09.11.12

Eckpunktepapier

Das Schulessen in Berlin soll teurer werden

Die Senatsverwaltung hat ein Konzept für besseres Schulessen erarbeitet. Aus den Eckpunkten geht hervor: Der Preis von zwei Euro wird überschritten.

Von Florentine Anders
Foto: Reto Klar
ja
Mittagessen: Nicht immer landet in der Schulmensa auch das auf dem Teller, was in den Qualitätskriterien vorgeschrieben ist

Schon zwei Monaten lang arbeitet die Senatsverwaltung für Bildung an einem neuen Konzept für ein besseres Schulessen. Nun ist es da, doch das Papier wirft mehr Fragen auf, als es Antworten gibt.

Das Konzept besteht aus groben Eckpunkten, die noch mit den anderen Senatsverwaltungen und den Betroffenen abgestimmt und ausgestaltet werden sollen. Auch mit den Eltern will die Verwaltung dabei zusammenarbeiten.

Die grobe Linie zumindest sieht vor, dass das Schulessen künftig zu einem einheitlichen Preis ausgeschrieben werden soll. Der Wettbewerb soll über die Qualität entschieden werden. Wie hoch dieser Preis sein soll und ob es sich um eine Spanne oder einen Festpreis handeln soll, steht allerdings noch nicht fest. Ebenso unklar ist bislang, in welchem Umfang die Elternbeiträge steigen und welchen Anteil das Land beisteuern wird.

Studie geht von Essenspreisen über drei Euro aus

Klar ist nur, dass der Preis über den aktuell gängigen zwei Euro pro Portion liegen muss. Denn schon bei der letzten Ausschreibung im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg vor den Sommerferien hatten sich die großen Berliner Schulessen-Caterer geweigert, zu diesen Konditionen ein Angebot abzugeben. Zu diesem Preis seien die geforderten Qualitätsstandards nicht mehr einzuhalten, hieß es vom Verband der Berliner Caterer.

Eine vom Senat in Auftrag gegebene Studie, die Anfang September veröffentlicht wurde, hatte die Aussagen der Caterer bestätigt. Um die Qualitätsstandards einzuhalten, müssten pro Portion an der Grundschule 3,17 bis 3,36 Euro gezahlt werden. Das zeigten die Modellrechnungen der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Das deutliche Defizit in der derzeitigen Preiskalkulation macht sich an den Schulen bereits bei den Speiseplänen der Anbieter bemerkbar. Schon hier würden häufig Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nicht eingehalten, hieß es in der Studie.

Kinder an Schulessen erkrankt

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) wollte auf Grundlage der Studie eine breite Debatte über die Qualität des Schulessens anstoßen. Doch die Ereignisse vor den Oktoberferien zwangen die Verwaltung zu schnellerem Handeln. Mehrere Tausend Kinder erkrankten am Schulessen eines Großcaterers. Einige Schulen mussten sogar schon vor den Ferien geschlossen werden.

Viele Eltern hinterfragen das Angebot an den Schulen nun genauer. Einige fordern Neuausschreibungen. Doch das ist erst dann möglich, wenn geklärt ist, auf welcher Grundlage künftig das Essen ausgeschrieben werden soll.

Kostenfrage noch nicht geklärt

"Wir gehen davon aus, dass sich die Preisspanne an den Ergebnissen der Studie orientieren muss", sagt Cornelia Partmann vom Landeselternausschuss Schule. Auch Rolf Hoppe vom Verband der Berliner Schulcaterer sagt, eine Drei müsse schon vor dem Komma stehen. Doch es ist nicht geklärt, wer das bezahlen soll. Bisher teilen sich Eltern und Land die Kosten zumindest in den Grundschulen. An den weiterführenden Schulen müssen die Eltern das Essen voll bezahlen.

Der Vorschlag des Landeselternausschusses, die Beiträge einkommensabhängig zu staffeln, stößt in den Bezirken wegen des hohen Verwaltungsaufwandes offenbar auf wenig Gegenliebe. "Das verstehen wir nicht", sagt Cornelia Partmann vom Landeselternausschuss Schule. Schließlich würden die Hortbeiträge ohnehin einkommensabhängig gestaffelt. Die Daten müssten also ohnehin erhoben werden, so die Elternvertreterin. Viele Befürworter findet der Vorschlag der Senatorin, die Ausschreibungen in den Bezirken nach einheitlichen Standards zu gestalten und eventuell auch von einer zentralen Stelle aus zu organisieren. "Es ist wichtig, dass die Ausschreibungen professionalisiert werden", sagt Hoppe. Teilweise würden Bezirke Standards festlegen, die sich gegenseitig widersprechen, weil die jeweiligen Mitarbeiter nicht im Thema stünden. "Meine Hoffnung ist es, dass sich alle Bezirke auf eine Linie einigen. Denn nur wenn die Bezirke gemeinsam an einem Strang ziehen, kann das Schulessen in ganz Berlin nachhaltig verbessert werden", sagt Scheeres.

Uneinigkeit in Berliner Bezirken

Doch die Bezirke auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, wird schwierig. Das zeigen die ersten Reaktionen. Während die einen froh wären, bei den Ausschreibungen entlastet zu werden, befürchten andere einen weiteren Schritt zur Entmachtung der Bezirke.

"Mindeststandards wären gut, es muss aber die Möglichkeit erhalten bleiben, auch zusätzliche Anforderungen für den Bezirk zu formulieren, wie etwa geringere Standzeiten", sagt Kathrin Schultze-Berndt (CDU), Bildungsstadträtin von Reinickendorf. Auch eine zentrale Ausschreibungsstelle, etwa im Senat, lehnt die Stadträtin ab. Das sei zu weit von den Betroffenen entfernt, sagt sie. Hilfe bräuchten die Bezirke eher bei der Kontrolle des Schulessens.

Das Eckpunktepapier sieht auch vor, dass die Qualität des Essens von unabhängigen Kontrolleuren stichprobenartig geprüft werden soll. Aber auch die Frage, wer diese Aufgabe übernehmen soll, bleibt zunächst offen. Am kommenden Donnerstag soll das Konzept im Bildungsausschuss diskutiert werden.

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