Berlin kommt, ist Takeda aus Japan. Im Zuge der Neuordnung seines Deutschland-Geschäfts nach der Übernahme von Nycomed konzentriert Takeda seine Vertriebsaktivitäten in Berlin, baut andernorts in Deutschland aber Personal ab.

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU), als frühere Vfa-Geschäftsführerin eine Kennerin der Pharmabranche, sagte, Pharma sei sicherlich innerhalb der Gesundheitswirtschaft die Schwerpunktbranche. Ihr Ziel sei es, neben den Zentralen auch die Produktion in Berlin zu erweitern. Dazu müsse vor allem für die kleinen neuen Biotech- und Pharmafirmen die Wachstumsfinanzierung ausgebaut werden. In der Gesundheitswirtschaft werde es zu einer stärkeren Konzentration auf die Themen Biotechnolgie, Pharma und Diagnostik kommen. Das seien die Zukunftsthemen der neuen personalisierten Medizin, bei der die Therapien direkt mit der Krankheitsdiagnose individuell ermittelt würden, so Yzer.

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