10.11.12

Kontrolle

Jeder vierte Berliner Autofahrer unter Drogeneinfluss

Elf von 41 Autofahrern sind bei einer Verkehrskontrolle in Rummelsburg positiv getestet worden. Das Ergebnis zeigt einen gefährlichen Trend.

Von Hans H. Nibbrig
Foto: dpa-tmn

Erschreckende Bilanz: Jeder vierte kontrollierte Autofahrer stand unter Drogeneinfluss
Erschreckende Bilanz: Jeder vierte kontrollierte Autofahrer stand unter Drogeneinfluss

Auf den Straßen Berlins treiben nicht nur Raser und Betrunkene ihr gefährliches Unwesen. Immer wieder muss die Polizei auch Autofahrer aus dem Verkehr ziehen, die unter Einfluss von Drogen unterwegs sind. Diese Gruppe ist in den vergangenen Jahren zu einem gravierenden Problem geworden. Allein im ersten Halbjahr 2012 wurden 1678 Autofahrer unter Drogeneinfluss erwischt, knapp 300 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Polizei reagiert auf solche Entwicklungen stadtweit mit gezielten Kontrollen. Und erlebt dabei häufig Erstaunliches, wie zuletzt am Donnerstag in Rummelsburg.

Mehrere Stunden führten die Beamten des Verkehrsdienstes an der dortigen Marktstraße eine Sonderkontrolle durch. Das Ergebnis: Von 41 überprüften Fahrzeugführern unterzogen sich 38 einem sogenannten Drogenvortest. Bei elf Fahrern fiel er positiv aus. Die Betroffenen, zehn Männer und eine Frau im Alter zwischen 23 und 42 Jahren, wurden anschließend zu einer Gefangenensammelstelle gebracht, wo ihnen Blut entnommen wurde. Mit diesen Maßnahmen soll nunmehr beweissicher ermittelt werden, welche Drogen in welcher Menge die vorübergehend Festgenommenen konsumiert haben. Nach der Blutentnahme durften die elf Autofahrer ihren Weg fortsetzen – zu Fuß.

Drogenbedingte Unfälle steigen um 125 Prozent

Dass die Drogentests bei mehr als einem Viertel der kontrollierten Verkehrsteilnehmer positiv ausfielen, war selbst für erfahrene Beamte des Verkehrsdienstes ungewöhnlich. Insbesondere, da die Sonderkontrolle nicht einmal in der Nacht, wenn zahlreiche Feierwütige in Berlin unterwegs sind, durchgeführt wurde. Die Beamten kontrollierten am späten Nachmittag zwischen 16 Uhr und 18.30 Uhr sowie nochmals am Abend zwischen 20 und 23 Uhr – also im Feierabendverkehr.

Die elf betroffenen Fahrer in Rummelsburg wurden aus dem Verkehr gezogen, bevor sie Schlimmeres anrichten konnten. Das gelingt allerdings nicht immer. Im vergangenen Jahr wurden in Berlin 640 Unfälle von Fahrern unter Drogeneinfluss verursacht. In Berlin liegt die Anzahl der durch Drogen verursachten Unfälle seit Jahren auf einem hohen Niveau. Bundesweit ist die Anzahl solcher Unfälle einer TÜV-Studie zufolge in den vergangenen 15 Jahren um 125 Prozent gestiegen.

Über die Dunkelziffer derer, die sich in der Hauptstadt "bekifft" hinter das Steuer setzen, ohne erwischt zu werden, lässt sich nur spekulieren.

TÜV warnt vor gravierenden Folgen

Unbestritten sind hingegen die Gefahren, die von Drogen im Straßenverkehr ausgehen. Eine vom TÜV erstellte Liste macht deutlich, welche Auswirkungen der Konsum haben kann. Cannabisprodukte wie Haschisch und Amphetamine wie zum Beispiel Ecstasy-Pillen sind die am häufigsten konsumierten Drogen. Aber auch Kokain und vor allem in Medikamenten enthaltene Opiate spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Verlängerung der Reaktionszeit, eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit, Bewegungs- und Sehstörungen, das sind die häufigsten Auswirkungen beim Konsum von Cannabis. Amphetamine und Kokain hingegen führen häufig zu enthemmtem und risikobereiten Rasen sowie zu einer Überschätzung des eigenen Leistungsvermögens. Opiate erzeugen mangelnde Aufmerksamkeit, Nervosität und Schläfrigkeit.

Der Polizei sind derartige Gefahren bewusst, sie hat sich auf diese alarmierende Entwicklung längst ein gest ellt. Für den Nachweis von Drogen nutzt die Berliner Polizei vor allem Urin-Schnelltests, durch die der Wirkstoff THC nachgewiesen werden kann. In anderen Bundesländern werden häufig Schweiß- oder Speichelproben genommen. Marcus van Stegen, Leiter des Zentralen Verkehrsdienstes, hält die Berliner Methode allerdings für die bessere.

"In Bezug auf Verlässlichkeit geht nichts an den Urin-Tests vorbei", so der oberste Verkehrsüberwacher der Stadt. Neben moderner Technik setzt die Behörde bei der Verkehrsüberwachung auch auf die fachliche Kompetenz ihrer Mitarbeiter. Vor allem die Beamten des Zentralen Verkehrsdienstes und der Verkehrsdienste der sechs Direktionen haben in den vergangenen Jahren eine Vielzahl theoretischer und praktischer Schulungen absolviert. Das habe dazu geführt, dass die Beamten Drogenkonsumenten besser erkennen könnten, sagte van Stegen. Ein geschultes Auge sei unerlässlich, denn im Gegensatz zu betrunkenen Fahrern ließen sich Menschen unter Drogeneinfluss wesentlich schwerer erkennen.

Auch die Prävention spielt für die Berliner Ordnungshüter eine große Rolle. Beamten gehen in Schulen und Jugendzentren, um über die Gefahren von Drogen im Straßenverkehr zu informieren.

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