13.11.12

Neubaustrecke

Tram zu Berlins Hauptbahnhof fährt erst ab Sommer 2014

Kein Ende für den Dauerstau: Arbeiten an der Invalidenstraße dauern sechs Monate länger - unter anderem wegen fehlender Genehmigungen.

Von Markus Falkner
Foto: dpa

Tram an den Koppeltürmen am Frankfurter Tor: Nach Abschluss aller Bauarbeiten sollen die Straßenbahnen nahezu alle drei Minuten den Verkehrsknoten am Hauptbahnhof ansteuern
Tram an den Koppeltürmen am Frankfurter Tor: Nach Abschluss aller Bauarbeiten sollen die Straßenbahnen nahezu alle drei Minuten den Verkehrsknoten am Hauptbahnhof ansteuern

Mehr als sechs Jahre Verspätung hat sie schon – die Straßenbahn zum Hauptbahnhof. Nun droht eine weitere Verzögerung. Statt, wie zuletzt geplant, Ende des Jahres 2013 können die ersten Züge wohl frühestens im Sommer 2014 über die 2,4 Kilometer lange Neubaustrecke vom Nordbahnhof zur Wendeschleife westlich des Hauptbahnhofs rollen.

Und selbst das ist nach Informationen von Morgenpost Online noch fraglich. Denn zeitgleich zur Tram-Verlängerung wird, wie berichtet, die Invalidenstraße in beiden Richtungen zweispurig für den Autoverkehr ausgebaut. Geplante Fertigstellung ist im Jahr 2015. Zumindest Teile der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sehen eine vorzeitige Teil-Inbetriebnahme der Straßenbahn kritisch, heißt es. Rollt die Bahn, während an der Straße noch gebaut wird, könne das die Arbeiten verkomplizieren, so die Befürchtung.

Offiziell reagierte die Senatsverwaltung am Montag mit Unverständnis auf die vermeintlich drohende Terminverschiebung. Erst jüngst habe Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler bei der BVG schriftlich angefragt, ob die Arbeiten im Zeitplan beendet werden könnten, sagte Behördensprecherin Petra Rohland am Montag. Von einer erneuten Verzögerung sei in der Antwort der Verkehrsbetriebe keine Rede gewesen.

Ein Grund für die aktuellen Verzögerungen beim Straßenbahn-Bau sollen nach Informationen von Morgenpost Online unter anderem Arbeiten an Versorgungsleitungen im Bereich der Baustelle sein. Die für die Bauarbeiten nötige Verlegung von Leitungen habe schon jetzt länger gedauert als geplant, unter anderem weil die Versorgungsunternehmen aus Kostengründen nur im Ein-Schicht-Betrieb arbeiten, heißt es. Aktueller Zeitverzug dadurch: vier Monate.

Alle drei Minuten eine Straßenbahn

Auf sechs Monate summiert sich die Verzögerung durch ein anderes Problem. Eine der geplanten Tram-Haltestellen wird über dem Tunnel für die künftige S-Bahnlinie S21 (Nordring-Hauptbahnhof) errichtet. Für die Haltestellen-Planungen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gibt es aber noch keine Genehmigung durch das Eisenbahn-Bundesamt. Hinzu kommen Auflagen der Verkehrslenkungsbehörde. So könne die Kreuzung Invalidenstraße/Chausseestraße erst gesperrt werden, wenn die Straßenarbeiten am Platz vor dem neuen Tor abgeschlossen seien. Alles zusammengerechnet kommen die Planer der BVG intern auf eben jene neue Verzögerung um ein halbes Jahr.

Der Ausbau der Invalidenstraße samt Tram-Verlängerung ist seit Jahren ein Streitfall. 2004 musste das gesamte Planungs- und Genehmigungsverfahren gestoppt und neu aufgerollt werden. Der ursprünglich angepeilte Eröffnungstermin im Frühsommer 2006, zeitgleich mit der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs, platzte. Erst seit Juni 2011 laufen nun tatsächlich die Bauarbeiten an der Invalidenstraße – unter dem Protest von Anliegern und Umweltschützern und zum Ärger der Autofahrer, die sich täglich durch den Dauerstau quälen müssen.

Juristisch haben die Gegner des Ausbaus einstweilen verloren. Im Dezember 2011 scheiterten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und ein Anrainer in zweiter Instanz mit einer Klage gegen das Projekt. Das Oberverwaltungsgericht lehnte ihren Antrag auf Zulassung der Berufung gegen das Urteil der Vorinstanz ab.

Zuletzt hatte die BVG geplant, bestenfalls Ende 2013 die ersten Züge der Metrotramlinie M6 auf der Nordseite des Bahnhofs halten zu lassen, später auch die Linien M8 und M10. Aus Sicht der BVG ist angesichts der aktuellen Situation eine vollständige Inbetriebnahme frühestens im vierten Quartal 2014 möglich. Erst dann wird sich die Anbindung des Hauptbahnhofs – etwa aus Prenzlauer Berg – deutlich verbessern. Nach Abschluss aller Bauarbeiten sollen die Straßenbahnen nahezu alle drei Minuten den Verkehrsknoten am Hauptbahnhof ansteuern. 24.000 Fahrgäste täglich verspricht sich die BVG auf der neuen Verbindung.

Nun müssen Straßenbahn-Fahrgäste und Autofahrer wohl noch länger mit dem Nadelöhr leben. Und seit wenigen Wochen hat sich für letztere die Situation noch einmal verschärft. Weil die Deutsche Bahn nahe dem Hauptbahnhof an der Anbindung für die künftige S-Bahnlinie S21 arbeitet, ist mit dem Friedrich-List-Ufer eine weitere Straßenverbindung gekappt – und das nach Angaben der Bahn gleich für zweieinhalb Jahre.

16 Meter unter dem Europaplatz und dem Friedrich-List-Ufer sollen Ende 2017 S-Bahnzüge im neuen Bahnhofstrakt halten. Einziger Trost für Autofahrer in Mitte: Den Tunnel für die S-Bahn unter der Invalidenstraße hat die Bahn bereits beim Bau des Hauptbahnhofs vorbereitet. Eine Vollsperrung der Straße ist deshalb nun nicht mehr nötig.

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