19.11.12

Finanzminister

Einbrecher dringen in Wohnung von Wolfgang Schäuble ein

Berliner Einbrecher haben sich ein prominentes Opfer ausgesucht - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Dabei verschwand auch sein Handy.

Von Michael Behrendt
Foto: DAPD
Während des Einbruchs war Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nicht zu Hause
Während des Einbruchs war Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nicht zu Hause

Berlins Straftäter machen auch vor Bundespolitikern nicht halt: Unbekannte sind nach Informationen Morgenpost Online bereits am 7. November in die Privatwohnung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) eingebrochen und haben persönliche Gegenstände sowie sein Mobiltelefon entwendet.

Das für den Schutz des Politikers zuständige Bundeskriminalamt (BKA) bestätigte den Vorfall auf Anfrage, machte aber keinerlei Angaben zu Einzelheiten des Zwischenfalls. Auch das Ministerium wollte sich "zu sicherheitsrelevanten Fragen nicht äußern".

Nach Angaben eines Ermittlers sind die Täter in der Zeit zwischen 18 und 21 Uhr in die Räume im Gebiet der Polizeidirektion 2 (Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau) eingedrungen. Es sei im Moment noch nicht klar, ob die Unbekannten gezielt Schäubles Wohnung für den Einbruch auswählten oder ob dies zufällig geschah.

Eine Sprecherin des BKA legte Wert auf die Feststellung, dass sich Wolfgang Schäuble zum Zeitpunkt des Einbruchs nicht in der Wohnung aufgehalten habe und demzufolge auch seine Personenschützer nicht anwesend gewesen seien. Für den Objektschutz als solcher sei die Länderpolizei zuständig.

Mit Schäubles Telefon auch wichtigen Nummern gestohlen

Ein ranghoher Polizeiführer bewertete den Einbruch bei dem Bundesfinanzminister als "eklatantes Sicherheitsproblem". In diesem Fall sei zwar nur ein Mobiltelefon erbeutet worden, aber in diesem könnten "sicherlich nicht unwesentlich wichtige Telefonnummern" gespeichert gewesen sein.

"Herr Schäuble hat sicherlich gutes Sicherheitspersonal an seiner Seite. Aber es hätte in diesem Fall auch ein Psychopath sein können, der sich Zugang zu den Räumen des Politikers verschafft." Die Berliner Polizei hatte den Einbruch nicht öffentlich gemacht, sondern lediglich auf Anfrage bestätigt, dass er sich ereignet hat. Der Vorgang werde beim Landeskriminalamt bearbeitet, hieß es.

Wie eine Sprecherin erklärte, gebe es auf Wunsch des Bundesfinanzministers jedoch keinen ständigen Objektschützer vor seinem Haus. Der Streifendienst der Schutzpolizei kontrolliere die Umgebung aber regelmäßig mit seinen Fahrzeugen.

Nun hat es einen Prominenten getroffen. Seit Monaten nehmen die Einbrüche in Berlin allgemein zu. Bereits 2011 war die Zahl von Einbruchsdiebstahl aus Wohnräumen drastisch um mehr als ein Viertel gestiegen. Die aktuelle Kriminalstatistik weist demnach für das vergangene Jahr eine Zunahme von 26,3 Prozent gegenüber 2010 aus. Nach 8713 Einbrüchen in 2010 stieg die Zahl der Anzeigen in 2011 auf 11.012 an. Alarmierend auch die Tendenz für das laufende Jahr – bis zum 30. Juni waren in der Hauptstadt bereits 5919 Fälle bekannt geworden.

Einbrüche nehmen in Berlin stetig zu

Auch am Dienstag musste die Pressestelle der Berliner Polizei drei Fälle melden. So haben Beamte des Abschnitts 35 am Sonntag gegen 18.30 Uhr ein Mann in Wedding festgenommen, nachdem er an der Reinickendorfer Straße in eine Kindertagesstätte eingebrochen war. In seinem Rucksack wurden Elektronikartikel entdeckt. Zwei Stunden später stellten Polizeibeamte einen 39-Jährigen, der an der Yorckstraße in Kreuzberg gerade aus einem Getränkehandel kam. Er hatte zuvor ein Oberlicht eingeschlagen, um ins Ladeninnere zu gelangen.

Am Montag wurde auch ein 32 Jahre alter Mann dem Haftrichter vorgeführt. Er hatte in der Nacht zum Montag mit zwei Komplizen versucht, den Geldautomaten einer Bankfiliale an der Gartenfelder Straße in Haselhorst aufzubrechen. Er flüchtete zu Fuß und wurde nahe einer Grünanlage gestellt, während seine Mittäter in einem Auto entkommen konnten.

Die Berliner Sicherheitsbehörden hatten Anfang August angekündigt, den massiv gestiegenen Fallzahlen von Einbrüchen in Wohnungen und Einfamilienhäusern mit einer Aufklärungsaktion begegnen zu wollen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte dies allerdings als hilfloses Unterfangen.

"Das Risiko der Täter, entdeckt zu werden, ist wegen der Personaleinsparungen der vergangenen Jahre gesunken", sagte Berlins GdP-Chef Michael Purper der Berliner Morgenpost. Schwerpunkteinsätze könnten wegen fehlenden Personals nur kurzfristig durchgehalten werden. Die Voraussetzung für Fortschritte im Kampf gegen Einbruchdiebstahl sei nur durch ständige Aufklärung, Observation und beweissichere Festnahmen durch die Polizei zu erzielen.

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