13.11.12

Flüchtlinge

Berliner Senat sucht dringend Unterkünfte für Asylbewerber

Mindestens tausend Plätze fehlen in der Hauptstadt bis Jahresende. Sozialsenator Mario Czaja bittet die Berliner Bezirke um Hilfe.

Von Christina Brüning
Foto: dpa

Protest von Asylbewerben am Brandenburger Tor: Bis Jahresende benötigt Berlin 1000 Plätze für Flüchtlinge
Protest von Asylbewerben am Brandenburger Tor: Bis Jahresende benötigt Berlin 1000 Plätze für Flüchtlinge

In Berlin fehlen Hunderte Plätze für Asylbewerber. Allein im Oktober seien 618 asylsuchende Personen in Berlin aufgenommen worden, bis Jahresende würden nach Prognosen etwa 1000 weitere Plätze gebraucht, schlug die Senatssozialverwaltung am Montag Alarm. Am Donnerstag berät Sozialsenator Mario Czaja (CDU) mit den Bezirksbürgermeistern über mehr Unterkünfte und eine gleichmäßigere Verteilung der Flüchtlinge in den Stadtteilen.

In Berlin gibt es derzeit so viele Flüchtlinge wie seit Jahren nicht mehr. Ein Grund seien Konflikte in Nordafrika und in der ehemaligen Sowjetunion, hieß es. Außerdem sei der Anteil an Wirtschaftsflüchtlingen gestiegen. Rund 4900 Personen brachte das zuständige Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in diesem Jahr schon unter – teilweise in Notunterkünften. 2011 haben insgesamt 5413 Menschen ihren Erstantrag auf Asyl in Berlin gestellt, letztlich blieben aber nur 2316 von ihnen in Berlin. Die anderen wurden auf andere Bundesländer verteilt.

"Das Lageso ist permanent damit beschäftigt, nach Unterkünften zu suchen", sagte die Sprecherin der Sozialverwaltung, Franciska Obermeyer, am Montag. Insbesondere würden Bezirke angesprochen, die bisher weniger Flüchtlinge aufgenommen haben. Doch letztlich müsse der Senat jeden Platz nehmen, der kurzfristig angeboten werde. Wegen des fehlenden Wohnraums sucht der Senat seit vergangener Woche auch offiziell per Ausschreibung weitere Betreiber von Gemeinschaftsunterkünften.

Lichtenberg mit den meisten Asylbewerbern

Lichtenberg hat die mit mehr als 1100 die meisten Asylbewerber aufgenommen. In Reinickendorf, Neukölln und Steglitz-Zehlendorf sind mit unter 100 Belegungen die wenigsten Menschen einquartiert. Reinickendorfs Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) wies Kritik daran zurück. "Wir werden weiterhin so viele Menschen aufnehmen, wie es die Situation zulässt", sagte Balzer. Nur besitze sein Bezirk keine leer stehenden Gebäude mehr.

Balzer plädierte dafür, die Vermittlung von Asylsuchenden an andere Bundesländer zu beschleunigen, warnte aber auch davor, die Lage zu dramatisieren. Ende der 90er-Jahre seien mehr als doppelt so viele Asylsuchende in der Stadt gewesen wie derzeit.

Die Berliner Diakonie bezeichnete die Lage in den Gemeinschafts- und Notunterkünften am Montag als "katastrophal". Diakoniedirektorin Susanne Kahl-Passoth forderte den Senat auf, ein Konzept zur Wohnraumversorgung vorzulegen. Flüchtlinge, Geringverdiener und Hartz IV-Empfänger seien auf bezahlbare Wohnungen angewiesen. Viele Flüchtlinge könnten, selbst wenn sie es wollten, nicht aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen, weil sie keinen bezahlbaren Wohnraum in Berlin finden würden, sagte die Diakonie-Chefin.

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