16.11.12

Prozessauftakt

20-Jährige am Hermannplatz mitgezerrt und vergewaltigt

Der Prozess zum Überfall auf eine junge Frau beginnt am 29. November. Sie wurde von drei jungen Männern mehrfach vergewaltigt.

Von Michael Mielke
Foto: picture-alliance/ ZB

Am U-Bahnhof Hermannplatz ereignete sich die Vergewaltigung im Juni 2011
Am U-Bahnhof Hermannplatz ereignete sich die Vergewaltigung im Juni 2011

Sabine K. (Name geändert) kam 2. Juni vorigen Jahres von einem Freund. Sie war angetrunken, aufgekratzt und zunächst offenbar auch bereit, sich mit einer Gruppe junger Männer zu unterhalten. Dieses Zusammentreffen gab es in der Nacht des 3. Juni 2011 im U-Bahnhof Hermannplatz in Neukölln. Den Polizei-Ermittlungen zufolge wurde die 20-Jährige wenig später von drei jungen Männern mehrfach vergewaltigt. Gegen die mutmaßlichen Täter beginnt am 29. November vor einer Moabiter Jugendkammer der Prozess. Die Ankläger gehen von einer sicheren Beweislage aus, bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner.

Opfer nach Tat traumatisiert

Anfangs sah es erst einmal nicht so aus: Sabine K. soll nach den Vergewaltigungen derart traumatisiert gewesen sein, dass sie zu keiner verwertbaren Aussage fähig war. Erst Wochen später war die 20-Jährige bereit und psychisch in der Lage, das Geschehen aus ihrer Sicht zu schildern. Inzwischen soll es zu ihren Angaben auch ein aussagepsycholgisches Gutachten geben, in dem bestätigt wird, dass die junge Frau bei der Polizei die Wahrheit sagte.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter sie gegen drei Uhr auf dem U-Bahnhof Hermannplatz entdeckten und gemeinsam den Plan fassten, sie sexuell zu bedrängen und zu vergewaltigen. Sie soll anfangs noch mit den jungen Männern gescherzt und mit einem von ihnen sogar ein wenig geflirtet haben. Das sei aber "kein Freibrief, über die junge Frau brutal herzufallen und sie mehrfach zu vergewaltigen", sagte Anwalt Mirko Röder, der für Sabine K. die Nebenklage vertreten wird.

Die Täter sollen die junge Frau zunächst begleitet und dabei schon an den Brüsten und am Schritt begrapscht haben. Auf einen etwa 200 Meter vom U-Bahnhof Hermannplatz entfernten Spielplatz an der Silbersteinstraße habe dann einer der Täter gesagt, dass er mit ihr Geschlechtsverkehr haben wolle. Als sie das ablehnte, sei gewaltsam entkleidet, geschlagen, festgehalten und den Tätern nacheinander vergewaltigt worden.

Überwachungsfotos veröffentlicht

Das Opfer wurde gegen 3.30 Uhr von einer Passantin gefunden. Die Frau alarmierte sofort die Polizei. Sabine K. habe geweint und gestammelt, dass mit ihr gerade etwas Schlimmes passiert sei, sagte die Passantin. Andere Zeuginnen hatten drei junge Männer gesehen, die an ihnen vorbei rannten und vom Spielplatz kamen.

Die Polizei nahm sofort Ermittlungen auf. Spuren am Tatort führten zunächst aber nicht weiter. Eben sowenig Aufnahmen, die im U-Bahnhof von einer Überwachungskamera aufgezeichnet wurden. Sie zeigen, wie Sabine K. auf dem Bahnsteig umringt, angesprochen und bedrängt wird. Doch niemand schien diese jungen Männer zu kennen. Einen Erfolg gab es erst, als sich die Kripo ein Jahr nach der Tat entschloss, die Fotos der Männer zu veröffentlichen. Ein Verdächtiger trug ein rotes Basecup und rotes T-Shirt. Ein anderer hatte ein weißes T-Shirt an mit der bunten Aufschrift "Tokyo".

Die Fotos erschienen am 12. Juni. Am Abend desselben Tages kamen drei zwischen 17 und 19 Jahre alte Männer in Begleitung einer Anwältin zum Landeskriminalamt an der Charlottenburger Keithstraße und gaben zu Protokoll, dass sie Personen auf den Fotos seien. Alle drei machten keine Angaben zu den Vorwürfen. Sie wurden festgenommen, sind aber von Untersuchungshaft verschont.

Angeklagte räumen Sex ein

Geständnisse gibt es bislang nicht. Von zwei Angeklagten soll es jedoch DNA-Spuren geben. Sie wurden an der Kleidung von Sabine K. und in gebrauchten Kondomen gefunden, die auf dem Spielplatz unweit des Tatortes lagen. Die Angeklagten sollen auch gar nicht abstreiten, dass es zu sexuellen Kontakten gekommen sei. Es sei angeblich jedoch alles einvernehmlich geschehen. Anwalt Röder sieht das als widerlegt an: "Die unmittelbar nach der Vergewaltigung gefundenen Verletzungen und auch der psychische Zustand meiner Mandantin lassen darauf schließen, dass es sich hier keineswegs um einvernehmlichen Sex gehandelt hat."

Wichtigste Zeugin in diesem Prozess wird nun – wie stets bei mutmaßlichen Vergewaltigungen – das Opfer selbst sein. Sabine K. habe große Probleme damit, den Peinigern gegenübertreten zu müssen, sagte Anwalt Röder. "Meiner Mandantin geht es immer noch sehr schlecht. Es ist fraglich, ob sie diese erlittene Gewalttat jemals richtig verarbeiten kann."

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