09.11.12

Ticket-Streit

BVG-Chefin Nikutta droht mit Ausstieg aus VBB-Vertrag

Der Streit um die Aufteilung der Fahrgelder im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) spitzt sich zu. Die BVG geht nun in die Offensive.

Von Thomas Fülling
Foto: JOERG KRAUTHOEFER

Klagt: BVG-Chef Sigrid Nikutta
Klagt: BVG-Chef Sigrid Nikutta

Der Konflikt im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) um die Aufteilung der Fahrgelderlöse spitzt sich weiter zu.

Die Vorstandschefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta, hat angekündigt, den Vertrag zur Einnahmeaufteilung zum Jahresende aufzukündigen, wenn der Streit nicht rasch geklärt wird. "Ich bin dazu verpflichtet, von der BVG wirtschaftlichen Schaden abzuwenden. Da habe ich gar keine andere Wahl", sagte Nikutta vor dem Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Laut Nikutta drohen den landeseigenen Verkehrsbetrieben im nächsten Jahr Einnahmeausfälle von sechs, wenn nicht gar 34 Millionen Euro, wenn die Fahrgeldeinnahmen im Verbund nicht mehr nach den bislang gültigen Schlüsseln verteilt werden. "Schon sechs Millionen Euro sind bei einem Unternehmen, das trotz stark steigender Fahrgastzahlen mit eine Jahresverlust von 58 Millionen Euro rechnen muss, viel Geld", sagte Nikutta.

Vertrag der 41 VBB-Mitgliedsunternehmen

Da die Einnahmeaufteilung innerhalb des VBB von allen 41 Mitgliedsunternehmen akzeptiert werden muss, reicht die Kündigung eines einzigen Verkehrsbetriebs aus, um das System ins Wanken zu bringen. Da ohne Aufteilungsvertrag die Einnahmen aus den Ticketverkäufen beim jeweiligen Unternehmen bleiben, droht ein teurer Wettstreit um jeden Kunden. Dieser könnte, so ist sich die BVG sicher, mittelfristig zu steigenden Fahrpreisen und im schlimmsten Fall zu einem Ende des Einheitsfahrscheins innerhalb des Verkehrsverbundes führen.

Ausgelöst hatte der VBB den Konflikt durch eine Umstellung der Verkehrsverträge im Regionalverkehr. Ab Dezember müssen die Bahn-Tochter DB Regio und die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) die Einnahmen aus dem Ticketverkauf komplett an den VBB abliefern. Gewinner sind die Länder, die zusätzlich mehrere Millionen erhalten. Angesichts des Systemwechsels hatte erst DB Regio, dann auch die S-Bahn Berlin den dreiseitigen Vertrag mit der BVG zur Aufteilung der Fahrgeldeinnahmen aus dem Tarifgebiet ABC (Berlin und Umland) gekündigt. Der "Berliner Block" beinhaltete zuletzt Jahreseinnahmen von 681 Millionen Euro, von denen knapp zwei Drittel an die BVG gingen.

Kilometer-Leistung vs. Anzahl der Fahrgäste

Kommt die BVG mit ihrer Klage gegen DB Regio und S-Bahn nicht durch, werden die Ticketeinnahmen künftig vom Verkehrsverbund und dann nach anderen Schlüsseln als bisher verteilt. Von diesen sieht sich die BVG benachteiligt, weil der VBB stärker die Kilometer-Leistung und weniger die Zahl der beförderten Fahrgäste berücksichtigt. Die BVG befördert zwar täglich mehr als drei Millionen Fahrgäste, aber oft nur über kurze Strecken.

Sowohl BVG-Chefin Nikutta, als auch S-Bahn-Chef Peter Buchner sehen eine einfache Lösung für den Konflikt: Alles soll bleiben, wie es war. Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) sagte im Hauptausschuss, er bemühe sich intensiv um eine Übergangsregelung. Diese könnte darin bestehen, dass die Länder mit einem Teil ihrer Mehreinnahmen drohende Verluste bei BVG und S-Bahn ausgleichen. Aus Brandenburg habe es erste Zusagen gegeben, sich an einer Lösung zu beteiligen.

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